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Numismatische Leckerbissen zum MÜnzstÄtten-Geburtstag

225 Jahre US-Mint

Vor 225 Jahren wurde in Philadelphia die United States Mint gegründet. Zum Jubiläum gibt es eine spektakuläre Goldmünze: Sie zeigt erstmals in der Geschichte der USA die Freiheitsgöttin als afroamerikanische „Black Liberty“.

Wer die Nachrichten aus der „Neuen Welt“ verfolgt, die vom neuen US-Präsidenten Donald Trump geprägt sind, wird sich zunächst vielleicht verwundert die Augen reiben: Ausgerechnet in Zeiten wie diesen wird das wohl wichtigste Staatssymbol erstmals auf einer offiziellen Münze der USA von einer Afroamerikanerin geprägt! Das ausdrucksvolle, nach links gewandte Porträt der „Black Liberty“ mit Sternenkrone auf den zum Knoten gebundenen Rastazöpfen ziert eine 100-Dollar-Prägung aus einer Unze reinstem 999,9er Gold. Es ist die erste Hochreliefmünze in der höchsten Prägequalität „Proof“ (Polierte Platte), die jemals von den USA ausgegeben wurde. Und sie bildet den Auftakt zu einer neuen Serie, die in zweijährlichem Rhythmus der kulturellen und ethnischen Vielfalt des Landes nachspürt. So sind für die Zukunft Darstellungen von indianischen, hispanischen und asiatischen Freiheitsallegorien geplant. Beschlossen wurde die Münzreihe übrigens noch unter Präsident Barack Obama.

Die Bildseite der Anfang April erschienenen Erstausgabe wurde von dem Designer Justin Kunz gestaltet, der damit, so die US-Mint in einer Mitteilung, „einen modernen Klassiker“ geschaffen hat, mit dem das Gründungsprinzip des Staates, dass alle Menschen gleich sind, auf moderne  Weise interpretiert wird. Das aktuelle 225. Jubiläum der US-Mint wird dabei nicht nur in den aufgeprägten Jahreszahlen „1792–2017“ gewürdigt, sondern zusätzlich auf dem ansonsten glatten Münzrand. Dort prangt mehrfach unübersehbar die Jubiläumsinschrift: *225th ANNIVERSARY*. Die Münzrückseite mit dem nach rechts fliegenden Wappenadler stammt vom Künstler Chris Costello.

225 Jahre Münzprägung der USA

Als die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wenige Jahre nach ihrer Gründung mit der offiziellen Herausgabe von eigenen Münzen beginnen wollte, wurde hierfür 1792 in der damaligen Hauptstadt Philadelphia die erste staatliche Prägestätte eingerichtet. Mit der Expansion der Union und dem damit einhergehenden Bevölkerungswachstum stieg auch der Bedarf an Hartgeld. Im 19. Jahrhundert entstanden so, auch unter dem Eindruck lokaler Goldfunde, zunächst zusätzliche Prägestätten in Charlotte, Dahlonega, New Orleans und San Francisco. In den Jahren 1870 bzw. 1904 kamen Carson City und Denver hinzu. Davon sind heute noch die Prägestätten Denver, Philadelphia und San Francisco in Betrieb, sowie seit 1988 West Point, wo jetzt auch die 100-Dollar-Goldmünze mit dem Prägebuchstaben „W“ gefertigt wurde.

Die altehrwürdige erste Prägestätte der USA, die Philadelphia Mint mit Münzbuchstabe „P“, umfasst heute ein breites Aufgabenspektrum. Sie ist vor allem auf den Entwurf, die Herstellung und Gravur von Münzen bzw. Prägestempeln spezialisiert, weshalb dort auch das nationale Spitzenteam an Münzdesignern und -graveuren beschäftigt ist. So auch Phebe Hemphill und Michael Gaudioso, die die Reliefs der „Black Liberty“-Goldmünze gravierten.

Traditionelles Freiheitsmotiv

Die Ausgabe von Münzen mit „Liberty“-Motiv – vom 1-Cent-Stück bis zur schweren Goldprägung – hat in den USA eine Tradition, die fast ebenso alt ist wie die die Geschichte der Münzprägung in diesem Land selbst: Seit 1793 ziert die Freiheitsallegorie US-Münzen. Die römische Göttin Libertas ist dabei das historische Vorbild, das ursprünglich von Briten und Franzosen als klassisch inspirierter Wert der Aufklärung in die Vereinigten Staaten getragen wurde. So begrüßt die Freiheitsstatue im Hafen von New York – ein Geschenk Frankreichs – seit mehr als 130 Jahren Einwanderer aus der ganzen Welt und wurde zum vielleicht bekanntesten Freiheitssymbol überhaupt. Und als „Liberty Head“ (Kopf der Freiheitsgöttin), als sitzende oder stehende Lady Liberty prägt sie seit über zwei Jahrhunderten in unzähligen Varianten zusammen mit dem Adler auf der Wappenseite die schönsten Münzen der USA. 2017 ist mit der „Black Liberty“ ein neues Schmuckstück hinzugekommen.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai/Juni 2017.

Die erste US-Goldmünze, die die Freiheitsgöttin „Liberty“ mit afroamerikanischen Gesichtszügen darstellt, gibt es 2017 anlässlich des 225-jährigen Bestehens der United States Mint (siehe Randschrift). Zur aufwendigen Präsentationsverpackung gehört auch ein kleiner Bildband zur Geschichte der „American Liberty“.

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