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Start » Heft-Archiv » Jahrgang 2016 » Ausgabe 1/2016 » 125. Geburtstag Ernst Litfaß

Zum 200. Geburtstag des Erfinders der Plakatsäule

Ernst Litfaß - der „Säulenheilige"

Zum 200. Geburtstag von Ernst Litfaß, Erfinder der gleichnamigen Plakatsäule, erscheint im Juli eine 20-Euro-Gedenkmünze in Sterlingsilber mit einem nostalgischen Motiv von Susanne Jünger aus Berlin.

Das Münzmotiv versetzt den Betrachter nach Berlin Mitte des 19. Jahrhunderts: Ein Herr in Frack und Zylinder betrachtet, auf seinen Gehstock gestützt, die Plakate auf einer Litfaßsäule. Im Hintergrund ist eine historische Gaslaterne zu sehen. Durch die angedeutete Umgebung wird die Epoche, aber auch die Dimension der Plakatsäule deutlich, die so auch auf dem kleinen Rund der Münze unzweifelhaft als solche zu erkennen ist. Die Jury im Münzwettbewerb lobte denn auch die gute grafische und handwerkliche Umsetzung des Themas und verlieh dem Gipsmodell von Susanne Jünger aus Berlin den 1. Preis.

Der Silber-Zwanziger „200. Geburtstag von Ernst Litfaß“ ist nach mehreren Wettbewerbsteilnahmen die erste Münze der in München geborenen Diplom-Designerin mit dem Kürzel „SJ“. Anerkennend urteilte das Preisgericht: „Die Stärke des Entwurfs ergibt sich unter anderem aus der Reduktion auf das Wesentliche, der abstrahierten Bildsprache, dem Zitieren des historischen Stadtraums und aus einer insgesamt überzeugenden klaren Struktur.“ Die männliche Person auf der Münze ist übrigens nicht irgendein Berliner Bürger, sondern verrät in Gestalt und Haltung klar die Bildvorlage, ein zeitgenössisches Foto von Ernst Litfaß selbst (siehe Abbildung S. 6), das seitenverkehrt und stilisiert dargestellt ist. Insgesamt überzeugte die Jury das „harmonische Zusammenspiel von Bild- und Wertseite“, das durch den gelungenen Einsatz von Typografie und Formelementen erreicht wurde. Die Randschrift der Münze ist passend zum Thema gewählt und lautet „RUNDUM INFORMIERT“.

Ernst Litfaß entstammte einer alten Berliner Buchdruckerfamilie. Aber nicht als Drucker oder Verleger ging er in die Geschichte ein, sondern durch seine Idee, in Berlin Anschlagsäulen aufstellen zu lassen, auf denen er Werbeplakate und amtliche Bekanntmachungen öffentlichkeitswirksam präsentieren wollte. Inspiriert wurde er durch ähnliche Anlagen, auf die er anlässlich einer Reise nach Paris aufmerksam geworden war. Den Polizeipräsidenten von Berlin konnte Litfaß schnell überzeugen, denn der erhoffte sich durch die Errichtung von zunächst 150 „Annoncier-Säulen“ eine Eindämmung des wilden Plakatierens an Bäumen und Hauswänden im Stadtgebiet. Die erste Litfaß-Säule wurde am 15. April 1855 an der Ecke Münzstraße/Grenadierstraße in der Nähe des Alexanderplatzes aufgestellt, wo sich heute ein Denkmal in Form einer bronzenen Säule mit dem Relief ihres Erfinders befindet, der im Volksmund bald seinen Namen als „Säulenheiliger“ weghatte.

2. Preis: Stefanie Radtke, Leipzig

Den 2. Preis im Münzwettbewerb erhielt Stefanie Radtke aus Leipzig für ihren ungewöhnlichen, holzschnittartigen Entwurf. Er „verschränkt das Porträt von Ernst Litfaß, seine Säule und den mit Menschen belebten Stadtraum zu einem dynamischen Ganzen“, so die Jury. Dies sei zwar „visuell sehr spannend“, mache jedoch den Inhalt „nicht leicht entschlüsselbar“, wenngleich Bild- und Wertseite stilistisch sehr gut harmonierten, wie das Preisgericht lobend hervorhebt.

3. Preis: Elena Gerber, Berlin

Nahezu die gleichen Proportionen der Motiv-Collage aus seitlichem Kopfbildnis und angeschnittener Litfaßsäule wie die Zweitplatzierte wählte auch Elena Gerber aus Berlin. Die gestalterische Grundidee hier: Das Ausgabethema „200. Geburtstag Ernst Litfaß“ ist als Aufschrift eines Plakats auf der Säule ausgelegt. Allerdings befand die Jury die typografische Umsetzung der Idee als „nicht ganz gelungen“, weil die Schrift nicht vollständig dem gedachten Rund der Säule folgt. Die Wertseite mit ihrer plastischen Adlergestaltung überzeugte das Preisgericht dagegen, das diesen „klassischen Entwurf“ mit dem 3. Preis honorierte.

Spezifikationen: „200. Geburtstag Ernst Litfaß“, 2016, 20 Euro, Silber 925/1000, 18 g,
ø 32,5 mm, Prägestätte München (D). Die Auflagen wurden noch nicht bekanntgegeben.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2016.




Das nostalgische
Motiv zu Ehren
des
200. Geburtstags von Ernst Litfaß
schuf Susanne Jünger aus Berlin

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