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Deutscher UNESCO-Gold-Euro 2016

Regensburg aus der Vogelperspektive

Das UNESCO-Welterbe „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ wird 2016 auf einer deutschen 100-Euro-Goldmünze gewürdigt. Mit nur 30.000 Exemplaren pro Prägestätte erscheint sie in der niedrigsten Auflage aller bisherigen bundesdeutschen 100-Euro-Goldmünzen.

Die Auflagen der deutschen 100-Euro-Goldmünzen sinken weiter: Nach 163.000 im vergangenen Jahr wird der diesjährige UNESCO-Gold-Euro nur noch in einer Gesamtauflage von 150.000 Exemplaren geprägt. Ein Grund ist der wieder gestiegene Goldpreis, der bei einer halben Unze (15,5 Gramm) puren Edelmetalls natürlich ordentlich zu Buche schlägt und die Nachfrage etwas hemmt. Außerdem will das Bundesfinanzministerium den Sammlermarkt keinesfalls mit zu hohen Auflagen überfordern und verknappt deshalb von vornherein die Prägemenge.

Die vom Leiter der Staatlichen Münzen Baden-Württemberg, Dr. Peter Huber, anlässlich der Erstprägung offiziell genannte Auflagenzahl für 2016 soll dazu beitragen, dass die Wertsteigerungschancen bei dieser Münzgattung weiterhin gewahrt bleiben. Jeder, der sich die Prägung leisten kann, darf sich also freuen: Er besitzt damit ein Sammlerstück, das in der niedrigsten Auflage aller bisher erschienenen Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland verausgabt wurde – 30.000 pro Prägestätte!

Erst unter der Lupe erkennt man die ganze Motiv-Vielfalt

Das Motiv stammt wie 2015 von dem Augsburger Bildhauer und Medailleur Friedrich Brenner, der mit seiner Grundidee bei den Juroren der letzten beiden Gold-Euro-Wettbewerbe offenbar gut ankam: Nicht eine „Postkartenansicht“ des UNESCO-Welterbes sollte das Münzmotiv zieren, sondern eine Gesamtschau aus der Vogelperspektive. Das gilt für Deutschlands letztjährige 100-Euro-Goldmünze ebenso wie für die Ausgabe 2016. Das Thema „Oberes Mittelrheintal“ 2015 wurde in der bildhauerischen Umsetzung zu einem (imaginären) topografischen Landschaftsrelief, das den Verlauf des Rheins zwischen Bingen und Koblenz zeigt. Dieses Jahr stilisieren eine Vielzahl von winzigen Giebelhäuschen und einige markante Gebäude die Altstadt von Regensburg, die über eine Donaubrücke mit dem Ortsteil Stadtamhof verbunden ist.

Das Münzmotiv präsentiert sich dem Betrachter damit einmal mehr als sehr kleinteilig strukturiertes Relief, das sich erst unter der Lupe in seiner ganzen Vielfalt erschließt. Wer einen Stadtplan danebenlegt, um die verschiedenen historischen Bauwerke zu identifizieren, wird sich zunächst darüber wundern, dass die Ansicht auf der Münze verdreht ist – Norden ist hier nicht oben, wie kartografisch üblich, sondern rechts. Wir blicken also von Osten auf Regensburg. Und das hat seinen guten Grund: Die Apsis der meisten Sakralbauten ist zur aufgehenden Sonne hin ausgerichtet – der im Zentrum der Münze dargestellte Regensburger Dom zum Beispiel wäre perspektivisch sonst nicht mit seinen beiden Türmen zu sehen gewesen.

Das rechte Drittel des Motivs wird optisch von der nach unten fließenden Donau abgetrennt. Hier ist der Ortsteil Stadtamhof zu finden, der durch die berühmte Steinerne Brücke direkt mit der Altstadt von Regensburg verbunden ist. Stadtamhof ist ausdrücklich Teil des UNESCO-Welterbes, deshalb auch der etwas sperrige Titel als Münz-umschrift. Apropos Steinerne Brücke: Sie ist die älteste erhaltene Brücke Deutschlands und war zur Zeit ihrer Erbauung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts der einzige Donauübergang zwischen Ulm und Wien. Heute ist die Steinerne Brücke neben dem Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt.

Wichtige Baudenkmäler hervorgehoben

Außer diesen beiden Sehenswürdigkeiten sind weitere Baudenkmäler gestalterisch hervorgehoben. Ganz unten im Münzbild ist das Ostentor zu sehen, eines der schönsten gotischen Stadttore Deutschlands. Darüber sind unter anderem das Karmelitenkloster, das Niedermünster und die Porta Praetoria zu erkennen. Letztere ist neben der Porta Nigra in Trier die einzige erhaltene römisch-antike Toranlage nördlich der Alpen. Rechts neben dem Dom in der Mitte, direkt angebaut an die Steinerne Brücke, findet man den Salzstadel aus dem 17. Jahrhundert. Er diente den reichen Salzhändlern als Lager und Entladestelle für die Donauschiffe.

Ganz oben im Münzbild unter den Buchstaben „CO“ von UNESCO ist die Schottenkirche hervorgehoben, die den Namen ihrem Gründer verdankt: Marianus Scottus, ein irischer Wandermönch aus dem 11. Jahrhundert. Die Türme direkt darunter gehören zur Dreieinigkeitskirche, die als erstes protestantisches Gotteshaus in Süddeutschland gilt. Auf gleicher Höhe am linken Bildrand ist das Schloss St. Emmeran dargestellt, das seit über 200 Jahren die Residenz derer von Thurn und Taxis ist und auch heute noch zum Teil von Mitgliedern der Fürstenfamilie bewohnt wird.

Die Pfeilzeichen in der Münzmitte, links und oben sowie im Donaulauf sollen den Verlauf von Handel und Verkehr im Mittelalter symbolisieren, wie uns der Münzgestalter Friedrich Brenner auf Anfrage mitteilte. Dabei stehen der Kreis für ein Rad, das Oval für ein Schiff und die Pfeile für die für die Handelswege von und zur Stadt.

Preisgericht: „Reizvolles Spiel der Lichtreflexe“

Den 1. Preis im Münzwettbewerb begründete die Jury unter anderem so: „Der Siegerentwurf zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass er die über 2000-jährige faszinierende Geschichte von Regensburg in Verbindung mit der Modernität der Jetztzeit zeigt“, urteilte das Preisgericht. Und weiter: „In der Fernwirkung ergibt sich ein reizvolles Spiel der Lichtreflexe. Aus der Nähe betrachtet zeigt die Bildseite der Münze die Lebendigkeit der Stadt.“ Die Typografie sei klassisch und zeitlos. Dies treffe auch auf den Adler zu, der „durch seine Präsenz und Würde auch mit der Darstellung der Stadt korrespondiert“.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September/Oktober 2016.


UNESCO Gold-Euro 2016: das Welterbe Regensburg mit Stadtamhof.

So wird die Goldmünze ausgeliefert: Einzelkassette mit offiziellem Echtheitszertifikat

Münzgestalter Friedrich Brenner bei der Erstprägung in der Münzstätte Stuttgart

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