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Luthergedenkstätten Eisleben und Wittenberg

500 Jahre Reformation

Pünktlich zum großen Kirchenjubiläum „500 Jahre Reformation“ erscheint im Oktober die diesjährige deutsche 100-Euro-Goldmünze. Sie würdigt die unter dem Schutz des UNESCO-Welterbes stehenden Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg.

Der große Gold-Euro im Gewicht einer halben Unze gilt nach wie vor als jährliches Highlight des Münzausgabeprogramms der Bundesrepublik. Seit der Einführung des Euro vor 15 Jahren begleitet diese stattliche, 28 Millimeter große Goldmünze die Sammler und ist bis auf zwei Ausnahmen (2002 zur Währungsunion und 2005 zur Fußball-WM) den UNESCO-Welterbestätten in Deutschland gewidmet.

2017 gilt sie – passend zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation – den unter internationalem Schutz stehenden Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg. Insgesamt sechs Gebäude in den beiden sachsen-anhaltinischen Städten wurden 1996 von der UNESCO zum Kulturerbe der Menschheit erklärt, da sie „einen bedeutsamen Abschnitt in der menschlichen Geschichte repräsentieren und als authentische Schauplätze der Reformation von außergewöhnlicher universeller Bedeutung sind“, heißt es in der Begründung der Bildungs-, Wissenschafts- und Kultur-Organisation der Vereinten Nationen.

Steinerne Zeugen der historischen Ereignisse

• Geburtshaus und Sterbehaus in Eisleben stehen für die Eckdaten von Luthers Leben. Die beiden Häuser sind auch Denkmale bürgerlicher Lebensweise zur Zeit der Reformation und damit Zeugnisse für die soziale und geistige Basis der historischen Ereignisse. Das Geburtshaus beherbergte in dem sogenannten „Schönen Saal“ bereits 1693 eine Gedenkstätte und gilt als eines der ältesten Geschichtsmuseen im deutschsprachigen Raum.

• Das Lutherhaus in Wittenberg war über 40 Jahre lang Wohn- und Arbeitsstätte des Reformators. Hier entstanden seine wichtigsten Werke. In das Auditorium des Hauses strömten die Studenten zu den Vorlesungen des Reformators, die Lutherstube war der Ort der „Tischgespräche“. Schon im 16. Jahrhundert galt sie als hochgeachtete Gedächtnisstätte und blieb von jeder Nutzung des Lutherhauses unberührt.

• Das Wittenberger Melanchtonhaus ist fast unverändert erhalten. Mit dem Studierzimmer des Hauses, in dem der Philosoph und Theologe Philipp Melanchton 24 Jahre lebte und in dem er am 19. April 1560 verstarb, bleibt eine wichtige Erinnerungsstätte bewahrt. Melanchthon war als Reformator neben Martin Luther eine treibende Kraft der kirchenpolitischen Erneuerungsbewegung und wurde auch „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) genannt.

• Die Stadtkirche Wittenberg, an der Luther über 30 Jahre predigte, war ein Hauptschauplatz des Reformationsgeschehens, wo er auch die neuen Gottesdienstformen einführte. Sie war aber zugleich ein Schauplatz der Radikalisierung reformerischer Tendenzen, unter anderem des Bildersturms vom 6. Februar 1522. Die Stadtkirche wurde nach Luthers Tod in ihrer Bausubstanz kaum verändert.

• Am Portal der Schlosskirche schlug Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an. Bedeutung hat die Schlosskirche auch als Begräbnisstätte Luthers und Melanchtons. Ebenso sind Kurfürst Friedrich der Weise und dessen Nachfolger Kurfürst Johann der Beständige hier beigesetzt. Die Schlosskirche ist auch ein Zeuge der wilhelminischen Kirchenpolitik, die dieses Denkmal als Ort nationaler Geschichte beanspruchte. Ihre Restaurierung ist ein Musterbeispiel für die Entwicklung der Denkmalpflege im 19. Jahrhundert, denn der Zustand der Schlosskirche hat sich seither kaum mehr verändert.

Sieger im Münzwettbewerb: Bastian Prillwitz

All diese Bauwerke spannungsreich und wiedererkennbar auf dem kleinen Rund einer Münze unterzubringen, war kein leichtes Unterfangen und am ehesten in Form einer Collage zu realisieren – wozu sich auch alle zwölf am Gestaltungswettbewerb teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler entschlossen.

Als gelungenste Komposition wurde am Ende eine Arbeit von Bastian Prillwitz aus Berlin mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Sie zeigt gestaffelt die sechs UNESCO-Welterbestätten mit den Eisleber Denkmalen im Vordergrund und dem Lutherhaus im Zentrum. Eine besondere Tiefe erhält das Motiv durch perspektivisch dargestellte Wege, die zu den Gebäuden führen und auf denen Spaziergänger flanieren. Diese „Menschen von heute“ würden dadurch „zur Betrachtung und zur Beschäftigung mit dem Erbe eingeladen“, so die Wettbewerbsjury. In höchsten Tönen wird auch die handwerkliche Ausführung gelobt: „Jede einzelne Stätte ist in hochgradiger Detaillierung und beeindruckender Plastizität dargestellt.“

Die 15,5 Gramm schwere Gedenkmünze aus reinstem 999,9er Gold erscheint am 2. Oktober 2017 in einer begrenzten Auflage von 150.000 Exemplaren. Hergestellt wird sie zu gleichen Teilen in allen fünf staatlichen Prägestätten der Bundesrepublik Deutschland. Pro Prägebuchstabe (A, D, F, G und J) kommen also nur 30.000 Münzen in Umlauf.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September/Oktober 2017.

UNESCO-Welterbe „Luthergedenkstätten Eisleben und Wittenberg" auf neuer 100-Euro-Gedenkmünze aus einer halben Unze reinem Gold.

Erstprägung in Stuttgart

Für Dr. Stefan Rhein, den Vorstand und Direktor der Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, war der 27. Juli ein guter Tag, konnte er doch wieder einmal seine Geburtsstadt Stuttgart besuchen und gleichzeitig die Erstprägung der 100-Euro-Goldmünze „Luthergedenkstätten Eisleben und Wittenberg“ vornehmen. Als „Botschafter der Reformation“ rühmte er das Goldstück, auf das sich „400 Millionen Protestanten freuen“ – und natürlich auch katholische Schwaben wie er selbst. Gemeinsam mit Staatssekretärin Gisela Splett vom baden-württembergischen Finanzministerium, dem der Landesbetrieb „Staatliche Münzen Baden-Württemberg“ unterstellt ist, und dem neuen Beauftragten für das Münzwesen beim Bundesverwaltungsamt, Dr. Thomas Dress, durfte er unter den Augen des Hausherrn Dr. Peter Huber den Startknopf der riesigen Spiegelglanzpresse drücken. Mit einer Kraft von 180 Tonnen prallten die Prägestempel auf den Münzrohling in ihrer Mitte und verwandelten so das 1/2 Unze schwere Goldplättchen in eine begehrenswerte Gedenkmünze.

Foto von links:  Dr. Thomas Dress, Münzbeauftragter des Bundes, Dr. Stefan Rhein, Direktor Luthergedenkstätten, Finanzstaatssekretärin Gisela Splett und Münzleiter Dr. Peter Huber.

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