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500. Geburtstag Lucas Cranach der Jüngere

Geflügelte Schlange als Münzmotiv

Zum 500. Geburtstag des Renaissance-Malers Lucas Cranach dem Jüngeren erscheint im Oktober eine 10-Euro Gedenkmünze, die das Signet des Künstlers zeigt, eine gekrönte und geflügelte Schlange.

Lebenslang stand er im Schatten seines berühmten Vaters und auch heute noch denkt man zuallererst an den um 1472 geborenen, äußerst produktiven sächsischen Hofmaler mit dem Namenszusatz "der Ältere", wenn von Lucas Cranach die Rede ist. Doch auch Lucas Cranach der Jüngere, dessen 500. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, war ein Meister seines Fachs und bildgewaltiger Wegbegleiter der Reformation. Er übernahm 1537 die Werkstatt seines Vaters in Wittenberg, in der zahlreiche herausragende Gemälde entstanden sind.

Vom Vater hat er auch das Wappen übernommen, das diesem vom sächsischen Kurfürst Friedrich dem Weisen 1508 verliehen worden war: eine geflügelte Schlange mit einer Krone auf dem Kopf und einem Rubinring im Maul. Allerdings mit einer kleinen Änderung: Trug die Schlange ursprünglich aufgestellte Fledermaus-Flügel, so wurde daraus bei Lucas Cranach dem Jüngeren das Gefieder eines Vogels. Auch numismatisch ist dieser Wandel dokumentiert: Während auf einer DDR-Gedenkmünze zu 20 Mark, die 1972 zum 500. Geburtstag von Lucas Cranach d. Ä. erschien, die Fledermaus-Version zu sehen ist, prägt die 2015 erscheinenden Bundesausgabe das geänderte Künstlerwappen mit dem Vogel-Flügel. Auf den ersten Blick sehen sich die beiden Bildmotive aber zum Verwechseln ähnlich.

Gestaltet wurde die neue 10-Euro-Gedenkmünze von Erich Ott aus München, dem die Jury für die "souveräne Umsetzung des gewählten Motives" den 1. Preis im Künstlerwettbewerb zusprach. In der Beurteilung heißt es wörtlich: "Zur Schlange im feinen Relief passt gut die moderne Schrift, die in aller Klarheit den Geehrten mit seinen Lebensdaten nennt. Vorder- und Rückseite harmonieren in der Gestaltung, die alle Anforderungen an eine würdige Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland im Vorfeld des großen Reformationsjubiläums 2017 auf das Beste erfüllt." Die Randschrift lautet: "DEM FUERTREFFLICHEN MALER".

Die Cranach-Schlange auf den ersten beiden Plätzen
Platz 2 ging an Ulrike Funk aus Wismar, die ebenfalls das Markenzeichen der Cranach-Werkstätten als Motiv wählte. Und auch hier war das Preisgericht voll des Lobes: "Der Entwurf besticht durch seine subtile, elegante und lebendige Ausarbeitung... Die Adlerfigur ist ebenso hervorragend modelliert wie das Schlangenmotiv selbst und vermittelt einen würdigen Eindruck. Die asymmetrische Typografie der serifenbetonten Schrift umschließt souverän beide Bildelemente."

Den dritten Preis errang Claudius Riedmiller aus Stuttgart, der als Bildvorlage das einzig gesicherte Porträt von Lucas Cranach dem Jüngeren verwendete: ein Ausschnitt aus einem Dessauer Altar-Gemälde, auf dem sich Cranach selbst als Mundschenk dargestellt hat. Jury-Zitat: "Die zentral und klar ins Münzrund gesetzte Darstellung ist fein
reliefhaft ausgearbeitet und strahlt Ernsthaftigkeit und Würde aus. Die Umschrift fügt sich harmonisch in die Komposition.
Die Adlergestaltung ist würdevoll, im Gegensatz zum Porträt jedoch ohne Binnenrelief gestaltet, was die Harmonie mit der Bildseite im Ausdruck insgesamt vermindert."

Vollständiger Artikel mit Darstellung der Konkurrenzentwürfe im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2015.

Lucas Cranach

Lucas Cranach

Erich Ott aus München, einer der erfolgreichsten deutschen Münzgestalter, gewann mit dieser Arbeit den 1. Preis im Wettbewerb.

 

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