Internationale Fachzeitschrift für
alte und neue Numismatik

Start » Heft-Archiv » Jahrgang 2015 » Ausgabe 4/2015 » 30 Jahre EU-Flagge

Gestaltungswettbewerb entschieden

2-Euro-Gemeinschaftsausgabe "30 Jahre EU-Flagge"

Der Münzwettbewerb für die neue 2-Euro-Gemeinschaftsausgabe "30 Jahre EU-Flagge" ist entschieden: Der Siegerentwurf stammt von Georgios Stamatopoulos aus Griechenland.

Rund 100.000 Stimmen sind nach Angaben der Europäischen Kommission bei der sechswöchigen Internet-Wahl für das Design der 2-Euro-Gedenkmünze "30 Jahre EU-Flagge" abgegeben worden. Davon gingen dreißig Prozent an das Siegermodell, das von Georgios Stamatopoulos stammt. "Mein Entwurf symbolisiert die Völker Europas, die europäische Flagge und den gemeinsamen kulturellen Weg der Menschen in Europa", so der Künstler auf der Pressepräsentation am 28. Mai. Erklärend fügte er hinzu, sein Entwurf sei einfach und leicht zu verstehen, ein Symbol dafür, dass alle zusammen nach einer besseren Zukunft streben können. Damit trifft der Münzgestalter die in der Ausschreibung genannten Vorgaben, wonach die Europaflagge (die es in dieser Form übrigens bereits seit 60 Jahren gibt) auch die Ideale von Solidarität und Harmonie zwischen den Völkern Europas widerspiegeln soll.

Tatsächlich wirkt der stilisierte Entwurf einer zwölfköpfigen Menschengruppe mit ausgebreiteten Armen, die kreisförmig um die Europaflagge in der Mitte angeordnet ist und diese zu umarmen scheint, bereits auf den ersten Blick verständlich. Fast wie von Kinderhand gezeichnet, erinnert er außerdem nicht von ungefähr an die 2-Euro-Gemeinschaftsausgabe von 2009 anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Sie präsentiert ein Strichmännchen neben dem Euro-Symbol, wobei die Darstellung wie eine urzeitliche Zeichnung wirkt, die auf eine antike Münze graviert wurde. Auch damals hieß der Künstler Georgios Stamatopoulos, der als Münzdesigner für die Nationalbank Griechenlands tätig ist. Von ihm stammen nicht nur die Entwürfe aller acht griechischen Euro- und Cent-Kursmünzen, sondern auch die der meisten Gedenkmünzen des Landes.

Zweistufiger Wettbewerb

Allerdings war der Zeitplan für die diesjährige Gemeinschaftsausgabe - die mittlerweile vierte nach "50 Jahre Römische Verträge" 2007, "10 Jahre WWU" 2009 und "10 Jahre Euro-Bargeld" 2012 - ungewohnt eng gefasst. Wie im letzten Heft berichtet, wurde der Beschluss für die 2-Euro-Gedenkmünze (geplanter Ausgabetermin: zweite Jahreshälfte 2015) erst im Dezember 2014 gefasst und bereits zwei Monate später startete der zweistufige Münzwettbewerb. Wie jetzt bekannt wurde, waren hierfür Designer aller staatlichen Münzstätten der Euro-Länder eingeladen worden. Daraufhin wählte zunächst eine nicht näher bezeichnete Fachjury unter den Einreichungen fünf Entwürfe aus, die aus Griechenland, Italien, Slowenien, Spanien und Zypern (jedoch von einer beauftragten italienischen Designerin) stammen und die anschließend den "Bürgern und Gebietsansässigen des Euro-Währungsraums" (so die offizielle Bezeichnung) in einem öffentlichen Internet-Wettbewerb von Mitte April bis Ende Mai zur Wahl gestellt wurden. Unter dem Slogan "Gewinnen Sie Preise wie einen Urlaub oder ein iPad ..." sollten die Internetbesucher animiert werden, an der Wahl teilzunehmen und ihre Stimme abzugeben.

Ungewöhnlich daran war zum einen, dass die Identität der Teilnehmer nicht eindeutig registriert wurde, womit mehrfachen Stimmabgaben nichts im Wege stand. Zum anderen mussten die Teilnehmer, bevor ihre Stimme angenommen wurde, erst noch Fragen zu wechselnden Image-Videos im Internet zur aktuellen Brüsseler Europapolitik beantworten, ganz im Sinne politischer Meinungsbildung. Drittens konnte man bei der Auslosung nur dann einen Preis gewinnen, wenn man zuvor den späteren Siegerentwurf gewählt hatte. Womöglich ließ sich dadurch mancher dazu verleiten, nicht den persönlichen Favoriten zu wählen, sondern für einen vermeintlichen "Mainstream"-Entwurf zu stimmen. Üblich dagegen ist, wenn aus allen Teilnehmern unabhängig von deren Wahl die Gewinner gezogen werden, wie etwa bei der bekannten TV-Auszeichnung "Tor des Monats".

Ausgabe in Deutschland erst im 4. Quartal 2015

Wie dem auch sei, nun ist der Münzwettbewerb abgeschlossen, und zwar mit einem würdigen Siegerentwurf. Das Gemeinschaftsmotiv soll jetzt in allen 19 Mitgliedsstaaten der Euro-Zone geprägt werden, wobei die Worte "ISSUING COUNTRY" auf der Münze noch durch die entsprechenden Landesnamen ersetzt werden. Die Herstellung sollte eigentlich zu Redaktionsschluss bereits angelaufen sein, so dass mit Erscheinen des vorliegenden Heftes Anfang Juli die ersten 2-Euro-Stücke mit Europaflagge-Motiv schon im Umlauf sein könnten. Dies war zumindest die optimistische Planung der verantwortlichen EU-Kommission in Brüssel. Das Bundesfinanzministerium in Berlin allerdings erteilte diesem ambitionierten Zeitplan sogleich eine Absage. Gegenüber dem Deutschen Münzen Magazin betonte eine Sprecherin: "Für Deutschland gehen wir zurzeit von einer Ausgabe im 4. Quartal 2015 aus."


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai/Juni 2015.

Siegerentwurf "30 Jahre EU-Flagge"

Siegerentwurf "30 Jahre EU-Flagge" von Georgios Stamatopoulos aus Griechenland.

30 Jahre EU-Flagge

Diese vier Konkurrenzentwürfe kamen nicht zum Zug.

© DEUTSCHES MÜNZEN MAGAZIN - Alle Rechte vorbehalten