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Start » Heft-Archiv » Jahrgang 2017 » Ausgabe 3/2017 » Keine Spur von der 100-Kilo-Goldmünze

Spektakulärer Einbruch im Berliner Münzkabinett

Keine Spur von der 100-Kilo-Goldmünze

Nach dem filmreifen Einbruch im Münzkabinett des Berliner Bode-Museums hat die Polizei wenig Hoffnung, dass der 100 Kilogramm schwere „Big Maple Leaf“ wieder auftaucht.

Es war der wohl spektakulärste Einbruch in ein Münzkabinett und die Beute immens: Rund 3,8 Millionen Euro sind die 100 Kilogramm Feingold wert, woraus der gestohlene „2007 Big Maple Leaf“ aus Kanada besteht. Von der zweitgrößten Goldmünze der Welt (nach dem australischen Ein-Tonnen-„Känguru“ von 2012) gibt es weltweit genau fünf Exemplare. Eines davon war im Berliner Bode-Museum als Dauerleihgabe eines ungenannten Investors ausgestellt. Dort wurde es in der Nacht zum 27. März 2017 in einer offenbar minutiös geplanten Aktion entwendet.

Allein schon aufgrund des hohen Gewichts von zwei Zentnern geht das Landeskriminalamt Berlin von mindestens zwei Tätern aus, die mit einer Leiter von einem Podest der Stadtbahntrasse über ein Fenster in das Museum eindringen konnten, das Panzerglas der Ausstellungsvitrine zertrümmerten und das wagenradgroße Goldstück auf dem gleichen Weg aus dem Gebäude schleppten. Wahrscheinlich wurde die Riesenmünze aus dem Fenster geworfen und dabei beschädigt. In einer Schubkarre wurde sie noch etwa 80 Meter weiter entlang der Gleise über die Spree geschoben. Dort seilten sich die Täter in den darunterliegenden Monbijoupark ab, von wo aus sie mit der Beute in einem Auto flüchteten. Wahrscheinlich wird die Münze eingeschmolzen Bis Redaktionsschluss Anfang April fehlte von den Dieben und der Münze noch jede Spur. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die 53 Zentimeter große Münze (Nennwert 1 Million Kanadische Dollar) mit Ahornblättern als Bildseitenmotiv und Queen Elizabeth II. auf der Wertseite zerteilt und eingeschmolzen wird.

Fragen an den Direktor des Berliner Münzkabinetts, Prof. Dr. Bernhard Weisser

DEUTSCHES MÜNZEN MAGAZIN: Manche Kommentatoren zollen den Einbrechern fast schon Respekt und tun den Diebstahl als mehr oder weniger harmlose Räuberpistole ab. Wie stellt sich die Tat aus Ihrer Sicht dar?

PROFESSOR WEISSER: Es ist zu einfach, das Ganze auf einen Angriff mit Leiter und Schubkarre zu reduzieren, sondern das ist schon ein Akt mit hoher krimineller Energie gewesen und wir können wirklich froh sein, dass Mitarbeiter dabei nicht verletzt worden sind.

DMM: Haben Sie damit gerechnet, dass ausgerechnet dieses zwei Zentner schwere Exponat wegkommt?

WEISSER: Ganz klar: Nein! Das waren auch keine Münzdiebe im herkömmlichen Sinne. Ich hoffe, dass die Tat von der Polizei bald aufgeklärt wird.

DMM: Gab es schon früher Fälle von Münzdiebstählen bei Ihnen?

WEISSER: Der einzig vergleichbare Münzdiebstahl in Berliner Museen liegt schon fast 300 Jahre zurück. Das war 1718 ein Insiderjob, als der Hofkastellan Valentin Runck, also derjenige, der die Schlüsselgewalt hat, sich mit dem Hofkleinschmied Daniel Steif zusammentat und den ungeliebten neuen König Friedrich Wilhelm I. bestohlen hat. Sie haben nicht nur den Schlagschatz, sondern auch Teile der königlichen Münzsammlung, zu der unter anderem Stücke aus der Antike gehörten, über einen längeren Zeitraum an sich gebracht. Das Schlimmste daran war, dass sie das Vertrauen missbraucht haben, das ihnen als obersten Wächtern der Schätze entgegengebracht wurde. Sie brauchten keine Axt, um irgendwelche Vitrinen zu zertrümmern. Die Diebe sind damals übrigens geschnappt worden, als Mathurin La Croze, einer meiner Vorgänger, eine im Handel aufgetauchte Goldmünze als Teil der Beute identifizierte. Diese damals seltene Münze der Aitolischen Liga hat die beiden schließlich überführt. Ihre Strafe war grausam: Sie wurden öffentlich gevierteilt.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai/Juni 2017.

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