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Abwechslungsreiche Motive und zwei Deutschlandpremieren

2017 – ein guter Jahrgang

Deutschlands Münzjahrgang 2017 ist abgeschlossen. Die Sammler freuten sich über abwechslungsreiche Motive und zwei Premieren: den Start der neuen Polymer-Reihe „Klimazonen der Erde“ und die erste deutsche 50-Euro-Goldmünze.

Die 20-Euro-Silbermünze mit Porträt von Johann Joachim Winckelmann beschloss am 12. Oktober den Gedenkmünzen-Jahrgang 2017 der Bundesrepublik Deutschland. Die letzte numismatische Ehrung des Jahres galt dem 300. Geburtstag des Begründers der wissenschaftlichen Archäologie – das klassisch-antike Profil auf der Münze passt also perfekt zum Thema. Damit ist ein Jahresprogramm komplett, das gleich zwei Premieren bot: die erste Viertelunzen-Goldmünze der Bundesrepublik und die Erstausgabe der neuen 5-Euro-Serie „Klimazonen der Erde“ mit lichtdurchlässigem Polymerring.

Den Anfang machte anlässlich der World Money Fair in Berlin aber die diesjährige 2-Euro-Gedenkmünze aus der Bundesländer-Serie. Das Motiv zeigt die „Porta Nigra“ in Trier, eine der ganz großen Sehenswürdigkeiten in Rheinland-Pfalz. Weil die Händler die Münzen erst bei der Bundesbankfiliale in Karlsruhe abholen mussten, gingen die Messebesucher am Eröffnungstag leer aus. Finanzministerium und Bundesbank einigten sich deshalb für 2018 auf Ersttage, die für die Besucher der Leitmesse günstiger liegen: Die Märchenmünze „Froschkönig“ und beide für 2018 geplanten 2-Euro-Gedenkmünzen („Schloss Charlottenburg“ und „Helmut Schmidt“) werden so rechtzeitig vorher ausgegeben, dass sie unmittelbar nach der Messeeröffnung am 2.Februar 2018 ab 10 Uhr verfügbar sind.

Begehrt: Deutschlands 20-Euro-Silbermünzen

Die diesjährige 20-Euro-Silberausgabe „Grimms Märchen“ mit den Bremer Stadtmusikanten als Motiv dagegen gab es erst vier Tage nach Ende der Berliner Münzenmesse. Ihr folgte Anfang April die erste von drei deutschen Gedenkmünzen zum Jubiläum des Jahres: „500 Jahre Reformation“ ist der Titel der 20-Euro-Silbermünze. Sie zeigt ein holzschnittartiges Porträt von Martin Luther, halb verdeckt durch einen Faksimile-Ausschnitt seines berühmten Thesenpapiers.

Das (kirchen-) geschichtliche Großereignis erfuhr durch die Bundesregierung außerdem noch zwei numismatische Ehrungen in Gold. Eine davon war die bereits lange angekündigte 100-Euro-Gedenkmünze aus der UNESCO-Kulturerbe-Serie mit dem passenden 2017er Thema „Luthergedenkstätten Eisleben und Wittenberg“. Sie präsentiert insgesamt sechs Gebäude, die 1996 zum Kulturerbe der Menschheit erklärt wurden, weil sie „als authentische Schauplätze der Reformation von außergewöhnlicher universeller Bedeutung sind“, so die UN-Organisation.

Die zweite Goldmünze zum Reformationsjubiläum markierte eine Premiere und stellte eine echte Überraschung dar, war sie doch im ursprünglichen Münzprogramm überhaupt nicht enthalten. Erst wenige Monate vor ihrer Ausgabe wurde die Entscheidung für die erste 50-Euro-Münze Deutschlands publik gemacht. Sie fungiert als Pilot-

projekt für eine neue Serie goldener Viertelunzen mit 7,78 Gramm Gewicht (siehe auch Seite 12). Das Motiv ist so schlicht wie schön: Die „Lutherrose“, das Siegel des Reformators, mit dem dieser seine Schriften kennzeichnete. Die Auflage von 150000 Exemplaren war im Nu ausverkauft und so manch einer erklärte sie schon zu seiner neuen Lieblings-Goldmünze.

