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Start der Viertelunzen-Reihe mit dem Motiv „Kontrabass“ 2018

Neue deutsche Goldmünzenserie "Musikinstrumente"

Auftakt zu einer neuen Viertelunzen-Goldmünzenserie der Bundesrepublik Deutschland: Mit dem Motiv „Kontrabass“ startet im zweiten Halbjahr 2018 die 50-Euro-Reihe „Musikinstrumente“.

Gerüchteweise war bereits vorab durchgesickert, dass die Bundesregierung 2018 eine neue Goldmünzenserie an den Start bringen will, die mit einem Gewicht von einer viertel Unze (7,78 Gramm) und einem Nennwert von 50 Euro der erfolgreichen „Lutherrose“ von 2017 entspricht. Unmittelbar nach der Sommerpause fiel am 23. August dann der Beschluss im Bundeskabinett. Für zunächst fünf Jahre – bis 2022 – werden Musikinstrumente die Münzen aus purem 999,9er Gold zieren. Den Auftakt macht im zweiten Halbjahr 2018 der „Kontrabass“.

In der offiziellen Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums heißt es dazu, die fünfteilige Serie diene der „Würdigung des deutschen Musikinstrumentenbaus, der seit dem Mittelalter eine herausragende Stellung in Europa einnimmt. Die Instrumente sind aufgrund ihrer Qualität und Innovation in der ganzen Welt gefragt und damit Botschafter deutscher Musikkultur im In- und Ausland.“

In Gold geprägt werden Vertreter von fünf Musikinstrumenten-Gattungen, nämlich die der Streich-, Tasten-, Blas-, Schlag- und Zupfinstrumente. Stellvertretend dafür wer-den die folgenden Musikinstrumente vorgestellt.

• 2018: Kontrabass (Streichinstrumente). Auch wenn die Saiten des Kontrabasses je nach Musikrichtung zuweilen auch geschlagen oder gezupft werden – so zum Beispiel im Bereich des Jazz –, vertritt das Instrument innerhalb der fünfteiligen Goldmünzenserie die Streichinstrumente. Verdeutlicht wird diese Zuordnung auch durch die seitliche Abbildung eines Bogens, mit dem die Saiten der bis zu zwei Meter großen Bassgeige (siehe Kasten rechts) zum Schwingen gebracht werden.

• 2019: HammerflÜgel (Tasteninstrumente). Der Zusatz „Hammer“ bei Klavieren oder Flügeln diente früher der Abgrenzung zu anderen Tasteninstrumenten, bei denen die Saiten angerissen werden, wie etwa dem Cembalo. Da moderne Klaviere alle mittels einer Hammermechanik zum Klingen gebracht werden, bezeichnet der Ausdruck „Hammerflügel“ heute eine historisch frühe Bauform dieser Instrumentengattung mit ganz eigenem Klangbild.

• 2020: Orchesterhorn (Blasinstrumente). Das Horn (in seiner Urform tatsächlich ein Tierhorn) ist ein Blechblasinstrument aus Messing mit Trichtermundstück und großem, charakteristischem Schallbecher. Sein warmer Klang rückt es im Orchester ganz in die Nähe der Holzbläser, es kann aber auch trompetenähnlich schmetternd angeblasen werden. Dank der runden Bauform des Orchesterhorns dürfen sich die Sammler auf ein schönes, formatfüllendes Goldmünzenmotiv freuen.

• 2021: Pauke (Schlaginstrumente). Wenn im Orchester auf die Pauke gehauen wird, ist der Aufführung die Aufmerksamkeit des Publikums gewiss. Ein gekonnter Wirbel auf den halbkugelförmigen, mit Tierhaut oder Kunststoff bespannten Kupferkesseln gilt als große Kunst und erfordert jahrelange Übung. Eine Besonderheit gegenüber anderen Schlaginstrumenten ist ein Mechanismus, mit dem das Fell verschieden stark gespannt werden und damit die Tonhöhe während des Spiels verändert werden kann.

• 2022: Konzertgitarre (Zupfinstrumente). Das weltweit verbreitetste Zupfinstrument ist die Gitarre, die im Rahmen der neuen Goldmünzenreihe für diese Instrumentengattung steht. Saiten, die gezupft oder geschlagen werden, bringen den Resonanzkörper der Konzertgitarre zum Klingen, der bei hochwertigen Exemplaren traditionell aus lackiertem Palisander- und Zedernholz gefertigt ist.

Beraten bei der Auswahl der Motive wurde das Bundesfinanzministerium von der Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Conny Restle, langjährige Direktorin des Musikinstrumenten-Museums in Berlin, die auch als Fachpreisrichterin im Münzwettbewerb fungierte. Klassische Orchester-Instrumente wurden nach der oben beschriebenen Klassifizierung in fünf Gruppen eingeteilt. Bei der Wahl der Einzelinstrumente wurde außerdem ein besonderes Augenmerk auf die Bedeutung für das Ausgabeland Deutschland gelegt. Am Beispiel des Kontrabasses ist das die große Geigenbautradition im bayerischen Mittenwald.

