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Gedenkmünzen mit farbig-transparentem Polymerring

Run auf die 5-Euro-Münze „Tropische Zone“

Die Erstausgabe der 5-Euro-Serie „Klimazonen der Erde“ sorgt weiterhin für Furore. Noch während die „Tropische Zone“ mit rotem Polymerring bei der Bundesbank mit viel Geduld zum Nennwert zu bekommen war, explodierten die Preise im Handel.

Ganz Deutschland ist wieder im Sammelfieber! Objekt der Begierde ist die neue 5-Euro-Münze „Tropische Zone“, die am 27. April 2017 ihren Erstausgabetag hatte. Bei den Münzhändlern liefen die Telefondrähte heiß, Online-Plattformen im Internet meldeten Besucherrekorde und die wenigen Banken und Sparkassen, die das Stück abgaben, versuchten sich schon kurz nach Schalteröffnung mit „Ausverkauft“-Schildern an den Eingangstüren des Ansturms zu erwehren. Die Sparkasse Jena etwa meldete: „Unser Kontingent von der Bundesbank war innerhalb einer Stunde an allen Kassen ausverkauft.“

Warteschlange am Erstausgabetag der 5-Euro-Gedenkmünze vor der Bundesbankfiliale in Stuttgart.

Die besten Chancen, eine der begehrten Münzen zum Nennwert zu bekommen, bot die Deutsche Bundesbank. Vor deren Filialen bildeten sich deshalb, wie schon im Vorjahr bei der Weltpremiere von „Blauer Planet Erde“, lange Menschenschlangen. Alle wollten die neue Ausgabe mit dem lichtdurchlässigen Polymerring haben, der diesmal rot leuchtet. Allerdings wurde vielerorts das Vorhaben zur Geduldsprobe, denn Wartezeiten von zwei und mehr Stunden waren keine Seltenheit. Und wer es bis an die Ausgabeschalter geschafft hatte, musste sich mit einer einzigen Münze begnügen. Darauf machten schon in den Eingangsbereichen der Filialen große Plakate aufmerksam: „Wegen der großen Nachfrage ist die Abgabemenge festgelegt auf ein Stück pro Person und Tag.“ Vorsorglich gab es noch den Hinweis: „Vollmachten können bei der Münzabgabe nicht anerkannt werden.“ Das zielte auf all jene, die mit schriftlichen Aufträgen von Sammlerfreuden oder Verwandten ankamen, um gleich mehrere Stücke zu ergattern.

In Stuttgart hielt sich bei der Bundesbankfiliale der Andrang am Vormittag des 27. April noch in Grenzen: Rund eine halbe Stunde Wartezeit wurde mit der begehrten Münze belohnt. Anderes berichteten die Münzfreunde in den entsprechenden Internetforen oder beispielsweise über „Twitter“, wo jeder Teilnehmer per Smartphone telegrammartige Nachrichten verbreiten kann.

„Twitter-Reporter“ unterwegs

So twittert etwa Dirk aus Berlin am 27. April über seine Erlebnisse am Erstausgabetag der 5-Euro-Münze „Tropische Zone“: „5 Euro sehr begehrt. Schlange vor dem Haus, Block runter um die Ecke noch 100 Meter.“ Dazu gibt es ein Foto der Bundesbankfiliale in Berlin: Eine Menschenschlange umgibt das neungeschossige Eckgebäude an der Leibnitz-/Bismarckstraße in Charlottenburg. Dirks weitere Tweets: „Bisher 40 Minuten. Die erste Straßenecke ist geschafft.“ Dann: „Bisher 90 Minuten. Eingang in Sicht.“ Und schließlich die Erfolgsmeldung, zusammen mit einem Bild von der soeben ergatterten Münze: „2 Stunden 10 Minuten Wartezeit für Tropische Zone.“

Aus Bochum schreibt „Pottblog“: „Schlange bis zur Straße an der Bundesbank-Filiale in Bochum. Grund: Neue 5-Euro-Sammlermünze mit rotem Innenring.“ Und „Axaneco“: „Vor der Bundesbank in Hamburg sieht’s heute aus wie 1985 in Wismar, als es Bananen und Papiertaschentücher gab.“

Auch das „Hamburger Abendblatt“ war vor Ort: „Ungewöhnlich lange Schlangen am Eingang der Hauptverwaltung der Bundesbank in Hamburg: Denn seit Öffnung der Kassenschalter um 8.30 Uhr an diesem Donnerstag wird dort die neue 5-Euro-Münze mit rotem Polymerring verkauft. Der Ausgabepreis liegt bei fünf Euro. Die ersten Kunden haben sich schon um 5.30 Uhr angestellt.“

Medien berichten live

Über „Chemnitz im Geldrausch“ berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk und zeigt auf seiner Internetseite ein Foto mit der Bildunterschrift: „Lange Schlangen vor der Bundesbankfiliale. Das gab es das letzte Mal zur Währungsunion.“ Die Radiostation „Antenne Thüringen“ kurz und knapp: „Erfurt steht Schlange!“ Und die Tageszeitung „Die Welt“: „Hype um die Fünf-Euro-Münze mit dem roten Ring: Ob Frankfurt, Bochum oder Berlin, vor den Filialen der Deutschen Bundesbank bildeten sich am Donnerstagmorgen lange Schlangen. Münzfreunde aus nah und fern waren angereist, um unter den Ersten zu sein, die ein Exemplar der neuen Fünf-Euro-Münze in Händen halten.“

