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2-Euro-Gemeinschaftsserie 2015

"30 Jahre EU-Flagge" aus 19 Staaten

Die meisten der 19 nationalen Versionen der diesjährigen 2-Euro-Gemeinschaftsausgabe "30 Jahre EU-Flagge" sind mittlerweile erschienen. Bei gleichem Bildmotiv unterscheiden sie sich durch die Staatsbezeichnungen und Prägezeichen. Und es gibt Besonderheiten. Zum Beispiel aus Frankreich, die auf einer Teilauflage die Flagge blau kolorierte, und aus Luxemburg mit Wechselbild, das den Großherzig zeigt.

Das aktuelle 2-Euro-Gemeinschaftsthema "30 Jahre EU-Flagge" wurde ganz kurzfristig im Dezember 2014 von den Finanzministern der Eurozone beschlossen und von der Europäischen Kommission am 10. Februar 2015 samt Ausführungsbestimmungen bekannt gemacht. Danach sollten von den staatlichen Münzstätten in ganz Euroland bis Ende März Entwürfe für das Gemeinschaftsmotiv eingereicht werden, unter denen eine Jury die fünf besten auszuwählen hatte. Das Design sollte, so die Ausschreibung, "die Europaflagge nicht nur als Symbol der Europäischen Union zeigen, sondern auch als Symbol für die Einheit und Identität Europas in erweitertem Sinne, und es sollte die Ideale von Solidarität und Harmonie zwischen den Völkern Europas widerspiegeln." In Übereinstimmung mit den Regeln für die 2-Euro-Gedenkmünzen darf dabei auf der Bildseite weder die Währung noch ein Nennwert genannt werden, und der äußere Ring muss die zwölf Europasterne aufweisen.

Mit einiger Verzögerung wurde schließlich die Vorauswahl aus insgesamt 62 eingereichten Entwürfen im Internet zur Abstimmung gestellt. Die Designs stammten aus Griechenland, Italien, Slowenien, Spanien und Zypern. Von Mitte April bis Ende Mai hatten dann die "Bürger und Gebietsansässigen des Euro-Währungsraums" Gelegenheit zu votieren. Insgesamt sind nach Angaben der EU-Kommission über 100.000 Stimmen abgegeben worden, von denen 29,7 Prozent auf die Arbeit von Georgios Stamatopoulos, Münzgestalter bei der Griechischen Staatsbank, entfielen. Dieser Entwurf lag damit auf Platz 1.

Der jetzt geprägte Siegerentwurf zeigt eine zwölfköpfige, stilisierte Menschengruppe, die mit ausgebreiteten Armen eine Europafahne umringt. Anlässlich einer öffentlichen Präsentation des Designs bei der Europäischen Kommission in Brüssel erläuterte Stamatopoulos sein Werk: "Mein Entwurf symbolisiert die Völker Europas, die europäische Flagge und den gemeinsamen Weg der Europäer in Kultur und Zivilisation."

Vom Gestalter des "Strichmännchen"-Motivs

Die fast wie von Kinderhand gezeichnete Stilisierung der Menschen erinnert entfernt an das "Strichmännchen"-Motiv der Gemeinschaftsausgabe von 2009 "10 Jahre WWU". Nicht von ungefähr, stammt sie doch ebenfalls von Georgios Stamatopoulos, der auch damals das Online-Voting für sich entscheiden konnte. Das Monogramm des Künstlers in griechischen Lettern findet sich diesmal unter dem Arm der letzten Figur rechts unten. Die Inschrift auf dem Kern lautet "1985-2015" und enthält die Worte "ISSUING COUNTRY", die bei der späteren Prägung durch den Namen des jeweiligen Ausgabestaats in Landessprache ersetzt wurden. Auf weiteren Text sollte laut Ausschreibung verzichtet werden, um mögliche Probleme für mehrsprachige Länder (wie etwa Belgien) oder Schwierigkeiten bei der Übersetzung zu vermeiden.

