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Editorial März/April 2015

Vor 25 Jahren erschien die letzte DDR-Gedenkmünze

Vor genau 25 Jahren fand die letzte Wahl zur Volkskammer der DDR statt. Es war zugleich die erste und einzige, die demokratischen Regeln entsprach. Der Rostocker Joachim Gauck, damals Mitglied der Bürgerbewegung "Neues Forum", erinnert sich: "Dann kam der Wahltag, der 18. März 1990. Als ich meine Stimme abgegeben hatte, liefen mir die Tränen über das Gesicht. Ich musste fünfzig Jahre alt werden, um erstmals freie, gleiche und geheime Wahlen zu erleben." Viele empfanden ähnlich wie der heutige Bundespräsident, der selbst diesem Übergangsparlament angehörte.

Hauptaufgaben der neuen Regierung unter Ministerpräsident Lothar de Maizière: die Vollendung der Deutschen Einheit auf Basis des Grundgesetzes und die sofortige Einführung der Deutschen Mark. Eile war geboten, denn dem Osten Deutschlands drohte der Exodus. Täglich verließen zwei- bis dreitausend Menschen die DDR und siedelten in die Bundesrepublik über. In vielen Ost-Betrieben war die Produktion kaum noch aufrechtzuerhalten und die Forderung der Bürger wurde immer lauter: "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr."

Nur wenige Wochen nach Amtsantritt der neuen DDR-Regierung unterzeichneten am 18. Mai 1990 die damaligen Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, Theodor Waigel und Walter Romberg, einen Staatsvertrag von weitreichender Bedeutung. Es wurde die Errichtung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion besiegelt, die als Voraussetzung für die deutsche Wiedervereinigung unter anderem das Ende der Ost-Mark vorsah. In Artikel 1 heißt es wörtlich: "Die Vertragsparteien bilden beginnend mit dem 1. Juli 1990 eine Währungsunion mit einem einheitlichen Währungsgebiet und der Deutschen Mark als gemeinsamer Währung."

Die letzten Gedenkmünzen der DDR waren bereits zweieinhalb Monate zuvor erschienen. Den Schlusspunkt bildete am 3. April 1990 eine Silbermünze, die nicht nur große historische Bedeutung hat, sondern auch eine hohe Symbolkraft: Sie galt der Öffnung des Brandenburger Tors wenige Monate zuvor. Mit einer 20-Mark-Münze feierte der sozialistische Staat vor einem Vierteljahrhundert also gewissermaßen seinen eigenen Untergang. In jeder Deutschland-Sammlung verdient dieses Stück einen Ehrenplatz.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

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