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Deutschlands Gedenkmünzen wieder aus Edelmetall

Mit „Rotkäppchen“ beginnt Anfang Februar eine neue Ära in der deutschen Münzgeschichte: Die bisherigen 10-Euro-Stücke werden wieder in Sterlingsilber geprägt. Im Gegenzug wird der Nennwert auf 20 Euro erhöht.

Nach einer Pause von fünf Jahren prägt Deutschland seine Gedenkmünzen künftig wieder in Sterlingsilber! Weil der Preis des enthaltenen Edelmetalls auf dem Höhepunkt des jüngsten Silberbooms den aufgeprägten Nennwert überstiegen hatte, wurde das Prägemetall für die Normalausgaben der 10-Euro-Gedenkmünzen 2011 auf Kupfer-Nickel umgestellt. Es drohte ein Minusgeschäft für den Bund zu Lasten der Steuerzahler. Damit bestand dringender Handlungsbedarf. Man hätte den Nennwert erhöhen, die Legierung verschlechtern, das Gewicht verringern oder aber auf preiswerte unedle Metalle umsteigen können. Genau das wurde getan.

Die Abkehr vom Silber war allerdings von Anfang an eine Entscheidung gegen den erklärten Willen der Münzensammler. In einer Umfrage des Deutschen Münzen Magazins vom Frühjahr 2011, an der sich rund 5000 Leserinnen und Leser beteiligten, votierten über 80 Prozent (!) für eine Beibehaltung des Silbers bei gleichzeitiger Erhöhung des Nennwerts auf 20 Euro. Klarer und deutlicher kann eine Stimmungslage wohl kaum artikuliert werden.

Ziel: „Nachhaltige Belebung des Sammlermarktes“

Nun, nach einer Halbierung der Auflagen als Folge des nachlassenden Sammlerinteresses, revidierte das Bundesfinanzministerium seine Entscheidung und prägt die zum Nennwert in Umlauf gegebene Stempelglanz-Version der bisherigen 10-Euro-Gedenkmünzen wieder in Silber. Die Anpassung erfolge „vor dem Hintergrund der seit 2011 eingetretenen Absatzentwicklung“, räumt das Ministerium in einer offiziellen Mitteilung ein und betont, die Maßnahme solle „zu einer nachhaltigen Stärkung und Belebung des Sammlermarktes führen“. Außerdem trage sie „dem Wunsch vieler Sammler nach ‚wertigeren’ Münzen Rechnung“.

Das Ganze ist gekoppelt an eine Verdoppelung des aufgeprägten Nennwerts. Damit hat der Bund als Herausgeber der Münzen einen Sicherheitspuffer, falls sich der Edelmetallpreis wieder einmal besonders stürmisch nach oben entwickeln sollte. Für die Sammler stellt das erhöhte Nominal allerdings keinerlei Risiko dar, da der Staat dafür unbegrenzt garantiert. Wer also ohnehin Geld zurücklegt und dabei am liebsten auf (mittlerweile praktisch zinsfreie) deutsche Staatsanleihen setzt, der kann es ebenso gut in Form von 20-Euro-Silbermünzen tun. Gewissermaßen als Sahnehäubchen erwirbt er zugleich eine schöne Münzensammlung und profitiert im besten Fall sogar noch von künftigen Wertsteigerungen des enthaltenen Edelmetalls oder vom Liebhaberwert seltenerer Stücke, wenn die Nachfrage steigt.

Silber ist ein klassisches Münzmetall – seit der Antike

Deutsche Gedenkmünzen besitzen ab sofort also wieder jenen unvergänglichen inneren Wert, den die Sammler so schätzen. Denn Silber ist ein klassisches Münzmetall, aus dem schon in der Antike wertvolle Geldstücke geschlagen wurden. Gerade in geldpolitisch unsicheren Zeiten hat echtes Silber oder Gold einen hohen Rang, seine Bedeutung als Wertaufbewahrungsmittel befindet sich seit Jahren im Aufwärtstrend.

