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Start » Heft-Archiv » Jahrgang 2017 » Ausgabe 1/2017 » 5-Euro-Gedenkmünze mit Polymerring 2017: Tropische Zone

Deutschlands 5-Euro-Gedenkmünze 2017

„Tropische Zone“ mit leuchtend rotem Ring

Das mit großer Spannung erwartete Motiv der deutschen 5-Euro-Gedenkmünze mit rotem Polymerring ist beschlossen: 2017 symbolisiert ein Ara über Regenwald-Bäumen die tropische Zone.

Die Messlatte für den direkten Nachfolger der Weltneuheit „Blauer Planet Erde“ lag hoch, denn die erste Münze mit lichtdurchlässigem Polymerring sorgte 2016 für große Furore und gilt seither als Ikone der deutschen Münzgeschichte. Als Motiv zeigt der Mittelteil der ersten deutschen Tri-Material-Münze eine stilisierte Erdkugel und der äußere Ring mit seinen Planetendarstellungen das Weltall. Der im Gegenlicht blau leuchtende Kunststoffring trennt und verbindet beide Motive gleichzeitig. Er wird als schützende Erdatmosphäre wahrgenommen. Richtig schön fanden das die meisten Leser des Deutschen Münzen Magazins und wählten den 5-Euro-Pionier mit großer Mehrheit zur „Münze des Jahres 2016“.

Die Prägung mit dem blauen Ring löste einen wahren Hype unter den Münzinteressierten aus. Jeder wollte (und will) die Weltneuheit besitzen, was einen nie dagewesenen Nachfrageboom auslöste, in dessen Folge sich die Marktpreise für das erste deutsche 5-Euro-Stück vervielfachten. Umso mehr waren die Sammler gespannt, wie der direkte Nachfolger der „Planet Erde“-Münze aussehen würde, der für 2017 angekündigt ist. Er ist die Erstausgabe einer auf fünf Jahre angelegten Serie mit dem Titel „Klimazonen der Erde“ und gilt den Tropen.

Anfang November 2016 wurde das Geheimnis gelüftet, nachdem das Bundeskabinett das Motiv beschlossen hatte. Die Regierung folgte dabei der Empfehlung der Jury im Münzwettbewerb, die einen Entwurf der Designerin Stefanie Radtke aus Leipzig mit dem 1. Preis ausgezeichnet hatte.

Das Bildmotiv ist fast ausschließlich auf die Fläche innerhalb des roten Rings beschränkt und zeigt einen Ara im Flug über den, wie mit einem starken Weitwinkelobjektiv aufgenommenen, Kronen von Urwaldbäumen. Auf dem äußeren Metallring ist neben ein paar kleinen Vogeldarstellungen und einem Teil des Ara-Flügels (der auch den roten Ring überprägt) diesmal das Ausgabethema zu finden: „TROPISCHE ZONE“.

Stefanie Radtke aus Leipzig erhielt den 1. Preis

Und so beurteilte das Preisgericht die Arbeit von Stefanie Radtke: „Der künstlerische Entwurf besticht durch die besondere Vogelperspektive, mit deren Hilfe ein Betrachter entlang der Baumriesen in die tropische Zone eintaucht. Der Papagei steht symbolisch für die Biodiversität der Tropen. Mit diesen realistischen Bildelementen wird die tropische Zone mit dem immerfeuchten Regenwald auf hervorragende Weise abstrahiert. Der rote Ring definiert den Übergang in eine luftige Freifläche, die die Münze ‚glanzvoll‘ zur Geltung kommen lässt. Die Typografie balanciert dabei bewusst außerhalb der Mitte und erzeugt eine zusätzliche Dynamik.“

