Für Münzensammler ist der November ein ganz besonderer Monat, bringt er doch diesmal gleich zwei vorweihnachtliche „Bescherungen“ mit sich. Die letztjährige Münze „Heilige Drei Könige“ erscheint am 5. November, die neue Ausgabe „Stille Nacht, heilige Nacht“ am 26. November 2026.
Während der Nachzügler aus 2025 die Serie „Weihnachten“ beschließt, die uns seit 2021 mit außergewöhnlichen und festlichen Motiven begleitet hat, eröffnet die neue Silbermünze des Jahres 2026 nun den „Weihnachtslieder“-Zyklus. Dafür sind im Zeitraum bis 2030 insgesamt wieder fünf Ausgaben geplant.
Gleichzeitig markieren die beiden Münzen aber auch eine neue Ära der deutschen Weihnachtsmünzen, was den Edelmetallgehalt und die Wertstufen angeht. Denn dass die 2025er-Münze mit fast einjähriger Verspätung erscheint, kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern hat – wie bereits mehrfach berichtet – mit den extrem stark gestiegenen Silberpreisen zu tun, die das Gedenkmünzen-Ausgabeprogramm der Bundesrepublik im Herbst 2025 gehörig durcheinandergewirbelt hatte.
Deshalb wird nun der im Februar 2026 vom Bundeskabinett gefasste Beschluss umgesetzt, dass alle deutschen Silber-Gedenkmünzen in den zwei Qualitäten Stempelglanz und Spiegelglanz nicht nur in unterschiedlichen Legierungen, sondern auch mit höheren Nennwerten geprägt werden. Die Regelung bringt für die Gedenkmünzen in Stempelglanz, die nach geltendem Münzgesetz von der Bundesbank zum Nennwert in Umlauf gebracht werden müssen, wieder mehr Spielraum bei künftigen Silberpreis-Höhenflügen.
Weihnachtsmünzen künftig in 625er und 999er Silber
Bei den Weihnachtsmünzen wurde das Nominal von 25 auf 50 Euro verdoppelt. Sie werden in Stempelglanz nun aus 625er Silber geprägt, die Spiegelglanzversionen weiterhin aus Feinsilber (999/1000, 30 mm, 22 g). Und während die Stempelglanz-Münzen wie vorgeschrieben zum Nennwert in den Verkehr gelangen, wird der Verkaufspreis für die Münzen in der höchsten Sammlerqualität „rechtzeitig vor dem Ausgabetag“ festgelegt.
Für welche der Versionen man sich auch entscheiden mag – mit der Auftaktausgabe der neuen Serie „Weihnachtslieder“ hält man eine gelungene Weihnachtsmünze mit einem höchst populären Titelthema in Händen. Schließlich ist die neue Silbermünze „Stille Nacht, heilige Nacht“ einem der weltweit bekanntesten Weihnachtslieder gewidmet, das gleichzeitig als Inbegriff des Weihnachtsbrauchtums im deutschen Sprachraum gilt. Angefangen hatte alles ganz schlicht in der römisch-katholischen Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg, an deren Stelle heute die Stille-Nacht-Kapelle steht. Zu Heiligabend 1818 brachte hier ein Männer-Duett, bestehend aus dem Hilfspfarrer Joseph Mohr und dem Dorfschullehrer und Organisten Franz Xaver Gruber das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ zum ersten Mal einer andächtigen Gemeinde zu Gehör. Das in D-Dur überlieferte Lied begleitete Mohr mit Gitarre und sang die erste Stimme, Gruber die zweite.
Seinen erstaunlichen Siegeszug verdankte das Lied einem mit den beiden Urhebern befreundeten Orgelmacher, der es zu Tiroler Sängerfamilien mitnahm. Über das Zillertal gelangte es nach Deutschland und weiter nach Europa. Am Weihnachtstag 1839 wurde „Stille Nacht“ erstmals in New York gesungen. Um 1900 war das Lied durch Sänger, Auswanderer und Missionare auf allen Kontinenten verbreitet. Erstes Lied einer deutschen Radio-Übertragung Zudem war „Stille Nacht, heilige Nacht“ das erste Lied, das jemals im deutschen Radio gespielt wurde – im Rahmen der ersten Rundfunksendung in Deutschland am 22. Dezember 1920.