Erstmals drei Goldmünzen in einem Jahr

Zusammen mit dem 20-Euro-Stück aus der Serie „Heimische Vögel“ gab es damit erstmals in der Bundesrepublik drei Goldmünzen in einem Jahr! Die mit einer achtel Unze Feingewicht kleinste von ihnen war 2017 dem Pirol gewidmet, einem scheuen, gelb-schwarz gefiederten Vogel, der den schönen Beinamen „Golddrossel“ trägt.

Schließlich komplettieren zwei weitere 20-Euro-Silbermünzen den deutschen Münzjahrgang 2017. Zum einen wurde das 50-jährige Bestehen der Deutschen Sporthilfe mit einem Motiv im Kreis angeordneter Läufer gewürdigt, zum anderen das Jubiläum „200 Jahre Fahrrad“. Dieses Stück zeigt Erfinder Karl Drais auf seiner „Laufmaschine“ von 1817, einem hölzernen Gefährt, das – noch ohne Pedale – erstmals nach dem Zweiradprinzip funktionierte.

Highlight des Jahres: 5 Euro „Tropische Zone“

Die Krone als „Highlight des Jahres“ gebührt allerdings einer Gedenkmünze, die nicht aus Edelmetall ist und auch noch eine ungleich höhere Auflage hat. Die Rede ist von der Erstausgabe der neuen Serie „Klimazonen der Erde“. Sie beerbt eine Weltsensation, die 2016 für Furore sorgte: die erste Münze mit einem lichtdurchlässigen, farbigen Polymerring. Um diese 5-Euro-Münze mit dem in fünf verschiedenen Blautönen leuchtenden Kunststoffring war ein regelrechter Hype entstanden, der Wert vervielfachte sich innerhalb weniger Wochen. Und der Aufwärtstrend hält noch immer an. Der „Blaue Planet Erde“ darf mit Fug und Recht als Ikone der deutschen Münzgeschichte bezeichnet werden.

Ihr nachzueifern, ist schwer. Aber die „Tropische Zone“ zum Start der Klimazonen-Reihe ist tatsächlich ein würdiger Nachfolger. Sie hat den gleichen Nennwert, gleiche Spezifikationen und Auflage in Normalprägung – nur Thema und Ringfarbe sind anders als beim großen Vorbild. Das von einem Papagei über tropischen Urwaldbäumen dominierte Motiv hat jetzt eine millimeterfeine Polymereinlage, die im Gegenlicht rot erstrahlt – je nach Prägestätte in fünf unterschiedlichen Nuancen.

Auch diese Münze war in „Spiegelglanz“ (trotz der um ein Fünftel auf 300000 Exemplare erhöhten Auflage) innerhalb weniger Tage ausverkauft und trat ihren preislichen Höhenflug an. Ebenso in „Stempelglanz“: Wer die Münze zum Nennwert wollte, musste viel Zeit investieren und oft stundenlang bei den Filialen der Bundesbank Schlange stehen, um schließlich ein einziges Exemplar zu bekommen.

Wem das zu aufwendig war, der konnte das Stück natürlich auch mit Aufpreis im Handel beschaffen, wobei es dort große Unterschiede gab. So reichte bei Redaktionsschluss Anfang Oktober 2017 die Preisspanne von knapp unter zehn bis über 30 Euro ­– je nach Anbieter und Prägezeichen.

Schon jetzt blicken alle gespannt auf die nächste Ausgabe mit Polymerring, die im April 2018 erscheint. Wie in unserem Heft 4/2017 bereits ausführlich berichtet, wird diese einen Ring in fünf unterschiedlichen Orangetönen haben und der Subtropischen Zone gewidmet sein. Als sicher gilt bereits heute: Die Erfolgsstory wird weitergehen, denn alle Sammler wollen die auf fünf Jahre angelegte Serie jetzt natürlich komplett besitzen.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2017.

2 Euro "Rheinland-Pfalz"


Das offizielle „20-Euro-Sammlermünzenset“ enthält alle fünf deutschen Silbermünzen des Jahres in höchster Prägequalität „Spiegelglanz“.

50 Euro "Lutherrose"

20 Euro "Pirol"

100 Euro "Luthergedenkstätten"

5 Euro "Tropische Zone"

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