Internationale Fachzeitschrift für
alte und neue Numismatik

Start » Heft-Archiv » Jahrgang 2018 » Ausgabe 3/2018 » Münzen zum Berliner Luftbrücken-Jubiläum

Frankreich ehrt ein historisches Ereignis in Deutschland

Münzen zum Berliner Luftbrücken-Jubiläum

Vor 70 Jahren, am 26. Juni 1948, begann die größte humanitäre Flugoperation aller Zeiten, die „Luftbrücke Berlin“. Gedenkmünzen aus Frankreich in Gold und Silber würdigen das historische Ereignis.

Am 23. Juni 1948 ließ die sowjetische Besatzungsmacht kurz vor Mitternacht in den Westsektoren Berlins den Strom abschalten und am folgenden Tag auf Befehl Stalins alle Straßen-, Eisenbahn- und Schiffsverbindungen nach West-Berlin kappen. Die Blockade hatte begonnen. Der „Pfahl im Fleische der Sowjetzone“, so der damalige Berliner Bürgermeister Ernst Reuter, war abgeriegelt. West-Berlin sollte ausgehungert werden.

Die Antwort der westlichen Alliierten war die Luftbrücke, die größte zivile Flug-Hilfsaktion der Weltgeschichte. Vom 26. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 wurden mit 277278 Flügen über 2,3 Millionen Tonnen Fracht, davon 1,44 Millionen Tonnen Kohle, 490000 Tonnen Nahrungsmittel und 160000 Tonnen Baustoffe, eingeflogen. Fast ein Jahr lang landete alle drei Minuten – Tag und Nacht – in Berlin ein Flugzeug mit Hilfsgütern für den von der Außenwelt abgeschnittenen Westsektor der Stadt. Es war der amerikanische Militärgouverneur in Deutschland, General Lucius D. Clay, der sofort handelte und unter dem Namen „Operation Vittles“ (Unternehmen Verpflegung) den Aufbau der Luftbrücke organisierte.

Die Hilfsaktion schrieb Geschichte und Geschichten, die die Berliner den amerikanischen Piloten bis heute nicht vergessen. So wie jene Tat des Flugkapitäns Gail Halvorsen, der während einer Ladepause im Sommer 1948 am Flughafenzaun in Tempelhof einige Kinder stehen sah. Er ging zu Ihnen und versprach, beim nächsten Mal Süßigkeiten mitzubringen. „Wie werden wir dein Flugzeug erkennen?“, fragte ein Mädchen. „Ich werde beim Anflug mit den Flügeln wackeln“, antwortete Halvorsen. In Frankfurt am Main sammelte er von Kameraden Bonbons, Schokolade, Kaugummis und auch ein paar Rosinen ein, knüpfte aus Taschentüchern kleine Fallschirme, band die Süßigkeiten daran und warf sie von nun an jedes Mal direkt vor der Landung über den wartenden Kindern ab. So kamen die Frachtmaschinen verschiedener Baureihen zu ihrem Namen „Rosinenbomber“.

Französische Münzen zur deutschen Geschichte

Zum runden Jubiläum würdigt Frankreich 2018 im Rahmen der Serie „Geschichte der Luftfahrt“ die Berliner Luftbrücke vor 70 Jahren mit Gedenkmünzen aus Silber und Gold. Als einer der drei Westalliierten nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Franzosen zusammen mit Briten und Amerikanern an der beispiellosen Hilfsaktion beteiligt. Auch wenn sie nur wenige Piloten und Flugzeuge stellten, so leisteten sie doch mit dem Ausbau des Flughafens Tegel im Herbst 1948 einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen des Vorhabens.

Die Emission offizieller Münzen der Republik Frankreich zum Luftbrücken-Jubiläum eine politische Geste. Wie schon zum 25. Jahrestag des Mauerfalls machen uns auch hier die Franzosen etwas vor – damals wie heute gab und gibt es keine amtliche Münze aus der Bundesrepublik zu diesen wichtigen historischen Ereignissen, die in allererster Linie die Deutschen betreffen.

Die Gedenkmünzen „70 Jahre Luftbrücke“ erscheinen motivgleich in 10 und 50 Euro Silber (1 Unze, 37 mm bzw. 5 Unzen, 50mm) sowie in Gold zu ¼ Unze (50 €, 22 mm), 1 Unze (200€, 37 mm) und 5 Unzen (500€, 50mm). Gezeigt wird ein „Rosinenbomber“ im Tiefflug über einer Schar Kinder, die auf Trümmern vor dem Brandenburger Tor stehend den Piloten begeistert zuwinken. Links und rechts schmiegen sich die gebogenen Skulpturen des Luftbrückendenkmals an den Münzrand. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Douglas C-47 „Skytrain“, von denen die US-Airforce während der Luftbrücke etwa 100 Maschinen im Einsatz hatte. Bei den Briten der Royal Air Force trug das Flugzeug die Bezeichnung „Dakota“, von der etwa 50 als „Rosinenbomber“ Dienst taten. Mit einer Länge von knapp 20 Metern und einen Flügelspannweite von 29 Metern konnte es etwa drei Tonnen Nutzlast befördern. Die Dakota C-47 galt als außerordentlich zuverlässig und wurde von den Piloten liebevoll „Goony Bird“ genannt, was übersetzt etwa „verrückter Vogel“ bedeutet.

„Ich bin ein Berliner“

Ein numismatisch interessantes Detail auf der Münze ist das zentral angeordnete Zitat „Ich bin ein Berliner“. Es stammt von John F. Kennedy aus dessen historischer Rede vor dem Rathaus Schöneberg am 26. Juni 1963 zum 15. Jahrestag des Beginns der Luftbrücke. Der charismatische US-Präsident bekräftigte damit die während der Luftbrücke bewiesene Solidarität des amerikanischen Volkes und seine Unterstützung des Freiheitswillens der Bevölkerung von (ganz) Berlin. Auf einer offiziellen französischen Münze bedeuten diese Worte in deutscher Sprache eine Weltpremiere.
Die Wertseite weist unverändert das gemeinsame Motiv der Reihe „Luftfahrt und Geschichte“ auf, die letztes Jahr mit dem Airbus A 380, dem größten Verkehrsflugzeug der Welt, und der „Spirit of Saint Louis“ von Atlantik-Überflieger Charles Lindbergh begonnen wurde. Es zeigt über dem französischen Serientitel „L’aviation et l’Histoire“ zwei Piloten und am Himmel ein knappes Dutzend verschiedener Flugzeuge aus allen Epochen. Die nächste Ausgabe der Reihe ist dem überwiegend militärisch genutzten deutsch-französischen Transportflugzeug „Transall“ von 1963 gewidmet


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai/Juni 2018.

Die französischen Münzen zeigen den "Rosinenbomber" Dakota C-47 in Silber und Gold und würdigen damit das 70-jährige Jubiläum der beispiellosen Hilfsaktion.

© DEUTSCHES MÜNZEN MAGAZIN - Alle Rechte vorbehalten