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Editorial März/April 2016

5-Euro-Neuheit soll junge Sammler ansprechen

Premiere zur Premiere: Das Bundesfinanzministerium ließ einen eindrucksvollen computeranimierten Videospot produzieren, der die neue 5-Euro-Gedenkmünze „Blauer Planet Erde“ vorstellt. Untermalt von betörenden Sphärenklängen zeigt er die „Geburt“ der ersten Tri-Material-Münze mit Polymerring: Glänzende Scheiben schweben wie Ufos durch das Dunkel eines virtuelles Weltalls, ein Polymerring kristallisiert knisternd aus und vereinigt sich, blau leuchtend, mit dem geprägten Metall. Dann die kurze Botschaft: „Entdecken Sie die Weltneuheit.“

So innovativ wie die Münze selbst ist auch ihre Markteinführung über das Internet: Der Film ist bei Youtube abrufbar, es gibt eine eigene Website und auf Facebook können Bilder gepostet werden oder „Likes“ abgegeben werden. Das alles für eine einzige Münze!

Finanzstaatssekretär Dr. Michael Meister, der die Präsentation auf der World Money Fair vornahm, nannte auch den Grund: „Ich bin mir sicher, dass diese erste deutsche 5-Euro-Sammlermünze... vor allem auch junge Zielgruppen ansprechen wird.“ Und dafür muss man eben auch mal neue Wege gehen – zugunsten der gesamten Münzensammler-Gemeinde. Denn wenn der Nachwuchs fehlt, hat das ganze schöne Hobby keine Zukunft. Und wer eher auf Wertsteigerungen schielt, darf auch zufrieden sein, weil nur dann die Nachfrage hoch bleibt, wenn ordentlich die Werbetrommel gerührt wird. Alles gut also?

Die Richtung stimmt zumindest. Im Bundesfinanzministerium hat ein Umdenken stattgefunden. Der Sammler wird nicht länger als der unkritische Abnehmer abgetan, der blind alles kauft. Er wird jetzt eher als Kunde gesehen, dessen Wünsche tunlichst respektieren sollte, wer langfristig im Geschäft bleiben will. Stichwort: Rückkehr zum Silber bei deutschen Gedenkmünzen. Diese Entscheidung wurde lange verschleppt, jetzt aber endlich in die Tat umgesetzt.

Das wunderbare neue 5-Euro-Stück kann nur der Anfang einer Ausgabepolitik sein, die wieder mehr die Interessen der Sammler im Blick hat. Beim Vertrieb oder bei der Themen- und Motivauswahl gibt es weiteren Handlungsbedarf. Dazu muss nicht für jede Münze ein aufwendiger Werbespot gedreht werden – wenngleich der offenbar seine Wirkung nicht verfehlt hat. Die letzten Worte, mit dem das „Planet Erde“-Video ausklingt, lauten: „Jetzt vorbestellen!“ Kaum war der Film online gestellt, war er auch schon überholt. Denn die Münze, zumindest in Spiegelglanz, war offiziell ausverkauft. Vorbestellen kann man sie jetzt allenfalls noch bei gut sortierten Münzhändlern.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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