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20-Euro-Silbermünze zum 150. Geburtstag von Peter Behrens

Vom Jugendstil zum Industriedesign

Er war Maler, Typograph, Architekt und Industriedesigner: Eine 20-Euro-Silbermünze, die am 13. September 2018 ihren Ersttag hat, erinnert an den deutschen Universalkünstler Peter Behrens, der vor 150 Jahren in Hamburg geboren wurde.

Ebenso knapp wie selbstbewusst brachte Peter Behrens, einer der wichtigsten deutschen Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts, seine Vita zu Papier: „Geboren den 14. Juli 1868 in Hamburg. Im übrigen Autodidakt.“ Auch wenn das so nicht ganz stimmt – Behrens hatte in Karlsruhe und Düsseldorf Malerei studiert – so betrat er doch später mit seinem Schaffen zumeist Neuland. Die Fertigkeiten als Schriftgestalter, Architekt und Industriedesigner hat er sich selbst beigebracht. Um 1900 war er der vielleicht bekannteste Vertreter des Jugendstils in Deutschland und Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. Zu seinen Schülern zählten Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius und Le Corbusier. Durch seine umfassende künstlerische Tätigkeit für den Elektrokonzern AEG gilt er außerdem als Erfinder des Corporate Design, indem er für das Unternehmen vom Briefbogen über Produkte bis hin zu den Fabrikgebäuden alles in einem einheitlichen Stil gestaltete.

1. Preis: Anna Steinmann

Zu seinem 150. Geburtstag ehrt ihn die Bundesrepublik Deutschland 2018 mit einer Silber-Gedenkmünze zu 20 Euro. Als Siegerin im Gestaltungswettbewerb ging Anna Steinmann aus Berlin hervor, die ein Jahrhundert später als Produktdesignerin und Goldschmiedin gewissermaßen in Behrens‘ Fußstapfen getreten ist. Sie nahm erstmals überhaupt an einem offiziellen Münzwettbewerb teil – und dann gleich der erste Preis! Ihr Relief zeigt den Geehrten mit nachdenklich gesenktem Kopf, runder Nickelbrille und Tabakspfeife im Mund. Den Hintergrund bildet stilisiert die AEG-Turbinenfabrik in Berlin-Moabit, sein wohl prominentester Industriebau. Das Preisgericht lobt: „Peter Behrens und sein Gesamtwerk werden angemessen gewürdigt. Die Reduktion der Hintergrundarchitektur auf wenige rhythmische Linien steht für seine Haltung. Peter Behrens verstand das Gestalten seiner Umwelt ganzheitlich. Die lichte, leicht gesperrte Schrift steht formal für die Schaffensperiode des Jubilars. Die plastischen Lösungen der Bildseite finden ihren Spiegel in der Adlerfigur.“ Die Randschrift entstammt den eingangs zitierten Worten von Behrens und lautet: „IM UEBRIGEN AUTODIDAKT“.

2. Preis: Michael Otto

Platz 2 ging an Michael Otto aus Rodenbach, der ein Porträt des Jubilars und dessen handschriftlichen Namenszug ins Zentrum der Bildseite stellte. Den Hintergrund bildet eine Collage wichtiger Werke von Peter Behrens. Die Jury würdigte den „kompositorisch ausgewogenen Entwurf“: „Ausgehend vom Begriff des Gesamtkunstwerks gestaltete Behrens die industrielle Welt neu. Der Entwurf zeigt dies mit den linearen graphischen Darstellungen im Hintergrund – Turbinenhalle Berlin, Haus auf der Mathildenhöhe Darmstadt und Bogenlampe. Die radial angeordnete Typographie der Bildseite wird auf der Wertseite wieder aufgegriffen.“

3. Preis: Hans Joa Dobler

Der dritte Preis im Münzwettbewerb ging an Hans Joa Dobler aus Walda, einem der ganz erfahrenen Münzgestalter in Deutschland, der vor 40 Jahren schon die 5-Mark-Münze „Kölner Dom“ schuf. Auf ein Porträt von Behrens verzichtete er ganz und bildete nur die Turbinenhalle in Berlin ab als „Pars pro Toto für sein umfassendes Lebenswerk“, so das Preisgericht. Und weiter: „Die Gestaltung ist klar und erfolgt unter Verwendung vertikaler Achsen. Dazu harmoniert, dem Thema dieser Gedenkmünze angemessen, die serifenlose Typografie. Bild- und Wertseite passen zueinander, die senkrechten Schwingen des Adlers zeigen dies in aller Konsequenz.“

Spezifikationen: 150. Geburtstag Peter Behrens, 2018, 20 Euro, Silber 925/1000, 18 g, 32,5 mm, Prägestätte Berlin (A), Auflagen in Stempelglanz und Spiegelglanz wurden noch nicht bekanntgegeben.


Vollständiger Artikel mit Abbildungen der Konkurrenzentwürfe im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2018.


Gleich bei ihrer ersten Teilnahme an einem Münzwettbewerb trug Anna Steinmann aus Berlin mit dieser Arbeit den Sieg davon. Im September erscheint ihr Entwurf als 20-Euro-Silbermünze.

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