Im Gespräch mit dem Deutschen Münzen Magazin erläuterte Stefanie Radtke (37), Absolventin der Fakultät Gestaltung der Fachhochschule Wismar, ihren Entwurf. Nach intensiver Beschäftigung mit dem gestellten Thema habe sie sich dazu entscheiden, zwei Aspekte aus den Wettbewerbsunterlagen herauszugreifen: Vögel, von denen die meisten Arten weltweit aus den Tropen stammen, und den sogenannten Stockwerksbau der Regenwälder. Über ein fast geschlossenes Dach aus Baumkronen erheben sich dabei einzelne, bis zu 80 Meter hohe Urwaldriesen, darunter gibt es weitere Schichten aus Bäumen und Sträuchern. Nur rund ein Prozent des einfallenden Sonnenlichts gelangt auf den mit Kräutern bewachsenen Waldboden. Deshalb spielt sich das Leben zum großen Teil in den Baumwipfeln ab, eben dort, wo es hell ist. Das sei auch der Grund, warum sie die Bäume unterschiedlicher Höhe aus der Vogelperspektive dargestellt habe, erklärt Stefanie Radtke. Stellvertretend für die Vogelwelt habe sie sich für den Ara entschieden, eine Papageienart, die vorwiegend in der tropischen Zone Südamerikas beheimatet ist.

Versteckte Kritik an der Abholzung der Regenwälder

Auf eine Besonderheit, die nicht auf den ersten Blick auffällt, macht die Designerin aufmerksam: Die Form der Baum-Collage sei nicht zufällig gewählt. Die entfernt an eine Pusteblume erinnernde Darstellung, aus der bereits ein Teil herausgeblasen ist, soll darauf verweisen, dass der Tropische Regenwald nicht mehr zu hundert Prozent existiert. Man könne diesen Urwald, der aus kommerziellen Gründen immer weiter abgeholzt werde, nicht „nur schön“ auf einer Münze darstellen – „das muss man doch kritisieren“, so Radtke. Deshalb habe sie den Regenwald gewissermaßen als „Tortendiagramm, bei dem ein Stück fehlt“ wiedergegeben.

Befragt, warum sie auf dem äußeren Ring so großzügig mit Freiflächen gearbeitet habe, weiß die Designerin eine überraschende Antwort: Man habe ihr früher immer vorgeworfen, zu viele Details auf eine Münze packen zu wollen. Das habe sie bei diesem Entwurf beherzigt und sich zurückgehalten – und schon hat es geklappt mit dem

1. Preis, möchte man hinzufügen! Die 5-Euro-Ausgabe „Tropische Zone“ wird Radtkes erste tatsächlich geprägte Münze sein. Nach dem Sieg in einem Nachwuchswettbewerb für Münzgestalter 2007 hat die Wahl-Leipzigerin bei regulären Münzwettbewerben des Bundesfinanzministeriums bislang zwei 2. Preise errungen – bei „Frauenfußball-WM“ 2011 und „200. Geburtstag Ernst Litfaß“ 2016.

Über die Adlerseiten wurde getrennt abgestimmt

Die Wertseite zeigt, so das Preisgericht, eine „würdige Adlerfigur“ und harmoniere in gelungener Weise mit der Bildseite. Tatsächlich korrespondieren die abgerundeten Federn des Bundesadlers mit dem Gefieder des Papageis auf der Vorderseite. Vor allem aber die Typografie und Schrägstellung der Umschriften mit Ausgabethema und Landesbezeichnung um etwa 30 Grad findet sich als Übereinstimmung auf beiden Münzseiten wieder.

Bemerkenswert bei diesem Münzwettbewerb war, dass über Bild- und Wertseite getrennt abgestimmt wurde. Es sollte also ein an sich gutes Vorderseitenmotiv nicht allein deshalb ausscheiden, weil der dazugehörige Adler nicht den Vorgaben entspricht oder der Jury nicht gefällt, wie das in der Vergangenheit schon mehrmals der Fall war. Es hätte diesmal also durchaus passieren können, dass Avers und Revers der Münze von verschiedenen Künstlern sind. Tatsächlich aber stammen bei der 5-Euro-Münze „Tropische Zone“ beide Münzseiten von Stefanie Radtke.

