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neues programm löst die Serie "Deutscher Wald" ab

Ab 2016: Heimische Vögel auf kleinen Gold-Euros

2016 startet mit der Nachtigall die neue deutsche 20-Euro-Goldmünzenreihe "Heimische Vögel". Sie löst das Erfolgsprogramm "Deutscher Wald" ab, das mit der Linde im Juni dieses Jahres planmäßig nach sechs Ausgaben beendet wurde.

Am 26. Juni 2015 hatte mit dem Motiv eines Lindenblatts die letzte Ausgabe der deutschen 20-Euro-Goldmünzenserie "Deutscher Wald" ihren offiziellen Ersttag. Die beliebte Reihe der kleinen Gold-Euros wird jedoch mit neuem Thema nahtlos fortgesetzt: Ab 2016 zieren sechs Jahre lang heimische Vögel die Achtelunzen aus purem Feingold. Die Auswahl der Motive erfolgte auf der Grundlage eines von dem bekannten deutschen Zoologen Prof. Dr. Josef H. Reichholt erstellen Konzepts zu typischen Vogelarten in Deutschland. Das Bundeskabinett hat jetzt entschieden und gab die Siegerdesigns bekannt.

Im Gegensatz zur ersten Sechser-Reihe, für die ausnahmsweise kein geordneter Gestaltungswettbewerb veranstaltet worden war, beurteilte diesmal eine fachkundige Jury aus Künstlern und Münzexperten mit einem Ornithologen als Fachpreisrichter die eingereichten Arbeiten. War 2010 bei "Deutscher Wald" noch vorgeschrieben worden, dass auf den Münzen jeweils ein Blatt oder ein Zweig stellvertretend für den gesamten Baum gezeigt werden soll, so blieb die Gestaltung diesmal ganz der künstlerischen Freiheit überlassen. Denkbar war deshalb auch eine gemischte Serie, auf deren Einzelmünzen einmal nur der Kopf, ein anderes Mal der ganze Vogel auf einem Zweig oder eine typische Flugsilhouette gezeigt werden.

Die Motive stammen von drei Künstlern

Dazu ist es aber nicht gekommen. Die Wettbewerbsjury, deren Empfehlungen das Bundeskabinett folgte, wählte wirklichkeitsgetreue Darstellungen aus, auf denen jeweils der ganze Vogel zusammen mit einem Detail seiner natürlichen Umgebung abgebildet wird. So bekommt die Sechser-Serie ihre wünschenswerte gestalterische Geschlossenheit, obwohl die Motive von drei verschiedenen Künstlern stammen. Auch die Typografie der Umschriften fällt - je nach Gusto des Gestalters - unterschiedlich aus: Auf je zwei Münzen wird der Name des Vogels in großen, gesperrten Buchstaben ausgeführt (Weißstorch, Uhu), dann in kleiner und erhabener Schrift (Pirol, Schwarzspecht) und schließlich mit vertieften Lettern (Nachtigall, Wanderfalke).

Seriencharakter gewahrt

Der Seriencharakter wird durch die motivgleiche Adlerseite, die stark an die Wertseite der Vorgängerserie "Deutscher Wald" erinnert, und durch die technischen Spezifikationen unterstrichen. Diese sind mit einem Durchmesser von 17,5 Millimetern und einem Gewicht von 1/8 Unze (= 3,89 Gramm) gegenüber dem Vorgängerthema gleich geblieben. Unverändert blieben auch der 20-Euro-Nennwert, der spezielle Riffelrand und der sehr hohe Edelmetall-Feingehalt von 999,9/1000. Dieses Prägemetall - praktisch chemisch reines Gold - darf pro Kilogramm höchstens ein zehntel Gramm (!) anderer Bestandteile enthalten.

Bemerkenswert ist die Festlegung der Auflage auf weiterhin 200000 Stempelglanz-Prägungen jährlich, die zu gleichen Teilen in allen fünf deutschen Münzstätten gefertigt werden sollen. Bei den 100-Euro-Goldstücken und den 10- (bzw. ab 2016) 20-Euro-Gedenkmünzen werden die Prägeaufträge dagegen stets der erwarteten Nachfrage angepasst.

