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Drei offizielle deutsche Gedenkmünzen zum großen Kirchenjubiläum

500 Jahre Reformation

Mit gleich drei Gedenkmünzen in Silber und Gold würdigt die Bundesrepublik Deutschland 2017 numismatisch den 500. Jahrestag der Reformation.

Eine 20-Euro-Silbermünze, die erste 50-Euro-Goldmünze Deutschlands überhaupt und der große Gold-Euro 2017 aus der UNESCO-Serie begleiten – neben zahlreichen weiteren Gedenkprägungen – numismatisch das große Kirchenjubiläum „500 Jahre Reformation“.

Die bedeutendste theologische Erneuerungsbewegung in der Geschichte der Menschheit wurde ausgelöst vom Thesenanschlag Martin Luthers an der Schlosskirche von Wittenberg am 31. Oktober 1517. Ob er nun tatsächlich persönlich „die Schläge seines Hammers aufweckend über die deutschen Gefilde schallen“ ließ, wie Kaiser Wilhelm II. 1903 in einer Festrede so blumig formulierte, ist bis heute umstritten. Fakt aber ist, dass der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther im Jahr 1517 Dokumente im Stil akademischer Disputationsthesen in Umlauf gebracht hat.

Mit Reformen der Glaubenslehre und kirchlicher Organisationsstrukturen wollte Luther dem Ablasshandel Einhalt gebieten und brachte damit die amtierenden katholischen Würdenträger gegen sich auf. So kam es zu einem erbitterten Kampf zwischen dem etablierten Klerus und den Anhängern Luthers, der schließlich zur Spaltung des Christentums in verschiedene Konfessionen führte. Heute, ein halbes Jahrtausend später, gibt es weltweit rund 400 Millionen Protestanten, deren Glaube durch die Reformation geprägt wurde.

20-Euro-Gedenkmünze aus Sterlingsilber

Die erste der drei offiziellen deutschen Gedenkmünzen erscheint bereits in wenigen Wochen, am 6. April 2017. Es ist ein 20-Euro-Stück aus Sterlingsilber, dessen Randschrift ein berühmtes Zitat aufweist: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Diese Worte soll Martin Luther 1521 auf dem Reichstag in Worms gesprochen haben, nachdem er sich geweigert hatte, seine Thesen zu widerrufen.

Den Gestaltungswettbewerb für die Prägung aus der Staatlichen Münze Berlin (A) konnte Patrick Niesel aus Schwaig bei Nürnberg mit einem Kopfporträt Martin Luthers für sich entscheiden, das holzschnittartig einem Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. nachempfunden ist. Dabei wird das Gesicht durch das lateinisch bedruckte Faksimile des Thesenpapiers halb verdeckt – eine Anspielung darauf, dass der Reformator wegen seiner Thesen flüchten und sich verstecken musste. Das Preisgericht lobte: „Die lineare Darstellung des Luther-Antlitzes unterstreicht in ihrer Modernität die Relevanz des Ereignisses für unsere Gegenwart; die als Textur erscheinenden Fragmente aus den 95 Thesen betonen die epochale Bedeutung der Reformation. Die Komposition von Typografie und Motiv ist sowohl auf der Bild- als auch auf der Wertseite hervorragend gelungen.“

50 Euro Gold „Lutherrose“

Am 24. Mai ist der offizielle Ersttag von Deutschlands erster und bislang einziger Goldmünze zu 50 Euro. Auch sie ist dem Reformationsjubiläum gewidmet und zeigt als Motiv die sogenannte „Lutherrose“. Die Prägung reiht sich mit einem Gewicht von einer viertel Unze (7,78 Gramm) genau in der Mitte zwischen den beiden bestehenden jährlichen Goldmünzen-Ausgaben zu einer halben Unze (Nennwert: 100 Euro) und den Gold-Zwanzigern („Deutscher Wald“ bzw. „Heimische Vögel“) mit einer achtel Unze ein. Es soll damit voraussichtlich eine dritte Goldmünzen-Serie installiert werden, die auch preislich in der Mitte angesiedelt ist. Die neue Münze hat einen Durchmesser von 20 Millimetern und soll in einer Gesamtauflage von 150000 Exemplaren (je 30000 pro Prägestätte) erscheinen.

