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Mediterranes Design für die deutsche 5-Euro-Gedenkmünze 2018

Die Subtropen leuchten Orange

Fast genau ein Jahr vor Erscheinen wurde im April bereits das Design für die Polymerring-Münze 2018 vorgestellt: Die „Subtropische Zone“ mit orangem Ring zeigt eine mediterrane Landschaftsszene, die für diese Klimazone typisch ist..

Um den Prägestätten genügend zeitlichen Vorlauf zu geben, wurde der Gestaltungswettbewerb für die nächstjährige 5-Euro-Gedenkmünze mit Polymerring bereits im Frühjahr 2017 durchgeführt. Ende April hat das Bundeskabinett dann darüber beraten und folgte der Empfehlung des Preisgerichts, einen Entwurf des Malers und Bildhauers Patrick Niesel aus Nürnberg als Münze zu prägen. Das Motiv zeigt symbolisch für die Subtropische Zone eine karge Mittelmeerlandschaft mit Ziegen und einem knorrigen Olivenbaum mit typischer Schirmkrone. Ohne verwechselbar zu sein, lehnt sich das Motiv an die Bildsprache der 2017er Tropen-Ausgabe an und betont so den Seriencharakter des „Klimazonen“-Programms.

1. Preis: Patrick Niesel

Das Preisgericht urteilte: „Das Thema der winterfeuchten Subtropen mit einem mediterranen Klima wurde durch diesen Entwurf auf überzeugende Art und Weise umgesetzt. Die für diese Klimazone typische Flora und Fauna, wie die domestizierten Ziegen und der oft von ihnen gestaltete macchieartige Charakter der Strauchlandschaft, werden zutreffend abgebildet. Der orangefarbene Ring fokussiert dabei auf eine typische mediterrane Weideszene mit einer Verbindung aus Küste und Meer. Der im Mittelpunkt stehende Baum steht stellvertretend für viele Arten mit einer Schirmkrone, die in dieser Klimazone vorherrschen.“

Der Seriencharakter wird auch deutlich durch die einheitliche Wertseite der Münzreihe „Klimazonen der Erde“. Es handelt sich dabei um das Relief, das von Stefanie Radtke aus Leipzig für die Erstausgabe 2017 geschaffen wurde. Innerhalb des Farbrings findet sich die – so die Jury – „würdige Adlerdarstellung“ samt Jahreszahl und Prägebuchstaben. Auf dem äußeren Metallring stehen die Länderkennung „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“, die obligatorischen zwölf Europasterne, Nennwert und Währungsangabe. Gestalterische Besonderheit: Die Landesbezeichnung wurde nicht mittig unten angeordnet, um die Spannung gegenüber dem symmetrischen Adler zu erhöhen. Dies hat Patrick Niesel bei seinem neuen Bildseitenentwurf berücksichtigt, indem er die Umschrift mit dem Ausgabethema (deren Typografie vorgegeben war) ebenfalls um einige Grad nach links verdreht und die Baumkrone entsprechend angeordnet hat. Das Preisgericht versäumte nicht, diese Finesse lobend zu erwähnen: „Der Künstler vermochte es, den erzählerischen Charakter der ersten Münze der Serie Klimazonen der Erde – Tropische Zone – aufzunehmen und die Adlerseite harmonisch einzubinden.“

2. Preis: Claudius Riedmiller

Der zweite Preis ging an Claudius Riedmiller aus Stuttgart, der auch schon beim Wettbewerb „Tropische Zone“ Platz 2 belegt hatte. Damals wie jetzt setzte der Designer und Graveurmeister auf ein stark minimalisiertes Motiv, bei dem – Pars pro Toto – typische Details für das Ganze stehen. Diesmal wählte er einen Olivenzweig, der das subtropische Klima verkörpert. Das Preisgericht war von der Arbeit durchaus angetan und befand: „Der stark reduzierte abstrahierende Entwurf zeigt einen stilisierten Olivenzweig und im Hintergrund eine typische Hügellandschaft mit Zypressen als Symbole für den Mittelmeerraum. Die sehr klare Komposition wurde auf einem künstlerisch und handwerklich sehr hohen Niveau umgesetzt.“ Die Jury würdigte insbesondere „den entschiedenen Entwurf und die sehr feine, plastische Gestaltung in ihrer signethaften Formensprache.“

3. Preis: Holger Friedrich

Der dritte Preisträger, Holger Friedrich aus Berlin, versuchte ebenfalls mit einer Collage typischer Details das subtropische Mittelmeerklima einzufangen. Auch hier steht unter anderem ein Olivenzweig für die Flora, aber zusätzlich eine Schildkröte für die mediterrane Fauna. Die Jury interpretierte das Motiv folgendermaßen: „Die griechische Landschildkröte in der Rückansicht weist den Blick des Betrachters vom Vordergrund in die Tiefe des Raumes der subtropischen mediterranen Zone mit Küstensaum, Meer, Inseln und landschaftstypischer Vegetation. Links im Feld ragt ein Zweig in das Münzrund, im Hintergrund sind Pinie und Zypressen zu erkennen. Die Schildkröte erinnert wie ein Zitat an die ältesten griechischen Münzen, Prägungen, die bereits im 6. Jh. v. Chr. auf der vor Athen gelegenen Insel Ägina geprägt wurden.“ Kritisiert wird dagegen, dass der orange Kunststoffring hier nicht genutzt wird, um das Motiv zu gliedern oder zu ergänzen, wie das ideal als „blaue Atmosphäre“ bei der Erstausgabe „Planet Erde“ der Fall war. Im Preisgerichtsurteil hört sich das so an: „Die insgesamt gelungene Arbeit hat darauf verzichtet, die Möglichkeiten zu nutzen, die der farbige Polymerring als Gestaltungselement bietet.“


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Juli/August 2017.



1. Preis im Gestaltungswettbewerb: Eine karge Mittelmeerlandschaft mit Ziegen und einem Olivenbaum ist das Motiv der neuen Münze, das von Patrick Niesel aus Nürnberg gestaltet wurde.



Der abstrahierende und stark reduzierte Entwurf von Claudius Riedmiller (oben) und Holger Friedrichs Collage mit Olivenzweig und Schildkröte (darunter) kamen auf Platz 2 und 3.

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