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alte und neue Numismatik

Meisterwerke der deutschen Literatur 2026

„Die Judenbuche“ in Gold

„Die Judenbuche“, eine Novelle der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ist Thema der diesjährigen 100-Euro-Goldmünze aus der Serie „Meisterwerke der deutschen Literatur“.

Man mag die Erzählung „Die Judenbuche“ schlicht als Krimi aus der Biedermeierzeit bezeichnen. Aber sie ist mehr, davon können Generationen von Gymnasiasten ein Lied singen, die die Novelle im Deutschunterricht behandelt haben. Das „Sittengemälde aus dem gebirgichen Westfalen“, so der Untertitel, spielt im 18. Jahrhundert in dem entlegenen „Dorf B.“ und erzählt die Lebensgeschichte des armen Knechts Friedrich Merkel, von organisiertem Holzdiebstahl und ungeklärten Todesfällen. Es ist ein Stück romantischer Schauerliteratur, aber auch eine Milieustudie der feudalistischen Ständegesellschaft jener Zeit, die von adeligen Gutsherren und ihren leibeigenen Bauern geprägt war. Es ist eine Auseinandersetzung mit Themen wie Schuld und Sühne, Recht und Gerechtigkeit, Intoleranz, Vorurteilen und Antisemitismus. 

Die Erzählung erschien erstmals im Jahr 1842 als 16-tetiliger Fortsetzungsroman im „Morgenblatt für gebildete Leser“ des Cotta-Verlags, dem seinerzeit wichtigsten Literaturmagazin. Sie ist das bekannteste Werk der Schriftstellerin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848), Spross eines der ältesten Adelsgeschlechter Westfalens. Numismatisch Interessierte werden sich an den letzten 20-Mark-Schein der Bundesrepublik Deutschland von 1989 erinnern, der ein Porträt der Dichterin zeigt und auf der Rückseite eine Schreibfeder sowie – mit Bezug auf die Novelle – einen Buchenbaum.

Gestaltung: Martin Dašek

Im Rahmen der 100-Euro-Gedenkmünzenserie „Meisterwerke der deutschen Literatur“ kommt „Die Judenbuche“ nun auch zu Münzehren – geprägt in eine halbe Unze reinstes Gold. Das Motiv stammt von dem tschechischen Bildhauer Martin Dašek, der im Gestaltungswettbewerb auf den zweiten Platz kam. Einmal mehr machte damit das Bundesfinanzministerium als Herausgeber von seinem Recht Gebrauch, vom Votum der Jury abzuweichen. Und erstmals innerhalb der Literaturserie wird auf der Münze jetzt nicht nur das Werk genannt, sondern – am unteren Rand – auch der Name der Dichterin. Darüber dominiert die Darstellung einer Buche, auf die ein Wandersmann mit Rucksack, Hut und Stab zugeht. Den Untergrund bedecken Textzeilen in der Handschrift von Annette von Droste-Hu?lshoff. Das Preisgericht lobt ausdrücklich den „künstlerisch sowie handwerklich gut ausgearbeiteten Entwurf“.

1. Preis: Othmar Kukula 

Der 1. Preis im Gestaltungswettbewerb ging an Othmar Kukula aus Neuhausen, dessen Gipsmodell aber, siehe oben, nicht als Münze ausgeführt wird. Das Motiv wird beherrscht von einem belaubten Buchenstamm mit dem ikonischen Zitat aus der Novelle „Wenn du dich diesem Ort nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast“. Wie die Erzählung selbst „lässt auch der Entwurf bewusst Fragen offen und lädt nicht nur zu eigenen Schlussfolgerungen, sondern gleichfalls zur Lektüre dieses Werkes ein“, so die Jury. Die Komposition der Bildseite überzeuge durch „die klare und einfache Formsprache, die hervorragend mit der aufgeräumten Darstellung der Wertseite und ihrem würdigen Adler harmoniert.“

3. Preis: Alina Hoyer

Auf Platz 3 im Designwettbewerb kam eine Arbeit von Alina Hoyer aus Berlin mit einer stilisierten Buche, „die an ein Labyrinth erinnert und damit bewusst auf den Inhalt des Werkes mit viel Interpretationsspielraum antwortet“, so das Preisgericht. Und weiter: „Die im rechten unteren Bereich platzierte und im Gegensatz zum Hauptmotiv naturalistisch gestaltete Axt stellt in diesem Zusammenhang eine weitere Reminiszenz an den Inhalt dar. Bekrönt wird der Baum von der titelgebenden Aufschrift.“

Spezifikationen: Die Judenbuche /  Annette von Droste-Hülshoff (Serie „Meisterwerke der deutschen Literatur“), 2026, 100 Euro, Gold 999,9/1000, Stempelglanz, Ø 28 mm, 15,55 g (1/2 Unze), Riffelrand, Prägestätten A, D, F, G, J. Die Auflage wurde noch nicht bekannt gegeben. 



Das Motiv der Gold-Gedenkmünze „Die Judenbuche“ stammt von dem tschechischen Bildhauer Martin Dašek, der im Gestaltungswettbewerb mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde.

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