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Eines der beliebtesten historischen Sammelthemen

Deutsche Silbertaler mit besonderen Namen

Fast vier Jahrhunderte lang waren Taler in Deutschland und Österreich die wichtigsten Großsilbermünzen. Einige ihrer Vertreter erlangten so große Berühmtheit, dass sie Beinamen wie Ausbeutetaler oder Wilder-Mann-Taler erhielten.

Anlässlich des 150. Jahrestages des Deutschen Krieges zwischen Österreichs Kaiser Franz Joseph I. und dem Preußenkönig Wilhelm I. stellten wir dessen Siegestaler von 1866 vor, der seinen militärischen Erfolg in Silber verewigen sollte. Fünf Jahre später ließ Preußen – wie auch andere deutsche Staaten – erneut einen Siegestaler prägen, der diesmal allerdings den Triumph im Deutsch-Französischen Krieg feierte. Darauf abgebildet ist die thronende Borussia als Preußens weibliche Personifikation mit Krone, Schwert und preußischem Adlerschild. Die andere Münzseite trägt das Porträt von Wilhelm I., der infolge des gewonnenen Krieges gegen Frankreich und der damit verbundenen Gründung des Deutschen Reichs 1871 zu dessen erstem Kaiser proklamiert wurde.

Preußens numismatischer Abschluss der Taler-Ära

Der 1871er Siegestaler des Königreichs Preußen war Wilhelms letzte Talermünze und nimmt somit eine numismatische Ausnahmestellung ein, da im frisch gegründeten Kaiserreich die neue Mark-Einheitswährung den alten Taler ablöste. Damit endete eine fast vier Jahrhunderte währende Tradition, die bis auf die ersten sogenannten „Guldiner“ (deren Silberwert entsprach dem des goldenen Guldens) von 1486 aus der Münzstätte Hall in Tirol zurückreicht. Der heutige Name „Taler“ entstand dann im 16. Jahrhundert, als die Grafen Schlick in Joachimsthal auf der böhmischen Seite des Erzgebirges die neuen Großsilbermünzen prägen ließen, die man aufgrund ihrer Herkunft bald „Joachimsthaler“ und schließlich kurz „Thaler“ nannte. In den folgenden Jahrhunderten verbreiteten sie sich mit einer Vielfalt an Motiven. Die berühmtesten darunter erhielten eigene Spitznamen, was die folgenden Beispiele veranschaulichen sollen.

Madonnentaler des „Märchenkönigs“ Ludwig II.

Galten die Siegestaler militärischen Erfolgen ihrer Herausgeber, so hatten die Madonnen- bzw. Marientaler einen religiösen Hintergrund. Ihr Name bezieht sich auf die darauf abgebildete Gottesmutter Maria mit Jesuskind. Besonders in Bayern waren diese Münztypen verbreitet, wo bereits Herzog Maximilian I. Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals Taler mit einer sitzenden Mariendarstellung herausgab. Der hier gezeigte Madonnentaler erschien von 1865 (zu Beginn noch ohne Jahreszahl) bis 1871 unter Ludwig II., der aufgrund seiner verspielten Schlossbauten als „Märchenkönig“ ebenfalls einen Beinamen erhielt. Die abgebildete Madonna verkörpert, laut Umschrift „Patrona Bavariæ“, die auf Wolken thronende Schutzheilige von Bayern. Der verantwortliche Medailleur Carl Friedrich Voigt signierte auf der anderen Münzseite unterhalb des Königsporträts mit „C. VOIGT“.

Anhalter Ausbeutetaler

Die Bezeichnung der nächsten Taler-Spezialität erklärt sich nicht ohne weiteres: Ausbeutetaler besagen nämlich nicht, dass dafür Menschen ausgebeutet wurden – woran man in heutiger Zeit wohl am ehesten denken würde –, sondern sie bekunden vielmehr mit sichtlichem Stolz, dass ihr Prägemetall aus eigenen regionalen Bergwerken stammt. So wie bei dem hier gezeigten Ausbeutetaler aus dem Jahr 1862 von Alexander Carl, dem letzten regierenden Herzog von Anhalt-Bernburg, finden sich auf diesen Münzen häufig Aufschriften, die dem Bergbau huldigen. In dem Fall heißt es „SEGEN DES ANHALT.(er) BERGBAUES“. Schließlich gaben die Bergwerke einst vielen Menschen Arbeit und waren eine Quelle des Wohlstands für die Grubenbesitzer. Am unteren Münzrand sind außerdem die traditionellen Symbole des Bergbaus abgebildet: Schlägel und Eisen in Form eines Andreaskreuzes.

Auf der anderen Münzseite besagt die Umschrift „XXX EIN PFUND FEIN“, dass damals gemäß des Wiener Münzvertrags von 1857 aus einem Zollpfund (500 Gramm) Feinsilber 30 Taler geprägt wurden. Als Motiv ist ein gekrönter Bär zu sehen, das Wappentier von Anhalt, wie er auf den Zinnen einer Mauer mit Tor schreitet. Diese traditionelle heraldische Darstellung hat bis heute in ähnlicher Form im offiziellen Landeswappen von Sachsen-Anhalt überdauert.

