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Editorial Januar/Februar 2016

Deutschlands neue 20-Euro-Silbermünzen am Start

Am 4. Februar erscheint die erste deutsche 20-Euro-Münze aus 925er Sterlingsilber. Sie hat exakt dieselben numismatischen Daten wie der letzte Silber-Zehner von 2010, nur eben den doppelten Nennwert. Sie ist so gesehen tatsächlich nach altem Schrot und Korn geprägt: wieder mit 18 Gramm Raugewicht (Schrot) und 16,65 Gramm Feingewicht (Korn). Jetzt wird es sich erweisen, wie ernst es die Sammler gemeint haben, als sie nach der Umstellung auf Kupfer-Nickel vehement die Rückkehr zum Silber bei deutschen Gedenkmünzen gefordert haben.

In Fachkreisen ist man nämlich uneins darüber, ob sich durch den erhöhten Preis womöglich einige Sammler abschrecken lassen oder ob sie im Gegenteil verstärkt zugreifen, weil ihre Lieblingsmünzen endlich wieder aus echtem Silber sind. Eine Auflagenkalkulation ist deshalb für den Bund als Herausgeber schwierig. Mit rund einer Million Exemplare geht der 20-Euro-Silberpionier „Rotkäppchen“ an den Start, so ist zu hören. Das entspricht etwa der Prägemenge der letzten deutschen 10-Euro-Stempelglanzmünzen.

Alle warten jetzt gespannt darauf, wie die Münzensammler reagieren. Die große Mehrheit – nach einer Umfrage im Deutschen Münzen Magazin von 2011 über 80 Prozent – wünschte sich das Silber zurück und wollte dafür auch eine Nennwerterhöhung in Kauf nehmen. Denn, so das Argument, man geht ja schließlich kein Risiko ein, wenn man die Münze zum Nominal erwirbt. 10 für 10 oder 20 für 20 Euro – das macht keinen Unterschied.

Man kann in Zeiten von Null-Zinsen sein Geld sicherlich schlechter anlegen, als in einer Silbermünzen-Sammlung, die im Notfall jederzeit zum aufgeprägten Nennwert wieder veräußert werden kann. Im besten Fall macht man sogar noch einen guten Schnitt, dann nämlich, wenn einzelne Stücke in Wert steigen, weil die Nachfrage höher ist als das Angebot, oder weil sich der Silberpreis entsprechend entwickelt. Eine Geldanlage mit der Aussicht auf Wertzuwachs, die aber nicht unter ihren Einstandspreis sinken kann – das ist eigentlich das, was heute alle suchen.

Und weil das Ganze auch noch mit der Freude an einem wunderbaren Sammelhobby verbunden ist, sollte es eigentlich keine Frage mehr sein, ob man die neuen Silber-Zwanziger sammelt, allenfalls wie viele Kollektionen man zusammentragen möchte. Drei vielleicht? Eine für sich selbst und zwei für die Kinder oder Lieblingsenkel! Und das natürlich aus echtem Schrot und Korn.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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