Das Online-Newsportal „Der Westen“: „Riesen-Schlange in Essen! Sammler campierten ab 5 Uhr morgens vor der Bundesbank.“ Und das sächsische Pendant „Tag24“: „Steht man im Osten jetzt wieder für Bananen an? Hunderte Menschen warteten am Donnerstagmorgen geduldig vor der Deutschen Bundesbank auf der Karl-Liebknecht-Straße. Aber worauf? Auf Geld! Denn am Donnerstag wurde die neue 5-Euro-Sammlermünze ,Tropische Zone’ herausgegeben.“

Der „Donaukurier“ aus Ingolstadt: „In wenigen Stunden war sie weg: Die Kunden von Sparkassen und Banken in Neuburg griffen bei der neuen Fünf-Euro-Münze entschlossen zu. Der Run war ähnlich wie bei der Premiere 2016.“

Für viele Sammler enttäuschend war allerdings, dass es bei der Bundesbank oft nicht die gewünschten „Heimat“-Prägezeichen gab. So erwarteten die Käufer in der baden-württembergischen Landeshauptstadt (natürlich) das Prägezeichen „F“ für Stuttgart zu bekommen. Und was gab’s? München „D“! Der Grund: Der Münzhandel wurde, anders als noch 2016, offenbar ausschließlich mit den Münzzeichen „F“ und „G“ beliefert, was zur Folge hatte, dass für die Einzelabgabe an Privatleute diese Prägebuchstaben nicht mehr zur Verfügung standen.

Ärger mit der Prägezeichen-Verteilung

Eine weitere, für viele Sammler noch ärgerlichere Folge war, dass bereits reservierte Fünfersets mit allen Prägezeichen (A, D, F, G, J) vom Handel nicht geliefert werden konnten. Dies wiegt bei der 5-Euro-Münze umso schwerer, als hier die Prägestätten-Varianten bekanntlich auch noch durch jeweils unterschiedliche Rottöne des Polymerrings variieren und deshalb für Komplettsammler praktisch unverzichtbar sind. So musste der Handel versuchen, die fehlenden Prägezeichen auf dem Zweitmarkt zu beschaffen, was aufwendig und teuer ist.

Hype um die Polymerring-Ausgaben

Wie bereits berichtet, wurde die neue 5-Euro-Gedenkmünze von Stefanie Radtke aus Leipzig gestaltet, die mit dem 1. Preis im Designwettbewerb ausgezeichnet worden war. Das Bildmotiv ist fast ausschließlich auf die Fläche innerhalb des roten Rings beschränkt und zeigt einen Papagei im Flug über den, wie mit einem starken Weitwinkelobjektiv aufgenommenen, Kronen von Urwaldbäumen. Auf dem äußeren Metallring ist neben ein paar kleinen Vogeldarstellungen und einem Teil des Ara-Flügels (der auch den roten Ring überprägt) das Ausgabethema zu finden: „TROPISCHE ZONE“. Der Serientitel „KLIMAZONEN DER ERDE“ dagegen befindet sich auf dem Münzrand.

Die offizielle Präsentation der Münzneuheit fand anlässlich der World Money Fair in Berlin Anfang Februar statt. Zu kaufen gab es die Münze zwar auf der Messe noch nicht, aber die Vorstellung markierte gleichzeitig den Reservierungsstart für die „Spiegelglanz“-Ausgabe. So wurden auf der Berliner Münzenmesse schriftliche Orders entgegengenommen und auf der amtlichen Internetseite Bestellmöglichkeiten freigeschaltet – mit der Folge, dass wegen der hohen Zahl der Zugriffe das Computernetz der Verkaufsstelle kollabierte und die Website für Stunden nicht erreichbar war. Wer es nach der Messe am Montag nochmals probierte, war bereits zu spät dran. Es erschien unter dem elektronischen Bestellformular nur noch die lapidare Zeile: „Aufgrund der hohen Nachfrage ist die 5-Euro-Sammlermünze ‚Tropische Zone‘ in der Prägequalität ‚Spiegelglanz‘ nicht mehr bestellbar.“ Die – gegenüber 2016 bereits um 20 Prozent erhöhte – Gesamtauflage in „Spiegelglanz“ von 300.000 Exemplaren war nach drei Tagen komplett ausverkauft!

Die mangelnde Verfügbarkeit hat aber auch seine Vorteile und trägt ein Gutteil zum Hype um diese Münze bei: Der „Blaue Planet Erde“ stieg binnen weniger Monate im Jahr 2016 um das Acht- bis Zehnfache im Wert und bescherte so seinen Besitzern – zumindest auf dem Papier – einen ordentlichen Gewinn. Das gleiche gilt für die „Tropische Zone“, deren Vorverkaufspreis schon vor dem Erstausgabetag in astronomische Höhen schnellte und die bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe Ende Mai mit der Vorgängermünze im Wert schon beinahe gleichzog.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Juli/August 2017.


5-Euro-Gedenkmünze "Tropische Zone" 2017.


Bundesbankfiliale in Stuttgart: Plakate informierten die Besucher schon am Eingang, dass nur eine Münze pro Person und Tag abgegeben wird.


Bayerns Finanzminister Dr. Markus Söder und Umweltministerin Ulrike Scharf bei der Präsentation der „Tropischen Zone“ im Bayerischen Hauptmünzamt in München: „Die neue Münze ist Klimaschutz zum Anfassen.“ Foto: Bayerisches Staatsministerium der Finanzen

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