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Editorial September/Oktober 2017

Werden die 1- und 2-Cent-Münzen abgeschafft?

Geht es dem Bargeld an den Kragen? Werden die Menschen im Supermarkt künftig nur noch mit Kreditkarten oder ihrem Smartphone zahlen? Anzeichen für ein solches Szenario gibt es tatsächlich. Barzahlen ist in Deutschland zwar immer noch mit Abstand die beliebteste Art, eine Rechnung zu begleichen – allerdings mit abnehmender Tendenz. Überdies ist ein Schwund unserer Zahlungsmittel-Vielfalt am oberen und unteren Ende zu beobachten. Der größte Geldschein, die 500-Euro-Banknote, wird Ende 2018 abgeschafft, und auch die kleinsten Umlaufnominale sind gefährdet.

Der jüngste Vorstoß in diese Richtung kam im Frühsommer aus Italien. Zum 1. Januar 2018 will das Land keine neuen 1- und 2-Cent-Münzen mehr prägen. Die kleinsten Geldstücke der Eurozone sollen abgeschafft werden, entschied die Abgeordnetenkammer in Rom. Stattdessen soll in Zukunft auf den jeweils nächsten 5-Cent-Betrag gerundet werden. Damit entspricht die Regierung des südeuropäischen Landes der Auffassung vieler Verbraucher, die das „Klimpergeld“ ohnehin für überflüssig halten, weil es das Portemonnaie verstopfe und zu Schlangen an der Ladenkasse führe. Auch Finnland, die Niederlande, Belgien und Irland haben sich bereits zu diesem Schritt entschlossen. Wobei die 1- und 2-Cent-Münzen auch dort gesetzliches Zahlungsmittel bleiben, denn eine Abschaffung kann nur auf europäischer Ebene beschlossen werden. Legt nur ein Land sein Veto ein, scheitert das Vorhaben.

Selbst wenn die Produktionskosten für das 1-Cent-Stück höher sind als der Nennwert der Münze, halten die meisten Euro-Staaten an den kupferfarbenen Umlaufmünzen fest. Allen voran Deutschland, dessen Bürger nach dem Motto „wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ mehrheitlich ein durchaus positives Verhältnis zu den Kleinstmünzen haben. Auch das Bundesfinanzministerium zeigt klare Kante: Es gebe „derzeit keine Überlegungen zur Abschaffung der Kleinmünzen oder zur Einführung nationaler Rundungsregeln.“

So beschreitet man hierzulande derzeit andere Wege: Beginnend mit der 2-Cent-Münze wurden Tests unternommen, die Prägekosten zu minimieren. Zum Jahrgang 2016 hat die Münzstätte Karlsruhe (G) das Motiv leicht verändert, sodass die Reliefbestandteile besser über die Fläche verteilt sind und sich deshalb die Prägestempel nicht so schnell abnutzen (siehe Leserforum Seite 60). Offenbar waren die Versuche so vielversprechend, dass ab 2017 alle deutschen 2-Cent-Münzen nach dem neuen, kostensparenden Muster geprägt werden.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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