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Acht motivgleiche Euro- und Cent-Kursmünzen

Litauen ist jetzt Teil der Euro-Zone

Anfang Januar führte Litauen den Euro ein. Nach Estland und Lettland ist damit auch die dritte Baltenrepubik Teil der europäischen Währungsgemeinschaft. Alle acht neuen Kursmünzen tragen als nationales Motiv den Ritter aus dem Landeswappen. Auch die Motive der ersten Gedenkmünzen in Euro-Währung wurden bereits vorgestellt.

Die neuen Umlaufmünzen Litauens, mit denen die Euro-Sammler ab Januar 2015 ihre Kollektionen vervollständigen können, haben ein gelungenes Motiv: Sie zeigen motivgleich Vytis, den weißen Ritter vom litauischen Staatswappen. Der geharnischte Reiter auf seinem springenden Pferd schwingt über dem Kopf sein Schwert, in der Linken hält er einen Schild mit dem Doppelkreuz der Jagiellonen, einem alten litauischen Herrschergeschlecht.

Der Vytis (Verfolger) wurde schon im 15. Jahrhundert zum Staatssymbol des Großfürstentums Litauen und gilt heute als Sinnbild für die Souveränität des Landes, umso mehr als die Darstellung nach dem Zweiten Weltkrieg unter Stalin verboten war. Erst 1990 wurde der weiße Ritter wieder das offizielle Nationalsymbol des Landes. Das Design basiert auf einem Entwurf des litauischen Bildhauers Juozas Zikaras aus dem Jahr 1925, den dieser für die damaligen Münzen in Litas-Währung entworfen hatte. Die Regierung wollte damit symbolisch an die Zeit der Unabhängigkeit von 1918 bis 1940 anknüpfen und ließ Vytus auch auf die bis Ende 2014 kursgültigen Münzen prägen.

Kein Wunder, dass die nationalen Seiten der neuen Euros den alten Wertseiten vom Motiv her zum Verwechseln ähnlich sind. Aber auch einige Spezifikationen stimmen überein: Die Höchstwerte aus Bimetall haben jeweils einen silbernen Ring mit goldfarbenem Kern (5 Litas/2 Euro) bzw. umgekehrt (2 Litas/1 Euro). Lediglich der Durchmesser der alten Litas-Stücke ist etwa zwei Millimeter größer und statt der zwölf Europasterne tragen sie Staatsbezeichnung und Jahreszahl als Umschrift. Bei den Centas-Stücken ist der Unterschied zum neuen Kleingeld etwas augenfälliger.
Alle litauischen Euro- und Centmünzen haben zwar dasselbe Bildmotiv, jedoch ist der Hintergrund im Euro-Sternenkreis unterschiedlich: Bei der 2-Euro-Münze ist der Ring senkrecht geriffelt und der Münzrand mit der Inschrift "LAISVE, VIENYBE, GEROVE" (Freiheit, Einheit, Wohlergehen) versehen. Bei den zweistelligen Cent-Stücken ist der Ring waagerecht geriffelt und bei den kupferfarbenen Kleinmünzen ist der komplette Hintergrund der Münze glatt. Links neben dem Landesnamen im unteren Bereich der Münzen befindet sich das Prägezeichen, ein Kreis mit den Buchstaben LMK (Lietuvos Monet? Kalykla). Es zeugt davon, dass Litauen noch über eine eigene Münzprägestätte verfügt - im Gegensatz zu den baltischen Bruderstaaten, deren neue Münzen in Finnland (für Estland) bzw. Stuttgart (für Lettland) geprägt wurden.

Kontinuität im Gedenkmünzenprogramm

Nicht nur beim Motiv der Kursmünzen bleibt sich Litauen in Euro-Zeiten weitgehend treu, auch das Ausgabeprogramm der Gedenkmünzen knüpft nahtlos an das bisherige an. Es war und ist geprägt von landestypischen Motiven, die Geschichte und Kultur, große Persönlichkeiten und internationale Ereignisse ehren.

Eine der letzten Ausgaben in alter Währung galt 2014 dem 25. Jahrestag des "Baltischen Wegs", der längsten Menschenkette in der Geschichte: Über eine Million Esten, Letten und Litauer schlossen sich am 23. August 1989 auf einer Strecke von rund 650 Kilometern durch alle drei Länder zusammen, um 50 Jahre nach dem Hitler-Stalin-Pakt ihrem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit von der Sowjetunion Ausdruck zu verleihen. Die 50-Litu-Sterlingsilbermünze zeigt einen Zweig mit drei Blättern (koloriert in den jeweiligen Landesfarben), der über die Landkartenumrisse des Baltikums rankt. Die Prägung erschien im Rahmen der Serie "Litauens Weg zur Unabhängigkeit", die mit neuen Motiven in der Euro-Ära ab 2015 fortgesetzt wird.

Mit denselben Spezifikationen (925er Silber teilkoloriert, 38,6 Millimeter und 28,3 Gramm), nur mit auf 20 Euro geändertem Nennwert, ist für das erste Quartal eine Gedenkmünze angekündigt, die den 25. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung von 1990 würdigt. Motiv ist ein Boot mit einem Vogelflügel als Segel, das auf Wellen in den Landesfarben dahingleitet. Die Farben stehen für die litauischen Werte: Gelb für Sonne, Licht und Güte, Grün für Natur, Freiheit und Hoffnung sowie Rot für das Land und das Blut, das für die Heimat vergossen wurde. Darunter ist eine Notenzeile mit dem Beginn der Nationalhyme dargestellt. Die Worte "Lie _ tu_va, Te _ vy_ne" bedeuten übersetzt "Litauen, Heimatland".

Der gestandene Euro-Sammler wird sich an die Miniauflagen erst noch gewöhnen müssen, in denen litauische Gedenkmünzen bislang erscheinen. So gibt es die beschriebene 20-Euro-Münze lediglich 4000 Mal - kein Stück mehr als zu Litas-Zeiten. Man darf gespannt sein, ob diese Menge künftig ausreichen wird, um die Nachfrage aus ganz Euroland zu befriedigen. Ein Trost für alle, die bei der Silbermünze nicht mehr zum Zug kommen: Das teilkolorierte Unabhängigkeitsmotiv gibt es auch in einer 28-Millimeter-Version aus "Nordischem Gold" (ähnlich den 10- bis 50-Cent-Münzen) mit 5 Euro Nennwert und einer Auflage von immerhin 25000.

Ebenfalls im ersten Quartal 2015 erscheint eine 50-Euro-Goldmünze, die der Münzprägung im Großherzogtum Litauen gewidmet ist. Sie erinnert an die großen Traditionen der Prägestätte in Vilnius, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen - schon unter Großfürst Algirdas (1345-1377) sind hier Silbermünzen geprägt worden. Auf der Wertseite sind neben dem aktuellen ein Dutzend historischer Münzzeichen zu finden. Interessant ist auch die Rückseite: Das Motiv des Wappenritters ist vertikal geteilt und, einem Prägestempel nachempfunden, samt Schriftzug "Lietuva" teilweise spiegelverkehrt dargestellt.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2015.

Litauen

Die neuen Euro-und Cent-Münzen zeigen alle den Ritter vom litauischen Staatswappen.

Litauen

Entwürfe der ersten Litauischen Euro-Gedenkmünzen "25 Jahre Unabhängigkeit" (Sterlingsilber, teilkoloriert), "Münzprägung im Großfürstentum Litauen" (Gold) und "500. Geburtstag von Großfürst Mikolaj Czarny Radziwill" (Sterlingsilber).

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