Ob es wieder eine "offizielle" Sechser-Kassette aus Holz gibt, wie sie zusammen mit der Erstausgabe der Reihe "Deutscher Wald" ausgeliefert wurde, ist noch nicht entschieden. Dass es jedoch auch für die neue 20-Euro-Goldserie wieder "eine attraktive Verpackung" geben wird, bestätigte im Interview mit dem Deutschen Münzen Magazin (Ausgabe 4/2015) Ministerialrätin Ulrike Bohm, Leiterin des Münzreferats im Bundesfinanzministerium.

Nachtigall (2016)

Sie ist die "Königin der Nacht": die melodiösen Gesänge der Nachtigall, die sie vor allem bei Dunkelheit vorträgt, haben diese Vogelart berühmt gemacht. Große Komponisten wie Chopin oder Beethoven ließen sich von ihr inspirieren. Äußerlich eher unscheinbar grau-braun und etwa 17 Zentimeter groß, ist das Hauptkennzeichen dieses Zugvogels seine Stimme, die viele aber gar nicht mehr aus der Natur kennen, denn der Lebensraum der Nachtigall verkleinert sich mit fortschreitender menschlicher Besiedelung und Kultivierung der Landschaft immer weiter. Auf der Münze, die von Bodo Broschat aus Berlin gestaltet wurde, ist die Nachtigall vor dem Hintergrund des Vollmondes auf einem Zweig sitzend und mit zum Gesang geöffnetem Schnabel dargestellt. Das Preisgericht würdigte den Entwurf für seine "gelungene plastische Darstellung in Verbindung mit der Reduzierung auf die wichtigsten Details des Vogels".

Pirol (2017)

Deutlich größer und mit seinem gelb-schwarzen Gefieder viel farbenprächtiger als die Nachtigall ist der Pirol, der im Jahr 2017 als Münzmotiv vorgesehen ist. Dass er zu den "heimischen Vögeln" gezählt werden kann, hat er einer einzigen von 28 Arten dieser Vogelfamilie zu verdanken, die in Europa lebt. Die übrigen sind in den Tropengebieten Afrikas und Asiens beheimatet. Zu Gesicht bekommt man den amselgroßen Vogel trotz seiner auffallenden Färbung kaum, denn er verbirgt sich im Laubdach hoher Bäume, wo er auch sein Nest baut. Oft ist nur sein charakteristischer, flötender Ruf zu hören. Die Münze wurde gestaltetet von Frantisek Chochola aus Hamburg und zeigt den Vogel sitzend auf einem Ast mit nach hinten gewandtem Kopf. Die charakteristische Färbung des Pirols wird durch die Oberflächenstruktur des Reliefs angedeutet: Die gelben Federpartien sind glatt, die schwarzen dagegen strukturiert dargestellt. Die Jury lobt: "Die Gestaltung ist klar und auf das Wesentliche reduziert. Durch die Darstellung auf dem Zweig eines Laubbaumes wird der Lebensraum im Entwurf gut angedeutet."

Uhu (2018)

Diesen Vogel erkennt jedes Kind auf Anhieb: mit seinem massigen, im Sitzen aufgerichteten Körper, dem dicken Kopf und den Federohren ist der Uhu sofort als Eulenart zu identifizieren. Er ist mit durchschnittlich 61 Zentimetern der größte Vertreter dieser Tierordnung und hat eine Flügelspannweite von oft mehr als 1,60 Metern. Seinen deutschen Namen verdankt der Uhu seinem charakteristischen Balzruf, von dem sich auch der offizielle Gattungsname Bubo ableitet. Ins Relief umgesetzt wurde er von der Bildhauerin Adelheid Fuss aus Geltow, die damit (nach einem 3. Preis für Bismarck 2015) ihre erste Münze für Deutschland gestaltete. Der Uhu hockt auf einem Gehölz und fixiert gespannt den Betrachter mit seiner "sorgfältig modellierten Augenpartie", wie das Preisgericht anerkennend hervorhebt. Und weiter: "Der flaumige Körper ist in in seiner Oberflächenwirkung ebenso gut getroffen wie der bis zu einzelnen Federn plastisch modellierte Flügel."