Nach "50 Jahre Römische Verträge" (2007), "10 Jahre Wirtschafts- und Währungsunion" (2009) und "10 Jahre Euro-Bargeld" (2012) ist "30 Jahre EU-Flagge" die insgesamt vierte 2-Euro-Gemeinschaftsausgabe. Sie würdigt die Entscheidung vor drei Jahrzehnten, die bis dahin vom Europarat verwendete Flagge auch für die Europäische Gemeinschaft zu übernehmen. Zu den Klängen der Europahymne feierlich gehisst wurde die neue EU-Flagge dann erstmals am 29. Mai 1986 vor dem Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel.

Zwölf Sterne als Symbol der Vollkommenheit

Das europäische Flaggenmotiv besteht aus einem Kreis von zwölf goldenen, fünfzackigen Sternen auf azurblauem Grund. Die Zahl 12 steht dabei für Vollkommenheit - wie die zwölf Sternzeichen, die zwölf Apostel, die Stunden des Tages oder die Monate des Jahres. Dass bei der Einführung der Flagge die Anzahl der EG-Mitglieder ebenfalls zwölf betrug, ist eher ein Zufall, denn, so die amtliche Interpretation der Flaggensymbolik: "Wie die zwölf Zeichen des Tierkreises das gesamte Universum verkörpern, so stellen die zwölf goldenen Sterne alle Völker Europas dar, auch diejenigen, welche an dem Aufbau Europas in Einheit und Frieden noch nicht teilnehmen können."

Die Europaflagge selbst ist schon 60 Jahre alt

Die Europaflagge feiert 2015 übrigens ein noch langjährigeres Jubiläum: Sie wurde nämlich in der heutigen Form bereits vor genau 60 Jahren eingeführt - 1955 als Banner des Europarats. Das erklärt auch die Ehrungen zum runden 50. Geburtstag vor zehn Jahren. Manch ein Münzensammler mag sich noch an die französische Goldmünze erinnern, die 2005 aus diesem Anlass herausgegeben wurde. Als große Besonderheit erschien sie mit einer blau schimmernden Flagge als Motiv, die nach einem patentierten Verfahren in Blaugold ausgeführt ist. Die entsprechenden Motivteile sind dabei hauchdünn mit Eisen beschichtet, das unter Hitzeeinwirkung oxydiert ist und so die bläulichen Farbeffekte erzeugt.

Das funktioniert allerdings nur bei echtem Gold. Das "Nordische Gold" des 2-Euro-Kerns, einer Messing-Legierung, muss mit richtiger Farbe koloriert werden, will man hier die Europaflagge entsprechen einfärben. Und tatsächlich machen die Franzosen dies auch bei der aktuellen Gemeinschaftsausgabe. Als einziger der teilnehmenden Staaten versehen sie einen kleinen Teil der Auflage (je 10000 in Stempelglanz und Polierter Platte) mit einer Kolorierung: Die Europaflagge leuchtet in sattem Blau! Ansonsten sind die Unterschiede, wie bei allen motivgleichen 2-Euro-Gemeinschaftsserien, nicht so augenfällig. Es sind in erster Linie die nationalen Inschriften und die verschiedenen Prägezeichen, die sich von Land zu Land ändern.

Unterschiedliche Ländernamen und Prägezeichen

Von Deutschland gibt es traditionell fünf verschiedene Versionen, die sich durch die Prägebuchstaben A (Berlin), D (München), F (Stuttgart), G (Karlsruhe) und J (Hamburg) unterscheiden. Zu finden sind die Buchstaben rechts neben dem Flaggenmotiv. Auch viele andere nationale Ausgaben nutzen diesen Platz für ihre Prägezeichen, so etwa Finnland, Griechenland, Italien, Litauen, Portugal, die Slowakei oder Spanien mit ihren bekannten Marken. Frankreich und die Niederlande prägen sogar zwei Zeichen auf: eines für die Prägestätte und das andere für den amtierenden Münzmeister.

