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Kursmünzensätze 2017

Neue Vatikan-Münzen ohne Papst-Bildnis

Numismatische Sensation aus dem Vatikan: Ab 2017 erscheinen die Kursmünzen des Kirchenstaats ohne Porträt von Papst Franziskus, das durch sein Wappen ersetzt wird. Auch die Wertseiten der beiden in den Sets enthaltenen Gedenkmünzen tragen die Wappendarstellungen.

Auf Wunsch von Papst Franziskus zeigen die von Daniela Longo gestalteten Kursmünzen des Vatikanstaats ab dem Prägejahr 2017 nicht mehr sein Porträt, sondern sein Wappen. Über die Gründe gibt es nur Spekulationen. Als wahrscheinlich gilt, dass der als besonders bescheiden geltende Franziskus, der jegliche Art von Personenkult ablehnt, nicht mehr mit seinem Konterfei auf (fast) jeder Münze des Kirchenstaats erscheinen wollte. Das vatikanische Amt für Philatelie und Numismatik bestätigte, dass der Papst persönlich diese Entscheidung getroffen habe.

Auch im Amtsblatt der Europäischen Union, in dem die Änderung bekannt gemacht wurde, steht keine weitere Begründung, Dort werden unter der Überschrift „Neue nationale Seiten von Euro-Umlaufmünzen“ lediglich die neuen Motive beschrieben, die jetzt bildgleich auf allen acht Wertstufen von 1 Cent bis 2 Euro das von den zwölf Europasternen eingefasste Papstwappen zeigen. Dazu die Landesbezeichnung CITTA‘ DEL VATICANO, die Jahreszahl 2017 und das „R“ für die Prägestätte in Rom.

Das offizielle Wappen von Papst Franziskus zeigt, wie schon bei seinem Vorgänger Benedikt, anstelle der prunkvollen Papstkrone (Tiara) eine einfache bischöfliche Mütze (Mitra) über den beiden gekreuzten, von einer Kordel zusammengehalten Petrus-Schlüsseln. Unter diesen Insignien der Papstwürde findet sich der Schild mit dem Jesuiten-Symbol: eine Sonne mit dem Christusmonogramm IHS, dessen H mit einem Kreuz verbunden ist. Die drei schwarzen Nägel darunter stehen für die Ordensgelübde der Jesuiten: freiwillige Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam. Unter der Sonne sind Stern und Nardenblüte abgebildet. Der Stern symbolisiert nach alter heraldischer Tradition die Jungfrau Maria, während die Nardenblüte auf den heiligen Josef, den Patron der Weltkirche, verweist.

Franziskus‘ Wahlspruch auf dem Schriftband unter dem Schild stammt aus einer Liturgie zum Fest des heiligen Matthäus, die im geistlichen Werdegang des Papstes eine besondere Rolle spielt: Am Matthäustag des Jahres 1953 hatte der 17-jährige Jorge Mario Bergoglio nach der Beichte eine Erscheinung – Gott berief ihn zum Ordensleben nach dem Vorbild des heiligen Ignatius von Loyola. In Erinnerung an dieses Ereignis beschloss Bergoglio bei seiner Wahl zum Bischof, drei Worte aus dieser Liturgie zu seinem Wahlspruch zu machen und in sein Wappen aufzunehmen: MISERANDO ATQUE ELIGENDO („Aus Barmherzigkeit gewählt“).

Wie üblich bilden die Kursmünzensätze des Kirchenstaats den alljährlichen Auftakt zum vatikanischen Münz-Ausgabeprogramm. Die Verpackungen haben jährlich wechselnde Grundfarben (2017 Weiß) und es gibt sie jeweils in drei Versionen: in Normalprägung „Stempelglanz“ (Auflage: 70000) und zweimal in der höchsten Prägequalität „Polierte Platte“ (Auflage gesamt: 10000 Exemplare), wobei sich diese durch eine zusätzlich enthaltene exklusive Silber- bzw. Goldmünze unterscheiden.

50-Euro Gold in Miniauflage

Das absolute Highlight ist dabei die Ausgabe mit der 50-Euro-Goldmünze, die es ausschließlich in diesen PP-Sätzen in 1500er Auflage gibt. 2017 präsentiert die 15 Gramm schwere und 28 Millimeter große Prägung eine Darstellung der „Maria Knotenlöserin“, einem Gnadenbild aus der katholischen Wallfahrtskirche St. Peter am Perlach in Augsburg. Es wurde im Jahr 1700 von dem Augsburger Künstler Johann Georg Melchior Schmidtner geschaffen und zeigt die auf einer Mondsichel stehende Madonna, wie sie Knoten in einem langen weißen Band löst und zugleich mit dem Fuß auf den Kopf einer Schlange als Symbol für den Teufel tritt. Dieses Bild habe während eines Aufenthalts in Deutschland den heutigen Papst und damaligen Priester Jorge Mario Bergoglio so tief beeindruckt, dass er mehrere Drucke davon mit nach Argentinien genommen habe – eine von verschiedenen Seiten angezweifelte Geschichte, die das vatikanische Münzamt nun aber ausdrücklich und offiziell bestätigt. Für die Münze ins Relief umgesetzt wurde das Werk übrigens von der Bildhauerin Gabriella Titotto.

Die 20-Euro-Silbermünze, die in 8500 Auflage geprägt wurde, zeigt die Erzengel Gabriel, Raphael und Michael. Die Engelsfiguren bewachen das Jesuskind, weil Gott, Mensch geworden, arm und schutzlos war. Die Darstellung der Künstlerin Antonella Napolione erinnert an die Aufgabe der Erzengel als Beschützer der Menschen.

Wappen ab sofort auch auf Gedenkmünzen

Die Wertseiten der 20- und 50-EuroGedenkmünzen weisen, wie die Kursmünzen des neuen Jahrgangs, das päpstliche Wappen auf. Es ist deshalb davon auszugehen, dass das Porträt von Papst Franziskus ab sofort auf allen Münzausgaben des Vatikans durch die Wappendarstellung ersetzt wird. Allerdings kann dies in etwas unterschiedlicher Zeichnung geschehen. So ist das verschlungene Band mit dem Wahlspruch des Heiligen Vaters auf der Silbermünze einer geraden Aufschrift gewichen und auf dem Goldstück wird das eigentliche Wappen noch mit einer Girlande oben und einem Kreuz am unteren Münzrand ergänzt.

Der blaue Schild des Wappens von Papst Franziskus zeigt die Jesuitensymbole Sonne, Stern und Nardenblüte. Unten schließt sich ein Band mit dem päpstlichen Wahlspruch „Aus Barmherzigkeit gewählt“ an.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai/Juni 2017.

Euro-Kursmünzen des Vatikans ohne Papst-Porträt – das hat es bislang nur bei den Sedisvakanz-Ausgaben gegeben, wenn in der Zeit zwischen Tod bzw. Abdankung eines Papstes und der Neuwahl das Wappen des geschäftsführenden Generalkämmerers aufgeprägt war. Jetzt hat Papst Franziskus entschieden, dass sein Konterfei nicht mehr auf den Münzen zu sehen sein soll. Die ersten Umlauf- und Gedenkmünzen mit Wappen-Rückseite erschienen in den Kursmünzensätzen 2017.

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