Dominierendes Bildmotiv der 50-Euro-Gedenkmünze ist die erwähnte Lutherrose, ein Siegel, das der Reformator nutzte, um seine Schriften zu kennzeichnen. Es zeigt ein Kreuz in einem Herz, das die Mitte einer Rosenblüte bildet. Luther selbst beschrieb sein persönliches Signet in einem Briefwechsel mit folgenden Worten: „Ein Merkzeichen meiner Theologie. Das erste sollte ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten mich selig macht. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt. Darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig. Und um solch Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich ist über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste, köstlichste Erz ist.“

Das Münzdesign stammt von Adelheid Fuss aus Geltow, die mit ihrem Entwurf in einem kleinen Münzwettbewerb den ersten Platz belegte. In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: „Die Lutherrose als wichtiges Symbol für Martin Luthers Theologie und damit für die Bedeutung der Reformation wird auf dieser Münze in überzeugender Weise dargestellt. Die Umschrift ist grafisch sehr fein ausgeführt. Die symbolische Bedeutung der Lutherrose kommt hervorragend zum Ausdruck.“

Nach Veröffentlichung der ersten Bilder des Münzmotivs hat sich eine Diskussion um die Blattstellung der Lutherrose entsponnen. Zwar versichert die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, beide Versionen der Lutherrose seien tradierte Darstellungsformen. „Luther selbst verwendete allerdings die Variante, in der zwei Blütenblätter nach unten zeigen und ein einzelnes nach oben. Auch sein Siegelring zeigt diese Blattstellung“, erklärte eine Sprecherin der Stiftung gegenüber dem Deutschen Münzen Magazin. Auf Anfrage erläuterte Münzdesignerin Adelheid Fuss die davon abweichende Darstellung auf dem 50-Euro-Stück und macht „gestalterische Gründe“ geltend: „Eine Rose, die auf einem Blatt ,steht‘, wirkt eleganter, leicht und schwebend.“ Beschwichtigend meldete sich der Geschäftsführer der Luther-Gesellschaft in Wittenberg, Dr. Martin Treu, zu Wort: „Der Streit um das genaue Aussehen der Lutherrose ist so alt wie der um des Esels Schatten und ungefähr genauso gehaltvoll.“

100 Euro Gold „UNESCO-Luthergedenkstätten“

Passend zum 500. Reformationsjubiläum 2017 erscheint auch der diesjährige UNESCO-Gold-Euro zu Ehren der Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg. Insgesamt sechs Gebäude in den beiden sachsen-anhaltinischen Städten wurden 1996 zum Kulturerbe der Menschheit erklärt. Sie seien „als authentische Schauplätze der Reformation von außergewöhnlicher universeller Bedeutung“, so die Begründung. Geburtshaus und Sterbehaus in Eisleben stehen für die Eckdaten von Luthers Leben, das Lutherhaus in Wittenberg war Wohn- und Arbeitsstätte des Reformators, in der Stadtkirche predigte Luther und am Portal der Schlosskirche schlug er 1517 seine 95 Thesen an. Schließlich gehört zum Welterbe noch das Wohnhaus von Philipp Melanchthon, dem zweiten großen Reformator in Wittenberg.

Den Sieg im Gestaltungswettbewerb der Goldmünze trug Bastian Prillwitz aus Berlin davon. Seine Collage zeigt gestaffelt die sechs UNESCO-Welterbestätten mit den Eisleber Denkmalen im Vordergrund und dem Lutherhaus im Zentrum. Eine besondere Tiefe erhält das Motiv durch perspektivisch dargestellte Wege, die zu den Gebäuden führen und auf denen Spaziergänger flanieren. Diese „Menschen von heute“ würden dadurch „zur Betrachtung und zur Beschäftigung mit dem Erbe eingeladen“, so die Wettbewerbsjury. In höchsten Tönen wird auch die handwerkliche Ausführung gelobt: „Jede einzelne Stätte ist in hochgradiger Detaillierung und beeindruckender Plastizität dargestellt.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN März/April 2017.


Die drei 2017er Gedenkmünzen Deutschlands zum 500.
Reformationsjubiläum: 20 Euro Silber sowie 50 und 100 Euro Gold.

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