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Die Münzenmesse des Jahres in Berlin

World Money Fair 2016

Die alljährlich in Berlin stattfindende World Money Fair wurde 2016 einmal mehr ihrem Ruf als größte Münzenmesse gerecht und glänzte mit numismatischen Superlativen und Weltpremieren.

Schon viele Tage bevor die eigentliche Messe beginnt, steht Berlin mit der World Money Fair im Zentrum der internationalen Münzenbranche. Zahlreiche Prägestätten-Chefs, Münztechniker und Staatsbank-Direktoren aus aller Welt reisen früher an, um sich auf Konferenzen und Besprechungen über die neuesten Entwicklungen auf dem Münzenmarkt auszutauschen. Die Einkäufer der großen Münzhandelshäuser geben sich die Klinke in die Hand und versuchen, für ihre Kunden die besten Konditionen auszuhandeln. Nicht nur im Estrel Congress- & Messe Center, einem der größten Kongresshotels der Welt mit über 1100 Zimmern, 75 Tagungsräumen und einer Veranstaltungsfläche von mehr als 25.000 Quadratmetern, dreht sich eine Woche lang alles um Münzen. Auch in anderen Teilen der Hauptstadt ging es Anfang Februar ums Thema Münzen.

So im Bundeskanzleramt, wo die Hausherrin wie jedes Jahr anlässlich der World Money Fair die jeweils aktuelle 2-Euro-Gedenkmünze aus der Bundesländerserie an den amtierenden Bundesratspräsidenten überreicht. Diesmal fand die Präsentation schon vier Tage vor Messebeginn statt, als Bundeskanzlerin Angela Merkel den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich empfing. Sachsen hat derzeit den Vorsitz in der Länderkammer inne und wird deshalb numismatisch geehrt.

Föderale Vielfalt Deutschlands

Die Bundeskanzlerin ging bei ihrer Rede zunächst auf das Motiv ein, das von Jordi Truxa aus Neuenhagen gestaltet worden war: „Ich weiß nicht, ob die Entscheidung per Münzwurf fiel, sie fiel jedenfalls glaube ich gut und richtig, sie fiel auf den Dresdner Zwinger, genauer gesagt auf das Kronentor, ein barockes Kronjuwel. Bezeichnend ist die Perspektive des Bildes. Der Blick fällt vom Innenhof des Zwingers auf den offenen Haupteingang, also von innen nach außen. Damit wird, so könnte man es interpretieren, Weltoffenheit besonders gut zum Ausdruck gebracht.“ Die föderale Vielfalt der Bundesrepublik Deutschland spiegle sich nicht nur in der Zusammensetzung des Bundesrates wieder, sondern auch in deren kultureller Vielfalt, so Merkel weiter.

Auch Bundesratspräsident Tillich verwies in seiner Dankesrede auf die Bedeutung des Länderbündnisses: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein föderaler Staat, der seine Stärke und seine Entwicklung der regionalen Vielfalt und dem Wettbewerb zwischen den Ländern ebenso verdankt wie der gesamtdeutschen Solidarität“, sagte Tillich in Berlin. Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, betrachtet die Tradition der Ausgabe von Gedenkmünzen als Zeichen der Entschleunigung in einer Zeit, in der rege über die Abschaffung von Bargeld gesprochen wird. „Münzen haben einen Wert, den man anfassen kann“, so Spahn bei der 2-Euro-Präsentation in Berlin.

Münztechniker-Tagung und Auktion im Vorfeld der Messe

Ebenfalls bereits im Vorfeld der eigentlichen Publikumsmesse findet regelmäßig das Technik-Forum anlässlich der World Money Fair statt. Von verschiedenen Seiten wurde einmal mehr das hohe Niveau der Vorträge und Inhalte dieser internationalen Münztechniker-Tagung gelobt, zu der 2016 über 350 Interessierte erschienen waren. Das ist eine stolze Zahl, denn an den normalen Sammler wenden sich die englischsprachigen Fachvorträge nicht. Da geht es etwa um dreidimensionalen Direktdruck in Edelmetall, um Sicherheitstechniken mittels Laser oder um neue Wege bei der Oberflächenveredelung von Münzen.

Bereits zum 11. Mal schließlich fand parallel zum Technik-Forum am Tag vor der Messeeröffnung die „Berlin-Auktion“ der Firma Künker aus Osnabrück statt. Genau 912 Lose aus Altdeutschland, Übersee und Europa mit einem besonderen Schwerpunkt auf Russland kamen 2016 unter den Hammer. Sie erzielten einen Gesamtzuschlag von über 6,6 Millionen Euro! Bemerkenswert waren unter anderem die Ergebnisse der Serien aus Sachsen mit einem Zuschlag von über einer halben Million Euro und damit rund 50 Prozent über dem ursprünglichen Schätzwert.