2. Preis: Claudius Riedmiller

Gute Chancen auf den Sieg im Münzwettbewerb hatte auch der Bildseiten-Entwurf von Claudius Riedmiller aus Stuttgart (Gestalter der „Deutschlandlied“-Münze von 2016), der auf Platz 2 landete. Er symbolisiert die Tropen als verschwenderisches Dickicht von Fauna und Flora. Unter einem Baldachin von Baumkronen sitzt stellvertretend für die reiche Tierwelt dieser Klimazone ein Tukan zwischen Gewächsen, die wir hierzulande eher als Zimmerpflanzen kennen: Bromelie und Monstera (Fensterblatt). In der Jury-Bewertung heißt es dazu: „Der Entwurf stellt mit starker symbolischer Typisierung den tropischen Regenwald in seiner Vielfalt, seiner Undurchsichtigkeit und der versteckten Tierwelt dar. Er ist sensibel plastisch modelliert und trotz der gelungenen Abstraktion sind Tier und Pflanzen erkennbar und treffend ausgewählt. Die malerische Komposition steht elegant im Rund und nimmt den Polymerring als besonderes Gestaltungselement auf. Die eigenständige Bildfindung besticht mit ihrer präzisen Ausführung, die die Atmosphäre der tropischen Zone sehr gut einfängt.“

3. Preis: Anna Martha Napp

Unter die letzten Drei kam auch ein Gipsmodell von Anna Martha Napp aus Maßlow bei Wismar, bei dem der Polymerring eine besonders originelle Zusatzfunktion hat: Er dient einem Affen als Kletterreifen, an den er sich vor dem Hintergrund tropischer Pflanzen mit allen Vieren klammert. „Der plastische Entwurf“, so das Preisgericht, „gibt einen überzeugenden und lebendigen Einblick in das strukturreiche Ökosystem des tropischen Regenwaldes. Der Orang Utan wird als typisches Motiv ausgewählt und dynamisch in die vielfältige Vegetation und Tierwelt des Regenwaldes gesetzt. Der gewählte Ausschnitt erhält durch den umlaufenden farbigen Polymerring eine besondere Akzentuierung.“

Erstausgabe der „Klimazonen“-Serie

Dass auch schon vor dem Mega-Erfolg der „Planet Erde“-Weltneuheit diese innovative Münze nicht als einmaliges Ereignis geplant war, dafür sprechen alleine schon die Millioneninvestitionen der Prägestätten – vor allem in Karlsruhe und München, wo die neuartigen Tri-Material-Ronden hergestellt werden. So kündigte bereits bei der ersten Präsentation der 5-Euro-Gedenkmünze anlässlich der World Money Fair 2016 Finanz-Staatssekretär Dr. Michael Meister an: „Wir beabsichtigen, auch in den nächsten Jahren weitere Münzemissionen mit einem farbigen Polymerring herauszugeben.“

Im Sommer 2016 wurde dann das Thema der Anschluss-Serie beschlossen. Mit „Klimazonen der Erde“ wollte man unmittelbar an das „Planet Erde“-Sujet anknüpfen, oder, wie es die Leiterin des Münzreferats im Bundesministerium der Finanzen, Ulrike Bohm, im Interview mit dem Deutschen Münzen Magazin so schön formulierte: „Wir wollen uns dem Blauen Planet Erde nun weiter nähern.“ Mit der neuen Münzenserie wird der Blick freigegeben auf die verschiedenen Lebensräume der Erde. Die Prägungen zeigen, geordnet nach fünf Klimazonen, die Schönheit unseres Planeten, die durch die Darstellung der jeweiligen Pflanzen- und Tierwelt sowie zonentypischer Landschaftsformationen in Szene gesetzt wird.

