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Weitere 20-Euro-Silbermünze für 2018

275 Jahre Gewandhausorchester

Das weltweit größte Berufsorchester feiert 2018 Jubiläum: Das Leipziger Gewandhausorchester wird 275 Jahre alt. Eine 20-Euro-Gedenkmünze würdigt das Ereignis.

Es war im Jahr 1743, als eine Gruppe musikbegeisterter Adliger und Bürger Leipzigs erste Konzertgesellschaft gründeten. Die von ihr veranstalteten „Großen Musicalischen Concerte“ fanden zunächst in Bürgerhäusern statt und dann 30 Jahre im Saal des Gasthauses „Drei Schwanen“. Schließlich bezog das mittlerweile auf 32 Mann angewachsene Ensemble 1781 eine eigene Spielstätte im repräsentativ umgebauten Dachgeschoss des Gewandhauses, der Gewerbehalle der Tuchmacher. Dieses Gebäude, das den neuen Konzertsaal beherbergte, gab dem Orchester auch seinen Namen. 1840 wurde das Gewandhausorchester als Stadtorchester anerkannt und fungiert seither als Opern-, Konzert- und Kirchenorchester unter anderem zur Begleitung des berühmten Leipziger Thomanerchors.

Zahlreiche musikalische Meisterwerke wurden in Leipzig uraufgeführt und Musiklegenden wie Mozart, Liszt oder Chopin gaben sich im Alten Gewandhaus die Ehre. Die Liste der Chefdirigenten, die traditionell den Titel „Gewandhauskapellmeister“ tragen, liest sich wie ein Who’s who der neueren Musikgeschichte: Felix Mendelssohn-Bartholdy, Wilhelm Furtwängler, Kurt Masur... Letzterer war es auch, dessen großem Engagement es zu verdanken ist, dass mit dem Neuen Gewandhaus in Leipzig 1981 der einzige Konzerthausneubau der gesamten DDR errichtet wurde. Er ist seither Sitz des Berufsorchesters mit heute rund 185 Musikern.

Eine Auswahl herausragender Komponisten, Dirigenten und Musiker, die die Geschichte des Gewandhausorchesters prägten, findet sich auch auf der 20-Euro-Silbermünze wieder, die aus Anlass des 275-jährigen Jubiläums im März 2018 erscheint. Die Lettern der Namen von Johannes Brahms bis Richard Wagner sind halbkreisförmig wie stilisierte Sitze eines Amphitheaters angeordnet und bilden den Hintergrund für die Hände eines Dirigenten samt Taktstock. Davor, auf der Bühne gewissermaßen, steht das 2015 leicht modifizierte Tschörtnersche Logo des Gewandhausorchesters mit dem Zusatz „275 Jahre“.

1. Preis: Lucia Maria Hardegen

Geschaffen wurde der Entwurf von Lucia Maria Hardegen aus Bonn, die damit den 1. Preis im Gestaltungswettbewerb gewann. Das Preisgericht dazu: „Im Zentrum des Entwurfs steht der Auftakt zum bevorstehenden auditiven Ereignis. Zwei Hände dirigieren mit einem Stab, der zum Index der künstlerischen Vielfalt des Gewandhausorchesters gerät.“

Der Satz des römischen Philosophen Seneca „Res severa verum gaudium“ (Wahre Freude ist eine ernste Sache), der schon 1781 an der Stirnseite des damaligen Konzertsaals prangte und heute am Orgelprospekt im Großen Saal angebracht ist, wurde zum Leitspruch des Gewandhausorchesters und bildet jetzt die Randschrift der Jubiläumsmünze.

2. Preis: Jordi Truxa

Im Mittelpunkt des Münzentwurfs von Jordi Truxa aus Neuenhagen steht die Jubiläumsaufschrift „275 Jahre Gewandhaus Orchester“, wobei die Ziffern groß hervorgehoben sind. Harmonisch eingerahmt ist dieser Text von Taktstock und Dirigentenhänden, die von rechts in das Bildmotiv greifen. Die Jury lobt: „Der elegante, ausgewogene Entwurf überzeugt durch seine leichte, gut proportionierte Schriftgestaltung.“ Originell ist der Bundesadler auf der Wertseite, dessen Gefieder streng vertikal angeordnet ist – wie die Pfeifen der Gewandhaus-Konzertorgel.

3. Preis: Frantisek Chochola

Frantisek Chochola, Hamburger Altmeister unter Deutschlands Münzgestaltern, belegte mit seiner Arbeit Platz 3 im Gestaltungswettbewerb. Er stellte das offizielle Jubiläums-Logo der Leipziger ins Zentrum seines Münzmotivs, den Hintergrund bilden Musiknoten. Aber nicht etwa eine Phantasiekomposition, sondern – wie die Jury mit Kennerblick feststellte – einen Auszug der im Gewandhaus 1842 uraufgeführten Schottischen Sinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der damals als amtierender Gewandhauskapellmeister gleich selbst dirigierte. Insgesamt würdigte das Preisgericht die „feine Ornamentik des Notenbildes, das die gesamte Fläche des Münzrundes einnimmt“ und „die Kombination aus Schrift und Grafik, die auf die lange Tradition des Orchesters hinweist.“

Spezifikationen: „275 Jahre Gewandhausorchester“, 2018, 20 Euro, Silber 925/1000, 18 g, 32,5 mm, Prägestätte Karlsruhe (G), Auflagen in Stempelglanz und Spiegelglanz werden noch bekanntgegeben.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September/Oktober 2017.

Siegerentwurf von Lucia Maria Hardegen: Namen von Musikerlegenden als Hintergrund für Dirigentenhände mit Taktstock.

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