Einen weiteren großen Unterschied für den Sammler machen natürlich die stark divergierenden Prägemengen aus, die bei Kleinauflagen später den Wert bestimmen können. So gibt es aus Ländern wie Malta oder Zypern üblicherweise nur einige Hunderttausend Exemplare, während große Länder Millionenauflagen prägen. Von dieser Ausgabe fertigen aber auch Staaten, die sonst ihre Doppeleuros in siebenstelligen Stückzahlen in Umlauf bringen, teils nur geringe Mengen. Der Grund: Für viele kam der Beschluss zu "30 Jahre EU-Flagge" wohl etwas überraschend und so kurzfristig, dass der Jahresbedarf an 2-Euro-Stücken bereits durch die länger geplante(n) nationale(n) Ausgabe(n) gedeckt war. So prägen Belgien, Estland und Finnland, deren 2-Euro-Auflagen sonst immer deutlich die Millionengrenze übersteigen, von dieser Münze nur 350.000 bis 500.000 Stück.

Besonderheit aus Luxemburg

Für viele die interessanteste, sicher aber die außergewöhnlichste Ausgabe der 2-Euro-Gemeinschaftsserie kommt regelmäßig aus Luxemburg. Dort schreibt das Gesetz vor, dass auf jeder offiziellen Münze des Landes das Staatsoberhaupt abgebildet sein muss. Da aber bei den Gemeinschaftsprogrammen die Bildseite vorgegeben ist und die Wertseite der 2-Euro-Münzen ohnehin nicht verändert werden darf, bleibt eigentlich kein Platz für das Porträt des Großherzogs. Die Niederlande, in denen auch die Königin jede Münze zieren soll, änderten deshalb zur ersten Europa-Gemeinschaftsausgabe 2007 entsprechend das Münzgesetz, das diese Ausnahme jetzt zulässt. In Luxemburg dagegen behilft man sich mit prägetechnischen Tricks. Durch ein Wechselbild ist je nach Lichteinfall das normale Motiv, in diesem Fall die Europafahne, oder der Großherzog zu sehen.


"30 Jahre EU-Flagge" nicht im deutschen Kursmünzensatz 2015 enthalten

Durch die kurzfristige Entscheidung seitens der Euro-Finanzminister ist diese 2-Euro-Gedenkmünze die erste und bislang einzige, die nicht im entsprechenden deutschen Kursmünzensatz enthalten ist. Als der Beschluss im Frühjahr umgesetzt werden sollte, waren die Jahrgangssätze 2015 bereits erschienen. Dennoch wird die Münze in kleiner Auflage auch in höchster Prägequalität Spiegelglanz herausgegeben: Ende des Jahres erscheint - wie für alle deutschen 2-Euro-Sonderausgaben - ein Fünferset mit den unterschiedlichen Prägebuchstaben A, D, F, G und J in Spiegelglanz. Die Auflage soll bei nur 25000 Sets liegen. Durch das Fehlen im Kursmünzensatz hat "30 Jahre EU-Flagge" damit die niedrigste Spiegelglanz-Auflage aller bisherigen deutschen 2-Euro-Gedenkmünzen.


Vollständiger Artikel mit zahlreichen Abbildungen im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe November/Dezember 2015.

EU Flagge

EU Flagge 5er Set

Die deutsche Version der 2-Euro-Gemeinschafts-Serie 2015 in höchster Prägequalität Spiegelglanz gibt es ausschließlich im Fünferset mit allen Prägebuchstaben und erstmals nicht im entsprechenden Jahres-Kursmünzensatz.

EU Flagge

EU Flagge

Luxemburgische Besonderheit: Als Wechselbild ist je nach Lichteinfall die Fahne (oben) oder der Großherzog (darunter) zu sehen.

EU Flagge

Bei je 10.000 Exemplaren in Stempelglanz und Polierter Platte versah Frankreich die Flagge mit einer blauen Kolorierung.

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