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110 Jahre "Alexander von Humboldt"

Geschichte der Seefahrt in Silber

Der deutsche Traditionssegler „Alexander von Humboldt“ feiert 2016 seinen 110. Geburtstag. Anlass genug für einen Bericht über aktuelle Gedenkmünzen mit historischen Schiffsmotiven aus aller Welt.

Nachdem die aus TV-Spots bekannte Bark „Alexander von Humboldt“ ihr hundertjähriges Jubiläum 2006 mit einem 20.000 Seemeilen langen Törn auf den Spuren ihres berühmten Namenspatrons feierte, steht nun 2016 ihr 110. Geburtstag an. Diesmal soll es keine Weltreise geben wie vor zehn  Jahren. Stattdessen ist für den Frühsommer 2016 eine Verlegung des Großseglers an die Bremer Schlachte (historische Uferpromenade an der Weser und heutige Gastromeile) geplant, nachdem die „Alexander von Humboldt“ zuvor ein Jahr lang im Bremer Europahafen festgemacht war.

110-Jahr-Feiern: „Alexander von Humboldt“ und „Pamir “

Dazu passt eine aktuelle 2-Kina-Gedenkmünze von Papua-Neuguinea, die noch im letzten Jahr erschien und sowohl die „Alex“ als auch ihren mit abgebildeten Namensgeber gemeinsam würdigt. Sie wurde mit 38,6 Millimetern Durchmesser, 12 Gramm Raugewicht und höchster Sammlerqualität „Polierte Platte“ in Sterlingsilber (925/1000) geprägt, was auch für die weiteren hier vorgestellten Schiffsmünzen gilt. Dies liegt daran, dass sie alle Teil der internationalen Kollektion „Geschichte der Seefahrt“ sind. Wobei in diesem Bericht als Besonderheit ausschließlich Neuheiten von Inselstaaten vorkommen, die naturgemäß ein besonders enges Verhältnis zur Seefahrt haben.

So wie beispielsweise die Seychellen, die 2015 eine 10-Rupees-Gedenkmünze zum 110. Geburtstag der „Pamir“ herausgegeben haben. Der Großsegler mit einer Gesamtlänge von 115 Metern wurde in der Hamburger Werft Bloom & Voss gebaut und lief bereits ein Jahr vor der „Alex“ vom Stapel. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs transportierte die „Pamir“ Salpeter auf der Südamerika-Route nach Europa und umrundete dabei 18 Mal das berühmt-berüchtigte Kap Hoorn. Danach wurde sie für verschiedene Frachtfahrten eingesetzt und diente ab den 1950er Jahren auch als Segelschulschiff. Ihr tragisches Ende – Vorlage für den deutschen Fernsehfilm „Der Untergang der Pamir“ (2006) – kam 1957, als die Viermastbark in einem Hurrikan unter ungeklärten Umständen mitten im Atlantik sank. Damit endete auch die Ära der frachtfahrenden Schulsegler.

Erheblich kürzer währte dagegen das Dasein eines weiteren legendären Windjammers: die auf einer Werft im Bremerhavener Stadtteil Geestemünde gebaute und 1902 vom Stapel gelaufene „Preußen“. Der imposante Fünfmaster war mit 147 Metern Gesamtlänge das wohl größte je in Deutschland gebaute Segelschiff und zur Kaiserreichzeit sogar der weltweit längste reine Rah-Segler ohne Hilfsantrieb.

Berühmte Windjammer aus deutschen Werften

Allerdings endete sein Leben als Handelsschiff abrupt, als die „Preußen“ im November 1910 mit einem britischen Dampfer im Ärmelkanal kollidierte, beim anschließenden Bergungsversuch an den Felsen von Dover strandete und danach zerfiel. Dafür erlebte die „Preußen“ 2015 ihre numismatische Wiedergeburt auf einer 2-Dollars-Gedenkmünze der Cook-Inseln, die sie mit geblähten Segeln auf offener See zeigt und deren Umschrift sie als Windjammer bezeichnet – also als schnellen Großsegler.

Von den Cook-Inseln kam im letzten Jahr auch eine Schiffsmünze, die der 1764 vom Stapel gelaufenen, britischen „Endeavour“ gewidmet ist. Sie schrieb seinerzeit Weltgeschichte, als James Cook 1768 bis 1771 mit ihr seine erste Entdeckungsreise in den Südpazifik unternahm. Der unvergängliche Ruhm der „Endeavour“ zeigte sich über zwei Jahrhunderte später, als eine US-Raumfähre nach ihr benannt wurde. Interessant ist auch, dass sie ursprünglich ein Kohlentransporter war, den Cook eigens zum Forschungsschiff umbauen ließ. Die schlichte aber robuste „Endeavour“ hatte einen geräumigen Laderaum für Verpflegung sowie einen flachen Rumpf, der das Risiko verringerte, in unbekannten Gewässern auf Grund zu laufen.

Wesentlich jüngeren Datums ist das auf einer Gedenkmünze zu 10 Tala (Währungssymbol „$“ wie Dollar) von Samoa gewürdigte Segelschulschiff der Deutschen Marine „Gorch Fock“, das gegenwärtig nach der 168. Auslandsausbildungsreise seine planmäßige Werftzeit in Wilhelmshaven absolviert. Im Sommer 2016 soll die 1958 in Hamburg gebaute, insgesamt knapp 90 Meter lange Dreimastbark wieder in ihren Heimathafen Kiel zurückkehren, wie es in einer Mitteilung der Bundeswehr heißt.

Historische britische und spanische Segler

Neben der bereits erwähnten „Endeavour“ gibt es weitere neue Gedenkmünzen mit interessanten Motiven von berühmten englischen, aber auch spanischen Segelschiffen (Abbildungen im Deutschen Münzen Magazin 2/2016). So haben die Salomonen eine 2-Dollars-Silbermünze herausgegeben, die der „Bounty“ gewidmet ist. Darauf ist die aus Literatur, Film und Theater bekannte Schlüsselszene dargestellt, in der Kapitän Bligh und die ihm loyal verbliebenen Seeleute im April 1789 das von Meuterern übernommene Schiff verlassen. Legendär ist auch die „Mayflower“, mit der die ersten englischen Siedler, die sogenannten Pilgerväter, im September 1620 von Plymouth aus in See stachen und nach zweimonatiger Atlantiküberfahrt die Halbinsel Cape Cod in der Neuen Welt erreichten – Motiv einer 20-Vatu-Gedenkmünze von Vanuatu.

Noch weiter zurück in die Geschichte der Seefahrt führt das abschließende Münzmotiv zu 2 Dollars von Fidschi: die Drei-Mast-Nao „Victoria“, die unter anfänglicher Führung des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan (unterwegs im April 1521 von Eingeborenen getötet) im Auftrag der spanischen Krone 1519 bis 1522 als erstes Schiff die Welt umsegelte. Die Rückseite ziert, wie bei den meisten zuvor beschriebenen Münzen, das Wappen des jeweiligen Ausgabelandes. Im Fall der Cook-Inseln und Salomonen ist es ein Porträt von Königin Elizabeth II. als formellem Staatsoberhaupt.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN März/April 2016.

Neue Schiffe-Motive auf internationalen Gedenkmünzen in Sterlingsilber: die „Alexander von Humboldt“ (Papua-Neuguinea), der Windjammer „Preußen“ und James Cooks „Endeavour“ (Cook-Inseln), die „Pamir“ (Seychellen) und die „Gorch Fock“ (Samoa).

 

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