In der deutschen Münzgeschichte gab es – außer teilweise zu DDR-Zeiten – nur eine einzige, kurze Phase, in der die Gedenkmünzen des Landes nicht aus Silber gefertigt wurden. Das war Ende der 1970er, Anfang der 80er Jahre, als ebenfalls wegen des sprunghaft gestiegenen Silberpreises auf Kupfer-Nickel umgestellt wurde. Über acht Jahre dauerte die Phase damals, bis 1987 endlich wieder die erste Silber-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland erschien. Wie heute wurde zur Wiedereinführung des Edelmetalls der Nennwert verdoppelt: Die Sonderprägung zu Berlins 750. Stadtgeburtstag markierte den Auftakt zur Ära der 10-DM-Gedenkmünzen, die bis zur Einführung des Euro im Jahr 2002 währte. Und nun sind also auch die deutschen 10-Euro-Gedenkmünzen Vergangenheit.

Am 4. Februar beginnt die Zukunft

Am Donnerstag, den 4. Februar 2016, wird ein neues Kapitel in der deutschen Münzgeschichte aufgeschlagen. An diesem Tag nämlich feiert mit „Rotkäppchen“ die erste 20-Euro-Silbermünze Deutschlands ihre Premiere. Unmittelbar vor Beginn der weltgrößten Münzenmesse, der World Money Fair in Berlin, gibt die Bundesbank die fünfte Ausgabe der Serie „Grimms Märchen“ in Umlauf. Die Fortsetzung des Programms, dessen erste vier Folgen noch mit altem Nominal erschienen sind, dokumentiert nachdrücklich den nahtlosen Übergang zum neuen 20-Euro-Sammelgebiet. Sogar der Gestaltungswettbewerb für „Rotkäppchen“ wurde noch für eine 10-Euro-Gedenkmünze ausgeschrieben.

Entworfen wurde Deutschlands silberner 20-Euro-Pionier von der jungen Berliner Produktdesignerin Elena Gerber, einer Schülerin des bekannten Münzgestalters Heinz Hoyer an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Die Bildseite der Gedenkmünze zeigt eine typische Szene des Märchens: Rotkäppchen trifft im Wald auf den Wolf. Durch seine „gelungene Konzentration auf diese erste Begegnung“ überzeugte der Entwurf das Preisgericht, das in seiner Beurteilung weiter ausführte: „Die dargestellten Figuren deuten die Unschuld des jungen Mädchens und das Bedrohlich-Verführerische des Wolfes an.“ Die geschwungene Linie am unteren Bildrand mit den beiden kleinen Häuschen symbolisiert den Weg, den Rotkäppchen zum Haus der Großmutter zurücklegte und der eng mit der Randschrift korrespondiert, die eine Warnung der Mutter zitiert: „...UND LAUF NICHT VOM WEG AB“. Das Künstlerzeichen „EG“ findet sich etwas versteckt ganz oben im Geäst der Bäume.

Erste deutsche Silbermünze mit 20-Euro-Nominal

Der Wertseite kommt diesmal natürlich besondere Bedeutung zu. Sie zeigt erstmals auf einer deutschen Silbermünze die Wertstufe „20 EURO“ und – anders als bei den Sterlingsilber-Zehnern bis Ende 2010 – jetzt auch den Schriftzug „SILBER 925“. Diese Punzierung, allerdings noch mit Angabe der 625er Legierung, wurde 2011 auf den Spiegelglanzmünzen zur Unterscheidung gegenüber den Kupfer-Nickel-Prägungen eingeführt. Die Feingehaltsangabe soll künftig aber auf allen Silber-Zwanzigern stehen.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2016.


Die erste deutsche Gedenkmünze aus Sterlingsilber seit über fünf Jahren: Rotkäppchen.


Mit „Nelly Sachs“ erscheint im April der zweite Silber-Zwanziger aus Deutschland.


Am 7. Juli 2016 ist der Erstausgabetag von „200. Geburtstag Ernst Litfaß" geplant.


„125 Jahre Deutschlandlied" zeigt ein Porträt des Dichters Hoffmann von Fallersleben.


Die letzte 20-Euro-Silbermünze des Jahres aus Deutschland ehrt den 125. Geburtstag des Malers Otto Dix.

 

 

 

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