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Vor einem Jahr erschien die erste Feinsilber-Ausgabe der Bundesrepublik

Nach wie vor einmalig: Deutschlands 25-Euro-Münze

Am 1. Oktober 2016, kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit, jährt sich die Erstausgabe von Deutschlands bislang einziger 25-Euro-Gedenkmünze. Trotz ihrer Millionenauflage ist sie im Wert gestiegen und vor allem als Komplettsatz und in „Spiegelglanz“ nach wie vor äußerst begehrt.

Im Oktober 2015 gab die Bundesrepublik Deutschland ihre erste Münze in Feinsilber heraus. Sie erschien zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit und hat – passend dazu – einen Nennwert von 25 Euro. Das waren gleich zwei Premieren auf einmal, die zu Recht als numismatische Sensation gefeiert wurden. Und das bei einer Gedenkmünze, die erst wenige Monate vor ihrem Erscheinungstermin ins Ausgabeprogramm aufgenommen worden war. Nicht in einer 625er Legierung, wie die damaligen Spiegelglanz-Zehner, und auch nicht in hochwertigem Sterlingsilber (925/ 1000) wie die deutschen Silber-Euros vor 2011 und ab 2016 sollte sie geprägt werden, sondern erstmals in purem Edelmetall: 999 Tausendstel beträgt der Silberanteil bei dieser 18-Gramm-Gedenkmünze – das ist reinstes Feinsilber.

Das Motiv war bereits von einer themengleichen 2-Euro-Gedenkmünze bekannt, die im Januar 2015 erschienen war. Es stammt von dem Bildhauer Bernd Wendhut aus Bernkastel-Kues und zeigt neben der Umschrift „25 Jahre Deutsche Einheit“ jubelnde Menschen vor dem Brandenburger Tor sowie den dreifach aufgeprägten Ruf „Wir sind ein Volk“. Die Jury interpretierte die Symbolik des Motivs so: „Die im Vordergrund stehenden Menschen, die Aufbruch und Neubeginn verkörpern, befinden sich vor dem Brandenburger Tor, dem Symbol der Deutschen Einheit. Die Wiederholung der Willensbekundung der Bevölkerung ,Wir sind ein Volk’ repräsentiert den Weg der deutschen Wiedervereinigung.“ Ein großes, aber unauffällig filigranes und halb verdecktes „€“ schlägt die Brücke zum Europa von heute, das es ohne die deutsche Wiedervereinigung so nicht geben würde.

Feinsilber-Premiere mit 1,75 Millionen Auflage

Die erste Feinsilbermünze der Bundesrepublik ist in einer Auflage von stattlichen 1,75 Millionen Exemplaren erschienen. Das ist rund 70 Prozent mehr als bei den normalen 10-Euro-Gedenkmünzen des 2015er Jahrgangs, die zuletzt in Stückzahlen von rund einer Million ausgegeben wurden.

Im Interview mit dem Deutschen Münzen Magazin (Ausgabe 4/2015) begründete Ulrike Bohm, Leiterin des Münzreferats im Bundesfinanzministerium der Finanzen, die vergleichsweise hohe Auflage so: „Mit ihrer weit über die Grenzen Deutschlands hinausgehenden Bedeutung zählt die Wiedervereinigung zu den wichtigsten Geschehnissen der jüngeren deutschen Geschichte. Ich gehe davon aus, dass die Münze nicht nur von Sammlern, sondern auch von breiten Kreisen der Bevölkerung als besondere Würdigung dieses großen Jubiläums wahrgenommen und als Erinnerungsstück nachgefragt wird. Neben dem geschichtlichen Hintergrund dürfte auch das Material, 999er Silber – also reines Silber –, von Interesse sein. Gemeinsam mit dem ungewöhnlichen Nennwert entsteht hier eine Emission, die für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland bislang einmalig ist.“

Spiegelglanzmünzen in Präsentationsverpackung

Zusätzlich zu den 1,5 Millionen Exemplaren in Normalprägung „StempeIglanz“ gab es von der 25-Euro-Feinsilbermünze noch 250.000 Exemplare in der höchsten Prägequalität „Spiegelglanz“. Diese Sammlerstücke, bei denen sich das fein mattierte Relief von dem polierten Münzgrund besonders eindrucksvoll abhebt, wurden erstmals ausschließlich in besonderen Schmuckverpackungen abgegeben. Wie die neuen 20-Euro-Silbermünzen in „Spiegelglanz“ ab 2016 ist auch die Münze zum Einheits-Jubiläum nicht mehr nur durch eine Kunststoffkapsel gegen Beschädigungen und Umwelteinflüsse geschützt, sondern befindet sich in einem eigens gestalteten, dekorativen Präsentationsfolder.

Zwei Ausführungen wurden angeboten: eine etwas größere Faltkarte für den Fünfer-Satz mit den Stücken aus allen deutschen Staats-Münzstätten, die sich durch die Prägebuchstaben A (Berlin), D (München), F (Stuttgart), G (Karlsruhe) und J (Hamburg) unterscheiden, und eine Mappe für die Einzelausgabe. Beide Klappfolder sind mit einem zusätzlichen Schuber ausgestattet sowie mit ausführlichen Informationen zum Ausgabeanlass und den numismatischen Daten der Münze bedruckt.

Diese Ausgaben sind heute sehr begehrt und dank der geringeren Auflage überproportional im Wert gestiegen. Aber auch die normalen Stempelglanz-Ausgaben liegen deutlich über ihrem aufgeprägten Nominal. Insbesondere als Komplettsatz sind sie gesucht, weil es ohne die Hilfe von Münzhändlern ziemlich mühsam ist, alle fünf Prägezeichen in Eigenregie zu tauschen und zusammenzutragen.

Prägung in allen fünf Münzstätten ohne „Geheimcode“

Anders als bei früheren deutschen Silbermünzen, die von allen fünf Prägestätten zu gleichen Teilen hergestellt wurden, verzichtete das Finanzministerium diesmal auf einen „Geheimcode“. Die Stücke werden ganz regulär mit dem offiziellen Prägebuchstaben (A, D, F, G und J) gekennzeichnet. Bekanntlich gab es zur Fußball-WM 2006, zur Leichtathletik-WM 2009, zur Ski-WM 2010 und zur Frauenfußball-WM 2011 verschiedene Versuche, mit versteckten Markierungen die Herkunft der Münzen zu verschleiern. Hintergrund war damals die Befürchtung, es könnte mit den niedrigen Auflagen, die bei einer Unterscheidung nach Münzstätten ja nur noch ein Fünftel der Gesamtmenge betragen, spekuliert werden. Allerdings ging das Konzept nicht auf: Die Geheimcodes wurden jeweils unmittelbar nach Erscheinen geknackt und publiziert. So konnten sich zahlreiche Komplettsammler trotzdem die jeweiligen Motive von allen fünf Prägestätten zulegen. Eine befürchtete „Spekulationsblase“ bildete sich nicht. Vielleicht deshalb hat das Münzreferat in Berlin nun das Katz- und Maus-Spiel mit den Sammlern aufgegeben und verwendet wieder die bekannten Münzbuchstaben in Klarschrift.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September/Oktober 2016.

Sehr wertvoll und begehrt ist heute das Komplettset der 25-Euro-Münze, das die Feinsilberstücke aller fünf staatlichen Münzstätten enthält. Sie unterscheiden sich durch die Prägebuchstaben A, D, F, G und J auf der Wertseite unter dem Adler.

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