Internationale Fachzeitschrift für
alte und neue Numismatik

Start » Heft-Archiv » Jahrgang 2018 » Ausgabe 3/2018 » Die ersten Silberprägungen mit Polymerring

Gefertigt auf den Original-Maschinen der 5-Euro-Münzen

Die ersten Silberprägungen mit Polymerring

Nach der dritten 5-Euro-Gedenkmünze mit lichtdurchlässigem, farbigem Kunststoffring kommen nun (voraussichtlich im Juli) erstmals auch Prägungen aus Silber mit Polymerringen auf den Markt, die auf den Original-Maschinen in Karlsruhe und München gefertigt werden.

2016 war es eine echte Weltneuheit, wie es sie in der Jahrtausende alten Münzgeschichte so noch nicht gegeben hat: Erstmals wurde ein prägbares, lichtdurchlässiges Polymer-Material eingesetzt, das den äußeren Ring und das Mittelstück (Pille) einer Kupfernickel-Bimetall-Münze trennt und zugleich verbindet. Im Gegenlicht leuchtet der millimeterfeine Kunststoff-Ring in kräftigem Blau und passt damit perfekt zum Thema der Gedenkmünze: „Planet Erde“. Die Bildseite des Kerns zeigt in Art einer geprägten Punktmatrix die Erde, während der äußere Metallring das Weltall symbolisiert. Eingebettet zwischen diese beiden Motivbestandteile ist der Polymerring, dessen leuchtendes Blau das Erdenrund wie die schützende Lufthülle umgibt.

Nach der erfolgreichen Premiere wurde beschlossen, eine fünfteilige Münzreihe mit durchscheinend-farbigen Kunststoffringen aufzulegen. Das Thema lautet – angelehnt an die Erstausgabe – „Klimazonen der Erde“. Die jährlich erscheinenden Münzen zeigen die Lebensräume unseres Planeten, wobei die Polymerringe in jeweils passenden Farben leuchten. Den Start machte 2017 die tropische Zone mit Farbringen in fünf verschiedenen Rottönen, die sich je nach Prägestätte unterscheiden. Weiter ging es 2018 mit den Subtropen in Orange, es folgt 2019 die gemäßigte Zone, zu der auch Deutschland gehört, mit grünen Ringen, die subpolare Zone in Türkis und schließlich die Polarzone mit fünf violetten Schattierungen. Damit folgt die Farbgebung dem meteorologischen System, das Temperaturen ebenfalls in „warmen“ bis „kühlen“ Farben darstellt. Jeder kennt das von der Wetterkarte im Fernsehen.

Polymerring ist kein „Gag“, sondern Sicherheitsmerkmal

Das – aus numismatischer Sicht – besonders Gelungene an der Münzreihe ist die Tatsache, dass es sich bei dem lichtdurchlässigen Kunststoffring nicht um einen „Gag“ handelt, der zwar eine Weltneuheit darstellte, aber im Grunde keinen praktischen Nutzen für die Münze als Zahlungsmittel hat. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Polymereinlage ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit zur Verbesserung der Fälschungssicherheit bei Münzen. Das Projekt wurde federführend von den beiden deutschen Münzdirektoren Günther Waadt (Bayerisches Hauptmünzamt München) und Dr. Peter Huber (Staatliche Münzen Baden-Württemberg) vorangetrieben. In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank, dem Rondenhersteller Saxonia EuroCoin, dem Prägepressenproduzenten Schuler und der Automatenindustrie sollten neue Methoden erarbeitet werden, die Münzen sicherer vor Fälschungen zu machen.

Der Polymerring dient dabei in erster Linie als Isolierung zwischen Ring und Pille und hilft so, die definierten elektrischen Eigenschaften der unterschiedlichen Legierungen zu bewahren. Er muss dazu beständig sein gegen extreme Kälte und Hitze, gegen Wasser, Chemikalien und UV-Strahlung. Er muss hohen mechanischen Belastungen standhalten, aber dennoch plastisch verformbar, also prägbar sein und darf weder elektrisch leitfähig noch giftig sein. Der Werkstoff, der all diese Eigenschaften erfüllt, wurde schließlich in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen entwickelt und zertifiziert. In der Transparenz des Kunststoffmaterials aber liegt der noch größere Sicherheitsgewinn: Jetzt könnten in Automaten-Münzprüfern auch Lichtschranken eingesetzt werden, die das Geldstück zusätzlich durchleuchten und so ein weiteres, schwer fälschbares Echtheitskriterium abgleichen können. Außerdem erkennt so auch der normale Kleingeld-Nutzer die Echtheit auf den ersten Blick – keine andere Münze leuchtet, wenn man sie gegen das Licht hält.

