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Editorial November / Dezember 2017

Rückholaktion des Bundesbank-Goldes abgeschlossen

Gute Nachricht für alle, die ihre Schätze immer gerne in greifbarer Nähe wissen möchten: Über die Hälfte der deutschen Goldreserven befinden sich jetzt in den unterirdischen Tresoren in Frankfurt am Main! Bis vor vier Jahren lagerten dagegen noch mehr als zwei Drittel des Bundesschatzes im Ausland.

Waren es zunächst nur einige Verschwörungstheoretiker, die die Goldbestände des deutschen Volkes in Gefahr sahen, so schlossen sich in der Folge immer mehr Menschen dem Wunsch an, einen Großteil der Goldreserven der Bundesbank in heimischen Tresoren zu lagern. Nicht zuletzt die Forderung des Bundesrechnungshofes nach einer regelmäßigen Inventur mag schließlich den Ausschlag gegeben zu haben, 2013 mit der größten Goldtransport-Aktion aller Zeiten zu beginnen. Bis zum Jahr 2020 sollten insgesamt 674 Tonnen aus New York und Paris nach Frankfurt verlagert werden. Eine gewaltige logistische Herausforderung, die jetzt, drei Jahre vor dem geplanten Termin, gemeistert ist.

Aber woher stammen die hohen Bundesbank-Goldreserven eigentlich und warum lagerten sie zum überwiegenden Teil im Ausland? Man könnte sagen: Es ist Wirtschaftswunder-Gold. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen mit null Tonnen Gold angefangen. Erst die hohen Leistungsbilanzüberschüsse in den 1950er und 60er Jahren ließen die Bestände im Ausland anwachsen. Schließlich befanden sich in den USA über 1500 Tonnen deutsches Gold, ohne dass jemals auch nur ein Barren davon direkt von hier nach Amerika verschifft worden wäre.

Auch heute macht die Aufbewahrung von Teilen des Goldschatzes in den Finanzmetropolen New York und London Sinn, denn wenn schnell Devisen in US-Dollar oder Pfund benötigt werden, können direkt vor Ort Edelmetallreserven verkauft werden. Seit der Einführung der Gemeinschaftswährung konnte allerdings so nicht mehr erklärt werden, warum auch weiterhin 374 Tonnen deutsches Gold beim Euro-Nachbar Frankreich deponiert sein sollten

Übrigens: Dass sich der deutsche Goldschatz seit 2013 etwas verkleinert hat, ist nicht etwa auf „Schwund“ bei der Rückholaktion zurückzuführen, sondern auf unser Hobby. Alljährlich werden nämlich für die 100-, 20- und jetzt auch 50-Euro-Goldmünzen rund sechs Tonnen abgezweigt. Das macht sich allerdings kaum bemerkbar: Noch immer besitzt die Deutsche Bundesbank mit 3378 Tonnen den zweitgrößten Goldschatz der Welt, dessen Wert seit Beginn der Rückholaktion vor vier Jahren sogar um stolze zehn Milliarden Euro gestiegen ist. 41 Millionen Euro mehr hätten es sein können, wenn kein Gold vermünzt worden wäre. Diesen Gewinn haben jetzt die Sammler gemacht!

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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