Polymerringe in den Farben der Wetterkarte

Die Farben der Polymerringe lehnen sich dabei an das meteorologische Farbspektrum an, wie man es auch von der Wetterkarte im Fernsehen kennt. So steht Rot auf den Münzen für die Tropen (2017), Orange für die Subtropen (2018), Grün für die gemäßigte Zone (2019), Türkis für die Subp­olaren Gebiete (2020) und Violett für die Polarzone (2021). Wie schon bei „Planet Erde“ sind es jeweils fünf verschiedene Farbnuancen, die den Prägestätten zugeordnet sind. Die Herkunft der Münzen ist so nicht nur über den Prägebuchstaben erkennbar, sondern auch über den Farbton des durchscheinenden Kunststoffrings. Bei der 2017er Ausgabe sind es fünf unterschiedliche Rottöne. Sie wurden diesmal sogar mit Namen versehen. So prägt Berlin (A) mit Ringen in „Rosenrot“, München (D) erkennt man an einem dunklen „Tempranillo“-Rot, ebenfalls nach einer Rotweinsorte ist der „Merlot“-Ton von Stuttgart (F) benannt, Karlsruhe (G) leuchtet Kirsch- und Hamburg (J) Johannisbeerrot (siehe Grafik).

Die fünf 2017er Rottöne haben Namen bekommen - von „Rosenrot" bis „Johannisbeere"

Anders als die Ausgabe „Blauer Planet Erde“, die als erste bundesdeutsche Gedenkmünze keine Inschrift auf der Bildseite trägt und deren Titel nur als Randschrift in Erscheinung tritt, nennen die Nachfolger das Ausgabethema jeweils in Umschriften auf der Vorderseite. Der glatte Münzrand der neuen Ausgaben enthält in vertiefter Prägung dagegen das Serienmotto: „KLIMAZONEN DER ERDE“. Die technischen Spezifikationen sind unverändert: Die Münzen bestehen aus zwei verschiedenen Kupfer-Nickel-Legierungen sowie einem transluzenten Polymerring, haben einen Durchmesser von 27,25 Millimetern und wiegen neun Gramm.

Auflage in Normalprägung bleibt unverändert

Trotz der immensen Nachfrage bei der deutschen 5-Euro-Premiere 2016 will man im Bundesministerium der Finanzen an der Auflage von zwei Millionen in Normalprägung festhalten. Lediglich in der höchsten Prägequalität „Spiegelglanz“ ist eine „„moderate Erhöhung“ um 50000 auf dann 300000 Exemplare vorgesehen, um, wie Münzreferats-Leiterin Ulrike Bohm gegenüber dem Deutschen Münzen Magazin erläuterte, „hier etwas den Druck aus dem Markt zu nehmen und mehr Interessenten bedienen zu können.“

Am Eröffnungstag der weltgrößten Münzenmesse, der „World Money Fair“ in Berlin, soll am 3. Februar die Präsentation der neuen Polymermünze stattfinden. Dort werden auch erste Vorab-Prägungen zu sehen sein – allerdings nur als unverkäufliche Ausstellungsstücke. Der offizielle Erstausgabetag ist für den 27. April 2017 geplant. Es ist zu erwarten, dass die Nachfrage das Angebot wieder deutlich übersteigen wird. Deshalb sollte man jede (unverbindliche) Reservierungsmöglichkeit, wie sie zum Teil vom Handel angeboten wird, heute schon nutzen.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2017.

5-Euro-Gedenkmünze mit rotem Polymerring 2017 „Tropische Zone". Foto: BADV

Mitte Dezember 2016 begann mit dem Prägestart in Karlsruhe offiziell die Produktion. Freudestrahlend präsentierte die Münzgestalterin Stefanie Radtke aus Leipzig (links) den Fotografen „ihre“ erste Münze. Zusammen mit der baden-württembergischen Finanzministerin Edith Sitzmann (rechts) und dem Leiter der Staatlichen Münzen Baden-Württemberg, Dr. Peter Huber, nahm sie die symbolische Erstprägung vor.

Präsentation der neuen 5-Euro-Münze bei der Anprägung in der Münzstätte Karlsruhe.

Detailfoto: Erstmals wird bei diesem Motiv der Polymerring in das Relief einbezogen. Die Prägbarkeit ist eine der Eigenschaften, die der Spezialkunststoff mitbringen muss.

Das „SR" zwischen den Baumkronen steht für die Gestalterin Stefanie Radtke.

Tri-Material-Ronden mit Polymerringen in Karlsruher „Kirschrot".

Das Serienthema „KLIMAZONEN DER ERDE" findet sich in der Randschrift.

 

 

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