Erstmals auch in Silber mit Original-Polymerring

Eine ganze Reihe von Patenten wurde im Zusammenhang mit der neuen Sicherheits-Technologie erteilt. Deshalb kann und darf auch nicht jede x-beliebige Münzstätte diese Polymerring-Prägungen nachmachen. Derzeit haben nur das Bayerische Hauptmünzamt in München und die Staatlichen Münzen Baden-Württemberg alle Rechte, die entsprechenden Rohlinge herzustellen.

Erstmals gibt es – voraussichtlich ab Juli 2018 – Sonderprägungen mit Polymerringen in Original-Qualität jetzt auch aus Silber (333/1000). Wie die beiden Münzdirektoren aus München und Stuttgart/Karlsruhe, Günther Waadt und Dr. Peter Huber mitteilten, werden die Edelmetall-Stücke, die keine offiziellen Zahlungsmittel sind, auf denselben Füge- und Prägemaschinen gefertigt wie die 5-Euro-Münzen. Sie weichen allerdings in ihren Spezifikationen deutlich ab – nicht nur was das höherwertige Material betrifft. So beträgt ihr Durchmesser bei 15 Gramm Gewicht erheblich größere 36 Millimeter (5 Euro: 27,25 mm / 9 g) und der Polymerring ist mit zwei Millimetern doppelt so breit. Die Auflage in Stempelglanz beträgt mit 30000 kompletten Kollektionen gerade einmal ein Hundertstel der 2018er 5-Euro-Stückzahl. Die gemeinsame Rückseite zeigt einen Adler mit stilisierten Bundesländer-Wappen und die Umschrift „DEUTSCHLAND • EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT“.

Thematisch und in der Auswahl der Ringfarben lehnen sich die Silberprägungen stark an die bisherigen 5-Euro-Stücke an. Sie können allen Sammlern, die ihre Polymer-Kollektion ausbauen möchten, deshalb als gelungene Ergänzungsausgaben dienen. Auch sie stehen unter dem Motto „Klimazonen der Erde“, wobei die Motive Flora und Fauna, teils auch Bauwerke sowie geografische Besonderheiten der jeweiligen Zonen würdigen. Die Bildseiten zur „Subtropischen Zone“ mit orangem Ring tragen als Umschrift außer dem Thema die Breitengrad-Angaben „23,5°–40°“ und tragen neben einer angeschnittenen Weltkugel ein zonentypisches Motiv. Ein erstes veröffentlichtes Design zeigt einen Afrikanischer Elefanten.

Die tropische Zone, die sich beidseits des Äquators erstreckt (Inschrift: 0°–23,5°), ist mit einem Tukan im Regenwald vertreten. Auch der Polymer-Pionier „Blauer Planet Erde“ wird in der neuen Silber-Serie mit thematisch passenden, ergänzenden Motiven bedacht. Sie alle haben, wie das 5-Euro-Vorbild, blaue Kunststoffringe. Ihr Design weicht jedoch von den anderen Ausgaben etwas ab, denn hier ist auch der äußere Ring in die Motivgestaltung einbezogen. Ein erstes Thema unter dem jeweils unten aufgeprägten Motto „Die Erde“ ist Europa gewidmet und zeigt eine Collage aus Tannenzweigen, den sich berührenden Händen aus Michelangelos Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle und dem Pont du Gard, einem römischen Aquädukt in Südfrankreich.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai/Juni 2018.

Im Gegensatz zu den 5-Euro-Gedenkmünzen sind die neuen Silber-Polymer-Prägungen keine offziellen Zahlungsmittel, sie lehnen sich jedoch thematisch und in der Farbauswahl an die Erfolgsserie an. Erste Motive tragen die Umschriften "Subtropische Zone", "Tropische Zone" und "Die Erde".

© DEUTSCHES MÜNZEN MAGAZIN - Alle Rechte vorbehalten