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5-Euro-Serie „Klimazonen der Erde“ beschlossen

Beispielloser Run auf Polymer-Münzen

Ein ungekannter Ansturm auf die deutsche 5-Euro-Münze mit Polymerring ließ den Wert der Erstausgabe „Blauer Planet Erde“ explodieren. Innerhalb weniger Monate hat sich der Preis verfünffacht! 2017 wird die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben.

Nie zuvor hat es einen solchen Ansturm auf eine Münzneuheit gegeben, wie bei der „Planet Erde“-Weltpremiere Anfang 2016. Da hat alles gepasst: innovative Prägetechnik, gutes Thema und Design, professionelles Marketing. Die Folge: Ganz Deutschland ist im Münzenfieber. Die Medien berichteten in ungewohnter Ausführlichkeit – und zwar nicht nur in der Münzecke unter „Vermischtes“, sondern auf der Titelseite und zur besten Sendezeit in Funk und Fernsehen. Die Foren im Internet und die sozialen Netzwerke waren voll von begeisterten Beiträgen und der Münzhandel heizte mit Sonderaktionen und attraktiven Angeboten weiter ein. Das Medienecho war so groß, dass es das ungewöhnliche 5-Euro-Stück sogar als „8000-Euro-Frage“ in Günter Jauchs RTL-Quiz „Wer wird Millionär?“ schaffte.

Bereits fünf Tage nach der offiziellen Präsentation der Münze auf der World Money Fair in Berlin Anfang Februar 2016 war das Stück in der höchsten Prägequalität „Spiegelglanz“ ausverkauft. Und das bei einer Auflage von immerhin 250.000 Exemplaren – weit mehr als die Spiegelglanz-Auflage normaler deutscher Silber-Gedenkmünzen. Die Ausgabe in Stempelglanz liegt mit zwei Millionen sogar bei mehr als dem Doppelten der aktuellen Silber-Zwanziger. Diese „Normalprägungen“, die von der Deutschen Bundesbank zum Nennwert in Umlauf gegeben wurden, konnte man als Sammler nur im privaten Münzhandel vorbestellen.

Am 14. April 2016 war der offizielle Erstverkaufstag der Stempelglanz-Ausgabe. Und wie zu erwarten bildeten sich (nicht nur) an diesem Tag lange Schlangen vor den Schaltern der Bundesbankfilialen von München bis Rostock, wo die Münze zum aufgeprägten Nominal verkauft wurde. Allerdings gab es nur ein Exemplar pro Kunde und Tag, um möglichst vielen Interessenten Gelegenheit zu geben, das erste deutsche 5-Euro-Stück zum Nennwert zu erwerben. Klar, dass sich viele auch ein zweites Mal anstellten und, wenn es die Zeit erlaubte, am nächsten Tag noch einmal erschienen. Rentner waren da im Vorteil, Schüler mussten die Schule schwänzen, denn die Filialen der Bundesbank haben stets nur bis 13 Uhr geöffnet, was nicht gerade zur Entspannung der Lage beitrug.

Rasche und anhaltende Wertsteigerungen

Wer nicht in der Nähe einer der Verkaufsstellen wohnt oder schlicht keine Zeit hat, 5 Euro gegen 5 Euro zu wechseln und dafür stundenlang Schlange zu stehen, der musste sich das begehrte Stück im Handel besorgen. Allerdings waren (und sind noch immer) Angebot und Nachfrage in einem ausgeprägten Missverhältnis. Alle wollen die Münze, aber keiner gibt sie her – es sei denn zu einem deutlich höheren Preis. Wer zunächst noch glaubte, der Hype sei nach wenigen Wochen vorbei und die Preise würden rasch wieder zurückgehen, sah sich getäuscht. Wurde kurz nach der Erstausgabe das Zwei- bis Dreifache des Ausgabepreises verlangt, so war es Monate später nochmals deutlich mehr. Im Herbst 2016 kletterte der Wert bereits auf das Fünffache! Das gilt für die Sammlerausführung in Spiegelglanz mit Acryl-Einzelkassette ebenso wie für die Normalprägung.