Erstausgabe Kontrabass

Der Entwurf der Startmünze 2018, der im August veröffentlich wurde, stammt von dem bekannten Münzgestalter Erich Ott aus München. Er hat das große viersaitige Streichinstrument, umrahmt von dem in gesperrter Schrift geprägten Wort KONTRABASS, mittig aufrecht stehend in das Münzrund gezirkelt (Abbildung Seite 12). Links daneben ist ein Bogen dargestellt, mit dem die Saiten der Bassgeige klassischerweise gestrichen werden. In der Beurteilung des Preisgerichts heißt es wörtlich: „Die Monumentalität entspricht dem Charakter des Instruments. Das Verhältnis von Figur und Grund hat einen guten Klang. Die kreisförmige offene Spationierung der Groteskschrift öffnet den Klangraum nach außen.“

Die Wertseite zeigt einen Bundesadler, den Schriftzug „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“, Wertziffer und Wertbezeichnung, die Jahreszahl 2018, die zwölf Europa-sterne sowie – je nach Prägestätte – das Münzzeichen „A“ (Berlin), „D“ (München), „F“ (Stuttgart), „G“ (Karlsruhe) oder „J“ (Hamburg). Der Münzrand wird, wie bei allen bundesdeutschen Goldmünzen, geriffelt ausgeführt. Der Durchmesser entspricht mit 22 Millimetern dem international üblichen Maß einer Viertelunzen-Münze und weicht damit vom „Pilotprojekt Lutherrose“ ab, die nur 20 Millimeter misst und dafür etwas dicker ist.

Bei diesem Münzwettbewerb wurden – ähnlich wie bei 2-Euro-Gedenkmünzen – keine zweiten und dritten Preise vergeben, lediglich ein „Nachrücker“ festgelegt, falls aus irgendeinem Grund der Siegerentwurf nicht realisiert werden kann. Zum Nachrücker wurde eine Arbeit von Adelheid Fuss aus Geltow bestimmt, die das Streichinstrument in etwas anderer, schräg gestellter Form zeigt. Rechts lehnt der Bogen am Korpus, die Umschrift „KONTRA- BASS“ ist durch die Schnecke am Ende des Griffbretts unterbrochen.

Auslieferung in „Lutherrose“-Einzelkassette

Ausgeliefert werden die Münzen in der gleichen trapezförmigen Klappschatulle mit Magnetverschluss wie 2017 die „Lutherrose“. Die gekapselte Münze liegt dabei in der kreisrunden Aussparung einer quadratischen Box aus hochfester schwarzer Pappe, über die ein zweiteiliger Deckel mit Goldprägung (Bundesadler, Notenschlüssel) geklappt werden kann. Im solchermaßen geschlossenen Zustand erhält das exklusive Verpackungsobjekt seine endgültige Gestalt in Form eines kopfstehenden Pyramidenstumpfs. Ein passender weißer Schuber mit Bundesadler-Aufdruck schützt die Kassette und sorgt dafür, dass sich die Deckel etwa beim Transport nicht versehentlich öffnen können und die Münze herausfällt.

Wer die „Musikinstrumente“-Münzenserie platzsparender und übersichtlicher präsentieren will, kann auf Sammelkassetten zurückgreifen, die der Zubehörhandel bereits heute für diese Fünfer-Reihe angekündigt hat. Die jeweilige Goldmünze in Ihrer glasklaren Kunststoffkapsel kann der Originalverpackung beschädigungsfrei entnommen und bei einem eventuellen späteren Verkauf wieder dorthin zurückgelegt werden. Wichtig ist nur, zu diesem Zweck die gelieferte Einzelschatulle (ebenso wie bei der 5-Euro-Polymermünze in „Spiegelglanz“) aufzubewahren, um einen Preisabschlag zu vermeiden.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2017.

Erich Ott aus München schuf das Motiv „Kontrabass" zum Start der neuen 50-Euro-Goldmünzenserie „Musikinstrumente".


Traditionsreich: Kontrabässe aus Deutschland

Um 1685 begründete Matthias Klotz die Geigenbautradition im bayerischen Mittenwald. Nicht von ungefähr, denn in direkter Umgebung seines Heimatstädtchens zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge fand der Lautenmacher sein Rohmaterial: bestes, extrem langsam gewachsenes und astfreies Holz der Bergfichte. Noch heute ist Mittenwald ein Zentrum des deutschen Geigenbaus mit international renommierter Geigenbauschule und zwölf Ateliers zur Herstellung von Streichinstrumenten. Andreas Jais, vor über 300 Jahren Klotz‘ erster Schüler in Mittenwald, wurde weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt für seine großen Kontrabässe. Seitdem gelten sie als Markenzeichen deutscher Geigenbauer – Grund genug, dieses Instrument für die Gruppe der Streicher in Gold zu prägen.

Der Kontrabass ist das mit Abstand größte und tiefste Streichinstrument. Das zumeist viersaitige, bisweilen auch fünfsaitige, in Quarten gestimmte Instrument sorgt im traditionellen Sinfonieorchester für die tragende Bassstimme, kann jedoch auch für melodiöse Solopassagen eingesetzt werden. In der klassischen Musik werden die Töne mittels eines Bogens erzeugt, mit dem über die Saiten gestrichen wird, in modernen, populären Stilrichtungen bis hin um Hip-Hop wird der Resonanzkörper durch Zupfen oder Schlagen der Saiten zum Klingen gebracht. Gespielt wird im Stehen oder im Sitzen auf speziellen Hochstühlen, denn das volkstümlich auch als „Bassgeige“ bezeichnete Instrument hat Mensuren (schwingende Saitenlängen) von oft mehr als 110 Zentimeter und ist übermannshoch.

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