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Editorial Mai/Juni 2016

Geld ist geprägte Freiheit

Es geht (auch) um die Zukunft unseres Hobbys: Wenn das Bargeld abgeschafft wird, gibt es keinen Nachschub mehr für Münzensammlungen. Das werden Sie und ich zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben, aber die öffentliche Debatte über dieses Thema ist voll entbrannt.

Deutschland und Frankreich machen sich derzeit für eine EU-weite Obergrenze bei Bargeldzahlungen stark, im Gespräch sind 5000 Euro, und bei der Europäischen Zentralbank gibt es Pläne, den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr zu ziehen. Beide Maßnahmen haben denselben Hintergrund: den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismus. In der Illegalität ist eben nur Bares Wahres. Es hinterlässt keine elektronischen Spuren und seine Herkunft kann bestens verschleiert werden.

Aber auch beim unbescholtenen Bürger ist das Bezahlen mit Münzen und Geldscheinen die mit großem Abstand beliebteste Zahlungsmethode: Rund 80 Prozent aller Einkäufe in Deutschland werden nach wie vor bar abgewickelt. Die Bundesbank lehnt deshalb das geplante Limit für Bargeldzahlungen ab. „Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, dass ihnen das Bargeld nach und nach entzogen wird“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann der Bild-Zeitung.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble trat allen diesbezüglichen Gerüchten entgegen. Es könne „überhaupt nicht die Rede“ davon sein, Bargeld abzuschaffen oder den Besitz von Bargeld zu beschränken, es gehe lediglich um hohe Bargeld-Transaktionen. Aber selbst das sei grundgesetzwidrig, meint der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, denn eine Beschränkung von Barzahlungen sei ein „nicht gerechtfertigter Eingriff in Freiheitsrechte“. Womit wir bei Fjodor Michailowitsch Dostojewski wären. Der russische Dichter brachte es schon Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Punkt, als er schrieb: „Geld ist geprägte Freiheit.“

Erspartes bringt allerdings heute praktisch keine Rendite mehr. Im Gegenteil: Wer jetzt Bundesanleihen kauft, muss dafür sogar noch etwas bezahlen. Und das nicht nur in Deutschland oder der Schweiz. Fast 50 Prozent aller Staatspapiere im Euroraum sind mit Negativ-Zinsen belegt. Man kann es also keinem verdenken, wenn er in Zeiten wie diesen Bargeld hortet. Besser beraten ist allerdings, wer einen Teil seines Geldes in Gold- und Silbermünzen anlegt und damit auch auf die unvergänglichen inneren Werte des Edelmetalls setzt. Den Sammelspaß gibt’s dann gratis dazu.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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