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Vom Hammerflügel bis zur Konzertgitarre

Die weiteren Motive der Viertelunzen-Reihe „Musikinstrumente“ bis 2022:

Nach dem Kontrabass, der am 10. August die neue Goldmünzenserie „Musikinstrumente“ eröffnet, erscheinen bis 2022 weitere vier Motive: Hammerflügel, Orchesterhorn, Pauke und Konzertgitarre. Die Designs wurden jetzt vom Bundeskabinett beschlossen.

Am 10. August 2018 startet eine neue, auf fünf Jahre angelegte Gold-Gedenkmünzenserie der Bundesrepublik Deutschland. Sie knüpft an die erste deutsche 50-Euro-Goldmünze mit einem Gewicht von 7,78 Gramm (1/4 Feinunze) an, die 2017 mit dem Motiv der „Lutherrose“ erschien und bei den Sammlern großen Anklang fand. Den Auftakt zur neuen Viertelunzen-Reihe zum Thema „Musikinstrumente“ macht der Kontrabass.

In der offiziellen Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums heißt es dazu, die fünfteilige Serie diene der „Würdigung des deutschen Musikinstrumentenbaus, der seit dem Mittelalter eine herausragende Stellung in Europa einnimmt. Die Instrumente sind aufgrund ihrer Qualität und Innovation in der ganzen Welt gefragt und damit Botschafter deutscher Musikkultur im In- und Ausland.“

In Gold geprägt werden je ein Vertreter von fünf Musikinstrumenten-Gattungen, nämlich Streich-, Tasten-, Blas-, Schlag- und Zupfinstrumente, die jeweils einen besonderen Bezug zum Ausgabeland Deutschland haben. Das geschäftsführende Bundeskabinett hat im Januar nun über die vier weiteren Motive entschieden. Es sind dies der Hammerflügel, das Orchesterhorn, die Pauke und die Konzertgitarre.

2019: Hammerflügel

Der Zusatz „Hammer“ bei Klavieren oder Flügeln bezeichnet heute eine historisch frühe Bauform dieser Instrumentengattung mit ganz eigenem Klangbild. Die Verbreitung des Hammerflügels in Europa ist dem berühmten Orgelbauer Gottfried Silbermann aus Freiberg in Sachsen zu verdanken. Er belieferte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die wichtigsten Höfe Mitteldeutschlands mit seinen Instrumenten und seine Schüler gaben das Knowhow dann in Wien, Paris und London weiter. Das Design der Münze stammt – wie bei der Erstausgabe „Kontrabass“ – von Erich Ott aus München, der auch die Adler-Rückseite für die gesamte Serie gestaltete. Die Jury lobte: „Der Entwurf präsentiert das Instrument in klarer detaillierter Form und besticht durch die ausgewogene Komposition von Typographie und Instrument.“

2020: Orchesterhorn

Das Orchester- oder Doppelhorn wurde in Deutschland entwickelt. 1813/14 erfanden die beiden deutschen Musiker Heinrich Stölzel und Friedrich Blühmel die Ventile für Blechblasinstrumente und statteten damit erstmalig Waldhörner aus. Eduard Kruspe und Bartholomäus Geisig konstruierten dann das Doppelhorn, bei dem zwischen einer Grundstimmung in B und einer in F während des Spiels umgeschaltet werden kann. Dieses Instrument ist heute in allen Orchestern der Welt in Einsatz. Auf der von Jordi Truxa aus Neuenhagen gestalteten Münze ist es, so das Preisgericht, „in besonders gelungener Weise und Komposition elegant in die Münzfläche eingesetzt. Durch die Gestaltung des Instrumentes und insbesondere des Schallstückes wird die Klanglichkeit und die musikalische Ausdrucksstärke visualisiert.“

2021: Pauke

Der Bass in der Familie der Schlaginstrumente, die Pauke, wurde schon seit dem 16. Jahrhundert in Militärkapellen und bei Hofe gespielt. Eine Besonderheit gegenüber anderen Trommeln ist ein Mechanismus, mit dem das Fell (auch maschinell) verschieden stark gespannt werden und damit die Tonhöhe während des Spiels verändert werden kann. Die weltweit erste Maschinenpauke stellte 1836 Johann Einbigler in Frankfurt am Main her. Auf der Goldmünze (Entwurf: Elena Gerber, Berlin) werden, so der Kommentar der Wettbewerbsjury, „in einer symmetrisch strengen perspektivischen Anordnung zwei gleichgroße, spannungsvoll und von starker Körperlichkeit geprägte Pauken gezeigt.“

2022: Konzertgitarre

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schuf der Münchener Gitarrenbauer Hermann Hauser aus der zierlichen deutschen Biedermeiergitarre und den deutlich größeren spanischen Instrumenten von Antonio de Torres die moderne, heute übliche Form der Konzertgitarre. Der Münzentwurf stammt, wie beim Orchesterhorn, von Jordi Truxa und zeigt das Zupfinstrument in plastischer, perspektivischer Ansicht. Das Preisgericht dazu: „Durch die diagonale Positionierung im Bildfeld von links unten nach rechts oben wurde erreicht, die Gitarre in der Stellung wiederzugeben, in der sie beim Spielen auch gehalten wird. Die Schriftverteilung ist passend und korrespondiert mit der Wertseite, Fläche und Gestaltungselemente harmonieren.“

Die gemeinsame Wertseite zeigt einen Bundesadler, den Schriftzug „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“, Wertstufe, Jahreszahl, zwölf Europasterne sowie – je nach Prägestätte – das Münzzeichen „A“ (Berlin), „D“ (München), „F“ (Stuttgart), „G“ (Karlsruhe) oder „J“ (Hamburg). Der Durchmesser entspricht mit 22 Millimetern dem international üblichen Maß einer Viertelunzen-Münze und weicht damit vom Vorbild „Lutherrose“ etwas ab, die nur 20 Millimeter misst und dafür etwas dicker ist.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN März/April 2018.

 
Die Motivseiten der neuen 50-Euro-Goldstücke sind von drei verschiedenen Künstlern gestaltet, bieten aber dennoch ein einheitliches Bild.

50-Euro-Goldserie: Kontrabass zum Auftakt


Er ist Motiv der zweiten 50-Euro-Münze der Bundespublik Deutschland und leitet zugleich eine neue Serie goldener Viertelunzen ein, die ab August 2018 erscheint: der Kontrabass. Die übermannshohe Bassgeige verkörpert in der Reihe „Musikinstrumente“ die Gattung der Streichinstrumente – auch wenn ihre Saiten bisweilen auch gezupft werden.

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