Gespannt auf die Klimazonen-Serie 2017

Gespannt blicken deshalb Sammler und Händler auf 2017. Geht das Hauen und Stechen dann erst richtig los? Im Frühjahr soll es nämlich die zweite 5-Euro-Gedenkmünze mit durchscheinendem Polymerring geben. Wie das Deutsche Münzen Magazin in seiner letzten Ausgabe als erste Fachzeitschrift berichtete, wird es ab nächstem Jahr eine fünfteilige Anschluss-Serie unter dem Thema „Klimazonen der Erde“ geben. Sie zeigt die Lebensräume unseres Planeten, wobei die Polymerringe in jeweils passenden Farben leuchten.

Den Start macht 2017 die Tropische Zone mit Farbringen in fünf verschiedenen Rottönen, die sich je nach Prägestätte unterscheiden. Weiter geht es 2018 mit den Subtropen in Orange, es folgen die Gemäßigte Zone, zu der auch Deutschland gehört, mit grünen Ringen, die Subpolare Zone in Türkis und schließlich die Polarzone mit fünf violetten Schattierungen. Damit enspricht die Farbgebung dem meteorologischen System, das Temperaturen ebenfalls in „warmen“ bis „kühlen“ Farben darstellt. Jeder kennt das von der Wetterkarte im Fernsehen.

Als Motive sollen jeweils einige der für die entsprechende Klimazone typischen Symbole gezeigt werden. Das können Landschaftsdarstellungen von der Eiswüste bis zum Regenwald sein, und natürlich die dazugehörige Pflanzen- und Tierwelt. Mehr über das Design 2017 (siehe Foto, Quelle: BADV), das am 9. November vom Bundeskabinett beschlossen wurde, erfahren Sie in unserer nächsten Ausgabe.

Trotz der immensen Nachfrage bei der Erstausgabe „Planet Erde“ 2016 will man im Bundesministerium der Finanzen an der Auflage von zwei Millionen in Normalprägung festhalten. Lediglich in der höchsten Prägequalität „Spiegelglanz“ ist eine „moderate Erhöhung“ um 50000 auf dann 300000 Exemplare vorgesehen, um, wie die Leiterin des Münzreferats Ulrike Bohm gegenüber dem Deutschen Münzen Magazin erläuterte, „hier etwas den Druck aus dem Markt zu nehmen und mehr Interessenten bedienen zu können.“

Ähnlich wie 2016 soll der Erstausgabetag einige Wochen nach der offiziellen Präsentation auf der Berliner World Money Fair liegen, die 2017 am ersten Februar-Wochenende stattfindet. Da die größten technischen Herausforderungen durch die neuartige Münzspezifikation nun bereits bei der Produktion der „Planet Erde“-Ausgabe gemeistert wurden, sollte dem angepeilten Ausgabedatum im April nichts mehr im Wege stehen.

Die Münzbranche darf sich dann auf einen erneuten Run auf die Polymer-Münze gefasst machen, denn alle, die 2016 nicht zum Zug gekommen sind und dann zu deutlich höheren Preisen kaufen mussten, werden 2017 rechtzeitig in den Startlöchern sitzen. Ein „heißes Frühjahr“ steht uns bevor – passend zum tropischen Münzthema.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2016.

ROT – 2017
Tropische Zone
Feucht-heißes Klima mit Regenwäldern und Palmenstränden in Äquatornähe charakterisieren die Tropen.

ORANGE – 2018
Subtropische Zone
Heiße Sommer und kühlere Winter zeichnen die Subtropen aus, zu denen auch die größten Sandwüsten zählen.

GRÜN – 2019
Gemäßigte Zone

In der gemäßigten Zone herrscht ein uns vertrautes Klima. Auch Deutschland liegt in diesem Bereich.

TÜRKIS – 2020
Subpolare Zone

Die Farben werden passend zu den subpolaren Breiten „kühler“. Typische Vegetationszone hier ist die Tundra.

VIOLETT – 2021
Polare Zone

Der Abschluss der Münzenserie führt uns dann ins „ewige Eis“ der Polargebiete von Arktis und Antarktis.

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