Wanderfalke (2019)

Der Gold-Vogel des Jahres 2019 stammt wie die Nachtigall von Bodo Broschat. Das von ihm geschaffene Relief eines Wanderfalken beurteilte die Jury als "sehr gut getroffen", denn "Einzelheiten, wie der markante Schnabel und die sorgfältig ausgearbeiteten Krallen unterstreichen den Charakter des Vogels als beobachtendes und jagendes Raubtier." Als einzige der sechs Münzen zeigt diese Ausgabe zusätzlich zur Darstellung des Vogels in Sitzposition auch noch klein das falkentypische Flugbild mit spitz zulaufenden, relativ langen Flügeln und einem kräftigen Rumpf. Der Wanderfalke ist die am weitesten verbreitete Vogelart der Welt und ist bis auf die Antarktis in allen Erdteilen heimisch. Bei der Jagd auf kleinere Vögel, der bevorzugten Nahrung des Wanderfalken, kommt es oft zu spektakulären Hochgeschwindigkeits-Sturzflügen aus großer Höhe, mit denen er seine Beute in der Luft überrascht.

Weißstorch (2020)

Unser nächster Vogel ist eines der beliebtesten gefiederten Tiere in Deutschland: der Weißstorch. Der Legende nach bringt er den Menschen ihre Babys, gilt vielerorts als Glücksbringer und ist die Hauptfigur vieler Märchen und Fabeln. Es ist jedes Mal ein Ereignis, wenn ein Storchenpaar nach einem langen Winter in Afrika wieder an seinen angestammten Platz in unseren Breiten zurückkehrt und etwa auf einem großen Baum oder dem Dach der Dorfkirche an seinem Horst weiterbaut. Wenn die Nahrungs- und Umweltbedingungen sich nicht verschlechtern, halten Störche ihrem Nistplatz oft Jahrzehnte lang die Treue. Auf der Münze dargestellt ist der Weißstorch stehend auf seinem Horst mit Blickrichtung nach links. Den 1. Preis im Gestaltungswettbewerb erhielt nach dem Uhu einmal mehr Adelheid Fuss. Ihr Entwurf "besticht durch seine Klarheit und Eleganz", so das Preisgericht. Die differenzierte Darstellung des Gefieders vermittle "einen sehr plastischen und lebendigen Eindruck" des Vogels. Gerade die Reduktion auf die stolze Haltung des Storches hat die Jury überzeugt.

Schwarzspecht (2021)

Den Schlusspunkt der 20-Euro-Goldmünzenserie bildet im Jahr 2021 der Schwarzspecht, der (wie der Pirol) von Frantisek Chochola gestaltet wurde. Auf der Darstellung krallt sich der Vogel in typischer Pose am Rand seiner Nisthöhle an einen Baum. Sehr schön kommt der lange, spitze Schnabel zur Geltung, mit dem der Specht in schneller Folge gegen den Baumstamm hämmert, um an versteckte Futterinsekten, vornehmlich Ameisen oder Borkenkäfer, zu kommen und das Holz für den Höhlenbau zu zerspanen. Das Preisgericht hebt lobend hervor: "Baum wie Vogel sind ausgesprochen differenziert plastisch dargestellt. Sogar der in der Natur rote Scheitel bleibt in der künstlerischen Umsetzung erkennbar."

Gemeinsame Wertseite

Die gemeinsame Wertseite der Serie schließlich zeigt den siebten "Heimischen Vogel", der hier allerdings als Staatssymbol fungiert: Der Adler in der klassischen Wappenpose mit ausgebreiteten Flügeln besitzt, so die Wettbewerbsjury, "die notwendige Neutralität und tritt nicht in Konkurrenz zu seinen ‚Artgenossen' auf den Bildseiten". Er wurde - wie Uhu und Storch - von Adelheid Fuss gestaltet. Das Preisgericht lobte die "umlaufende feingliedrige, gut ausgeglichene Typografie und die gleichmäßig angeordneten Eurosterne", die in einem ausgewogenen Verhältnis zum Adler positioniert seien und so der Wertseite einen insgesamt "zeitlosen und zurückhaltenden Gesamteindruck" verliehen.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Juli/August 2015.

Gegenüber der Vorgänger-Reihe "Deutscher Wald" sind die Motive der neuen 20-Euro-Goldmünzenserie deutlich attraktiver: Dargestellt werden jeweils der ganze Vogel und Details seiner natürlichen Umgebung. Die Motive wurden von drei unterschiedlichen Münzdesignern entworfen, was an Stil, Typografie und am Künstlermonogramm erkennbar ist. Den Anfang macht 2016 die Nachtigall (2016), gefolgt von Pirol (2017), Uhu (2018), Wanderfalke (2019), Weißstorch (2020) und Schwarzspecht (2021).

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