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Dritte 20-Euro-Silbermünze für 2018:

800 Jahre Hansestadt Rostock

Zum 800. Geburtstag der Hansestadt Rostock erscheint im Mai 2018 eine 20-Euro-Silbergedenkmünze. Das Motiv stammt von der Bildhauerin Anne Karen Hentschel aus Bremen.

Am 24, Juni 1218 bestätigte Fürst Heinrich Borwin I. von Mecklenburg Rostock das lübische Stadtrecht. Dieses urkundlich belegte Datum gilt als Geburtstag der Stadt an der Ostseemündung der Warnow. Entstanden war sie aus einer Ansiedlung, die ins 7. Jahrhundert zurückgeht und die von slawischen Kyzzinern „roztoc“ genannt wurde, was soviel bedeutet wie „Auseinanderfließen eines Flusses“.

Aber erst im 12. Jahrhundert entwickelte sich Rostock mit seinem strategisch günstigen Hafen zum bedeutenden Handelsplatz, nachdem deutsche Kaufleute und Handwerker die Gegend bezogen hatten. Der Ort blühte auf und gehörte mit seinen 12.000 Einwohnern zu den ersten und einflussreichsten Hansestädten Ende des 14. Jahrhunderts. Es entstanden große gotische Backsteinkirchen, die erste Universität im Ostseeraum (1419), Klöster, Hospitäler, das Rathaus und Bürgerhäuser, die noch heute das Gesicht der Rostocker Altstadt prägen.

Nach Zerstörung großer Teile der Stadt im Zweiten Weltkrieg begann ab 1946 unter sowjetischer Besatzung der mühevolle Wiederaufbau zum maritimen und urbanen Zentrum Mecklenburgs. Heute ist Rostock mit über 205.000 Einwohnern die einzige Großstadt des Landes Mecklenburg-Vorpommern, auf deren Gemarkung auch der größte deutsche Kreuzfahrthafen in Warnemünde liegt.

800 Jahre nach der Bestätigung des Stadtrechts feiert Rostock nun das runde Jubiläum. Und ganz Deutschland gratuliert – auf numismatische Weise mit einer offiziellen 20-Euro-Gedenkmünze, die am 17. Mai erscheint. Sie zeigt eine Collage mit bekannten Wahrzeichen der Hansestadt wie der Petrikirche, dem Kröpeliner Tor, dem Steintor und dem Rathaus.

1. Preis: Anne Karen Hentschel

Gestaltet wurde die Silbermünze von der Bremer Bildhauerin Anne Karen Hentschel, die auch schon beim Münzwettbewerb „Froschkönig“ erfolgreich war. Von der Jury wurde sie einstimmig mit dem 1. Preis ausgezeichnet. In deren Begründung heißt es: „Der außerordentlich fein gestaltete Entwurf zeigt den Blick über die Hansestadt Rostock hinweg auf das offene Meer, dem die Stadt ihre Geschichte und internationale Einbindung zu verdanken hat.“ Und weiter: „Von der Stadt ausgehende dynamische Linien zeichnen den Horizont, den Vogelflug und die für Rostock bedeutenden Schifffahrts- und Handelsrouten nach. Insgesamt besticht der Entwurf mit seiner Klarheit in der Abstraktion. Dennoch zeigt er ein lebendiges, detailliertes Bild der Stadt.“

2. Preis: Patrick Niesel

Platz 2 im Gestaltungswettbewerb ging an Patrick Niesel aus Schwaig, der die Lage der Hafenstadt an der Ostsee in den Mittelpunkt stellt. Es dominieren ein angeschnittenes Segelschiff und Wellen im Vordergrund, hinter denen sich am Horizont klein die Skyline der Stadt erhebt. Das Preisgericht dazu: „Die Kogge im Vordergrund verweist auf den Beginn der Siedlungsgeschichte der Hansestadt. Der Kontrast zwischen der bewegten und doch klaren Form der Wellen und dem präzis modellierten, fest ruhenden Stadtporträt gibt dem Bild Spannung. Der Entwurf überzeugt durch seine spezifische Perspektive: Entsprechend der historischen Entwicklung von Rostock blickt der Betrachter vom Meer her über die Wellen und das Schiff hinweg – gleichsam als ankommender Besucher – auf die Stadtsilhouette mit wichtigen Wahrzeichen der Stadt.“

3. Preis: Bastian Prillwitz

Der drittplatzierte Münzentwurf stammt von Bastian Prillwitz aus Berlin und zeigt die Perspektive vom Hafen aus auf das Stadtzentrum. Rechts schließen sich zwei markante Gebäude (Leuchtturm und Teepott) des Seebades Warnemünde an. Im Hafen mit seinen Kränen liegen der Eisbrecher „Stephan Jantzen“, ein Kreuzfahrtschiff und ein historisches Segelschiff. Davor segeln zwei Sportboote, die auf Rostock als Zentrum des Segelsportes hinweisen. Die Jury lobt: „Der Entwurf zeichnet sich durch eine präzise und dennoch künstlerisch verdichtete Darstellung im Rund aus. Die Typografie ist modern und klar, Bild- und Wertseite harmonieren miteinander.“ Der Adler mit seiner angedeuteten Backsteinmauer-Struktur als Federkleid wird allerdings etwas kritisch gesehen – er eröffne „Interpretationsspielräume“.

Die vom Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling vorgeschlagene Randschrift zitiert die lateinische Inschrift des historischen Steintors in Rostock: „SIT INTRA TE CONCORDIA ET PUBLICA FELICITAS“ (In deinen Mauern herrsche Eintracht und öffentliches Wohlergehen).

Spezifikationen: 800 Jahre Hansestadt Rostock, 2018, 20 Euro, Silber 925/1000, 18 g, 32,5 mm, Prägestätte Hamburg (J), Auflagen in Stempelglanz und Spiegelglanz wurden noch nicht bekanntgegeben.


Vollständiger Artikel mit Darstellung der Konkurrenzentwürfe im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2017.

Siegerentwurf von Anne Karen Hentschel: Hansestadt Rostock mit Blick aufs Meer und durch Linien angedeutete Handelsrouten.

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