Münzentwurf von Bodo Broschat
Die internationale Verbreitung des Liedes und seine Bedeutung als weltweite Heils- und Friedensbotschaft symbolisiert auch die Weltkugel auf der silbernen 50-Euro-Gedenkmünze. Der Siegerentwurf des Berliner Künstlers Bodo Broschat ist – ähnlich einer Votivtafel – nahezu symmetrisch gestaltet. So teilt sich der Liedtitel in die zwei Wortgruppen „Stille Nacht“ links und „Heilige Nacht“ rechts. Maria und Josef sitzen auf einer Art Chorgestühl, in der Mitte das Jesuskind in einer geometrisch gezeichneten Krippe, das Ganze unter einem gotischen Bogen: ein Schrein, der sogleich den kirchlichen Bezug herstellt.
Die Jury urteilt: „Das lebendige, dreidimensionale Relief gliedert sich raffiniert in verschiedene thematische Sektoren. Die Komposition wandert virtuos zwischen Zeit und Raum, zwischen historischen und biblischen Zusammenhängen. Über dem Giebel des Schreins sehen wir ein stilisiertes alpenländisches Panorama, ein Verweis auf den Entstehungsort des Liedes im Salzburgischen. Der Schrein selbst wird rechtsseitig zum ehemaligen Kirchturm von Oberndorf. Die linke Giebelspitze integriert den Stern von Bethlehem.“ Der zentral platzierte, Flöte spielende Verkündigungsengel verweist zum einen auf die Weihnachtsgeschichte, zum anderen auf das Lied selbst. Er steht also symbolisch für den „musikalischen Anspruch“ der Münze – und passt gut zum Auftakt der ganzen Serie „Weihnachtslieder“.
50-Euro-Silbermünze „Heilige Drei Könige“
Wie eingangs erwähnt, wird die letzte Münze der Serie „Weihnachten“ von 2025 um ein Jahr verspätet herausgegeben. In den beiden Spezifikationen für Stempel- und Spiegelglanz in 625er bzw. 999er Silber erscheint sie jetzt am 5. November 2026.
Sie gilt den „Heiligen Drei Königen“, die im Matthäus-Evangelium als Sterndeuter erwähnt werden. Dort steht geschrieben: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen … Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“
Gestaltet wurde die Münze von Christian Dögerl aus Marquartstein und zeigt die Heiligen Drei Könige mit ihren Geschenken, darunter das Christuskind in der Krippe und im Hintergrund zwei Dromedare. Über der Szene steht der Stern von Bethlehem mit seinem typischen Schweif. Die Jury, die diesem Entwurf im Gestaltungswettbewerb den ersten Preis zuerkannte, urteilt: „Interessant ist die Dreigliederung des Motivs in verschiedene technische Vorgehensweisen: die Könige und das Jesuskind sind in filigraner Weise ausmodelliert, die beiden Dromedare im Hintergrund sind flächenhaft gehalten und suggerieren dadurch räumliche Distanz. Der am Himmel schwebende Stern mit seinem Schweif ist linear gearbeitet und behauptet so seine Bedeutung. Die Gesamtkomposition besticht durch die filigrane Ausarbeitung, die trotz der Fülle der Darstellung nicht überladen wirkt.“
Damit gedenkt die erste Serie „Weihnachten“ ebenso wie die Fortsetzung „Weihnachtslieder“ einer besinnlichen Zeit und einem Familienfest, das tief in der Kultur und im Brauchtum Deutschlands verwurzelt ist. Zum anderen sind diese Silbermünzen gerade aufgrund ihrer numismatischen Unterschiede schon heute Belege für ein Stück deutscher Münzgeschichte.

Die im November 2026 erscheinende Weihnachtsmünze 2025 wurde von Christian Dögerl gestaltet und zeigt die Heiligen Drei Könige mit ihren Geschenken, darunter das Christuskind in der Krippe und im Hintergrund zwei Dromedare und den Stern von Bethlehem.

Die von Bodo Broschat gestaltete 50-Euro-Weihnachtsmünze des Jahres 2026 bildet mit dem Motiv „Stille Nacht, heilige Nacht“ den Auftakt zur neuen Silbermünzen-Serie „Weihnachtslieder“.
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