Kronentaler des ersten Königs von Bayern Max I. Joseph

Herausragende numismatische Zeitzeugen, die Bayerns historischen Aufstieg vom Kurfürstentum zum Königreich im Jahr 1806 dokumentieren, sind die sogenannten Kron- oder Kronen-Taler von Maximilian I. Joseph, dem ersten bayerischen König. Sie wurden von 1809 bis in sein Todesjahr 1825 kontinuierlich geprägt und sind nach dem Rückseiten-Motiv benannt: der Königskrone über gekreuztem Zepter und Schwert, dazu das königliche lateinische Motto „PRO DEO ET POPULO“ (für Gott und Volk). Die Umschrift der anderen Münzseite, die das Kopfprofil des Herrschers trägt, betitelt diesen königlich als „MAXIMILIANUS IOSEPHUS BAVARIAE REX“. Die Kronentaler von Max I. basierten auf dem 24,5-Gulden-Fuß, nach dem aus einer Kölner Mark (damalige Gewichtseinheit zu 234 Gramm) Feinsilber 24 ½ Gulden geprägt wurden, wobei 1 Kronentaler wertmäßig 2 Gulden und 42 Kreuzern entsprach.

Maria-Theresia-Taler gingen als ­Zahlungsmittel um die Welt

Der meistgeprägte Taler der Münzgeschichte wie auch die zweifellos berühmteste und traditionsreichste österreichische Silbermünze ist der Maria-Theresia- (oder -Theresien-) Taler. Er ist nach der gleichnamigen Habsburger Kaiserin benannt, die darauf mit ihrem Brustbild zu sehen ist. Am bekanntesten ist jener Münztyp, der nach ihrem Tod mit den Stempeln des Sterbejahres 1780 für den Handel mit der Levante offiziell nachgeprägt wurde. Er entwickelte sich zur beliebtesten Silbermünze im arabischen Raum und blieb in dieser Form bis ins 20. Jahrhundert eines der begehrtesten Zahlungsmittel in Mittelafrika. Münzenkenner schätzen dagegen jene Taler, die noch zu Lebzeiten Maria Theresias erschienen.

Als Beispiel hierfür dient ein Maria-Theresia-Taler von 1760, der die Monarchin im mittleren Alter porträtiert, während die Rückseite der doppelköpfige Wappenadler mit Kaiserkrone ziert. Die beidseitige lateinische Umschrift „M(aria) THERESIA D(ei) G(ratia) R(omanorum) IMP(e­ratrix) GE(rmaniae) HU(ngariae) BO(hemiae) REG(ina)“ sowie „ARCHID(ux) AUST(riae) DUX BU(rgun­diae) COM(es) TYR(olis)“ bedeutet übersetzt: Maria Theresia, von Gottes Gnaden, Römische Kaiserin, Königin von Germanien, Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich, Herzogin von Burgund, Gräfin von Tirol. Dieser Taler ist ein zeitgenössischer Beleg dafür, dass sich Maria Theresia, nachdem ihr Gatte als Franz I. 1745 die Kaiserwürde im Heiligen Römischen Reich erhalten hatte, auf ihren Münzen auch als „Römische Kaiserin“ betitelte.

Kuriosum der Taler-Ära: Wilder-Mann-Motive

Der älteste hier vorgestellte Taler-Typ ist zugleich der kurioseste: Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert zierte die Sagengestalt des Wilden Mannes nach ihm benannte deutsche Münzen. Ihren Ursprung hatte diese Tradition im Harzer Bergbau und dem dort gewonnenen Silber, woraus bereits im Jahr 1539 die ersten Wilder-Mann-Taler unter Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel geprägt wurden. Damals erlebte der Oberharzer Bergbau gerade seine Wiedergeburt, vor allem was die Gewinnung von Silber betrifft. An der Stelle der heutigen Stadt Wildemann (bei Goslar) entstand 1524 eine erste Grube, die den damals hierfür gebräuchlichen, positiv behafteten Namen „Wilder Mann“ erhielt. Zehn Jahre später wurde das danach benannte Wildemann (noch heute ziert dessen Wappen ein Wilder Mann gemeinsam mit dem Sachsenross) Freie Bergstadt und entwickelte sich bald zum Zentrum des regionalen Silberbergbaus. Aus dem geförderten Edelmetall ließ Heinrich der Jüngere dann auch seine ersten Taler mit dem „Wilden Mann“ als Motiv prägen – zu Ehren der gleichnamigen Grube.

Ganz in dieser Tradition steht auch hier der Wilder-Mann-Taler aus dem Todesjahr 1666 von August dem Jüngeren, mit traditionellem Doppeltitel: Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel. Er stellt die betreffende Sagenfigur, eine Art Rübezahl des Harzes in Gestalt eines riesigen Waldmenschen, lediglich mit Lendenschurz bekleidet und einem Blätterkranz auf dem vollbärtigen Haupt dar, in seinen Händen einen entwurzelten Baum haltend. Die Umschrift nennt das Motto „ALLES MIT BEDACHT“.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Juli/August 2016.

Im Jahr 1871 gab Preußenkönig Wilhelm I. – nach 1866 – seinen zweiten Siegestaler heraus.


Madonna als Talermotiv unter ­Ludwig II.

Der Anhalter Bär auf dem Ausbeutetaler von 1862.

Bayerischer Kronentaler von 1809.

Maria-­Theresien-Taler aus dem Jahr 1760.

Ein Wilder Mann ziert den Braunschweiger Taler von 1666.

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