Pünktlich um 10 Uhr wurde das rote Eröffnungsband durchschnitten

Mit dem Durchschneiden des roten Bandes am Eingang wurde die World Money Fair (WMF) offiziell eröffnet. Im Bild von links: WMF-Holding-Geschäftsführer Manfred Heller, WMF-Geschäftsführerin Barbara Balz, Jin Roy Ryu und Kim Hwa Dong, Vorstandsvorsitzende von Poongsan und Hwadong, Lee Kyung-soo, Botschafter der Republik Korea, Albert Beck, Ehrenpräsident der WMF, und Henning Göhrum, WMF-Präsident.

Gezählt wurden – etwas mehr als letztes Jahr – 15200 Münzinteressierte, die sich an dem verlängerten Wochenende auf den Weg ins Estrel Kongresszentrum gemacht hatten und dort alles vorfanden, was in der Münzbranche Rang und Namen hat: Weit über 300 Aussteller aus aller Welt waren in Berlin vertreten. Großes Interesse fanden erwartungsgemäß die Münz-Neuvorstellungen, von denen allein Deutschland mehrere zu bieten hatte. Von der 2-Euro-Gedenkmünze „Sachsen“, die am ersten Messetag Premiere hatte, bis zur brandneuen, ersten deutschen 20-Euro-Silbermünze „Rotkäppchen“, die zum Nennwert abgegeben wurden.

Ehrengastland Republik Korea

Auf der World Money Fair gibt es alljährlich ein Ehrengastland, das sich und seine Münzen hervorgehoben präsentiert. Für 2016 fiel die Wahl der Veranstalter auf die Republik Korea, wo 2018 die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden. Zweimal schon machte das Land im Süden der koreanischen Halbinsel mit schönen Gedenkmünzen zu sportlichen Großveranstaltungen von sich reden: 1988, als in der Hauptstadt Seoul die Sommerolympiade ausgetragen wurde, und im Jahr 2002 zur Fußball-WM, die in Südkorea und Japan gemeinsam stattfand.

Drei Unternehmen aus Südkorea schulterten das Projekt „WMF-Ehrengast 2016“ gemeinsam: KOMSCO, die staatliche Prägestätte, POONGSAN, der weltweit größte Hersteller von Münzrohlingen, und HWADONG, die offizielle Vertriebsstelle für Münzen des Landes. An ihrem imposanten Messestand direkt am Eingang der Haupthalle präsentierten sie eine repräsentative Auswahl an Zahlungsmitteln der Republik Korea und stellten auch die Motive der ersten von zwei Serien des Olympia-Programms für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang (nicht zu verwechseln mit Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang) vor. Sie erscheint in diesem Jahr und besteht aus insgesamt elf Motiven in Gold, Silber und Messing, wobei die Silber-Gedenkmünzen im Gewicht von einer halben Unze acht verschiedenen Wintersportarten gelten. Die beiden Goldmünzen zu 1 und ½ Unze sind dem traditionellen koreanischen Gorosoi-Skisport und der Sprungschanze im Alpensia-Stadion gewidmet. Auf der 40 Millimeter großen und 26 Gramm schweren Messingmünze ist eine Collage mit sieben Athleten unterschiedlicher Wintersport-Disziplinen abgebildet. Die zweite Serie des koreanischen Olympiaprogramms soll dann Ende des nächsten Jahres erscheinen, rechtzeitig vor den Spielen, die vom 9. bis 25. Februar 2018 stattfinden.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN März/April 2016.



Münzpräsentation in Berlin (v.l.): Stanislaw Tillich, Präsident des Bundesrates, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzstaatssekretär Jens Spahn und Jordi Truxa, Münzgestalter. Foto: Bundesregierung/Sandra Steins

Ein solches „Sachsen"-Set aus fünf 2-Euro-Gedenkmünzen in Spiegelglanz mit allen Prägebuchstaben überreichte die Bundeskanzlerin. Foto: BADV


Die erste Platinmünze Österreichs präsentiert von Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich AG (links), und Vorstandsdirektor Dr. Manfred Matzinger-Leopold. Sie erweitert die „Philharmoniker"-Serie, die es bislang nur in Gold und Silber gab.


Am repräsentativen Stand der Republik Korea, Ehrengastland der World Money Fair, gab es nicht nur die aktuellen Münzen des Landes zu bestaunen, es wurden auch die Entwürfe für die ersten Gedenkmünzen zur Winterolympiade 2018 in Pyeonchang vorgestellt. Das Programm besteht aus zwei Serien mit jeweils elf Motiven in Gold, Silber und Messing. Die Silbermünzen zeigen olympische Wintersport-Disziplinen, die 1-Unzen-Goldmünze ist dem traditionellen Gorosoi-Skisport Koreas gewidmet.

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