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Editorial Mai/Juni 2018

Zum Siebzigsten: ein Denkmal für die Deutsche Mark

Vor 70 Jahren erblickte die Deutsche Mark das Licht der Welt. Geburtshelfer war die Währungsreform vom 20. Juni 1948, mit der in den westdeutschen Zonen praktisch über Nacht die bisherige Reichsmark ihre Gültigkeit verlor. Der harte Schnitt war bitternötig, hatte doch der Zusammenbruch des Deutschen Reiches nach dem Zweiten Weltkrieg auch im Bereich des Geldwesens ein großes Chaos hinterlassen. Die kursierenden Bargeld-Milliarden standen in keinem Verhältnis zu den noch existierenden Gegenwerten. Geld war zur Nebensache geworden. Bezugsscheine, Zuteilungen und der direkte Gütertausch ersetzten seine Zahlungsmittelfunktion.

Für kaum eine andere Nation hatte die nationale Währung eine solche Bedeutung wie für die Deutschen in den Nachkriegsjahrzehnten. Wohl und Wehe der Deutschen Mark gehörten zu den Themen, mit denen Wahlen gewonnen wurden. Sie avancierte zur Leit- und Ankerwährung in Europa und nach dem Dollar zur zweitwichtigsten Valuta der globalen Finanzmärkte. Kein Wunder, dass den Deutschen der Abschied von ihrer harten D-Mark besonders schwer fiel.

Noch bis kurz vor der Euro-Einführung waren rund zwei Drittel der Deutschen gegen eine Gemeinschaftswährung. Doch schon bald danach ließ sich das Gros umstimmen und von den Vorteilen des Euro überzeugen. Nach einer repräsentativen Umfrage sprach sich 2013 bereits eine Dreiviertel-Mehrheit für den Euro aus. Aber auch wenn die Mark ihren 50. Geburtstag nur um wenige Jahre überlebte, ist sie als Legende in die internationale Geldgeschichte eingegangen: Sie war die Währung des deutschen Wirtschaftswunders, stets ein Hort der Stabilität in Zeiten finanzpolitischer Stürme und Veränderungen.

Der Münzensammler kann dieser Währungs-Ikone mit einer Kollektion von D-Mark-Münzen ein Denkmal setzen. Die Stücke für eine solche Sammlung sind noch immer – oder im Nachhall der Euro-Euphorie wieder – günstig zu beschaffen. Sie beginnt vor sieben Jahrzehnten mit einem unscheinbaren 1-Pfennig-Stück, der einzigen der neuen Münzen, die mit der Jahreszahl 1948 geprägt wurde, und endet 2001 glanzvoll mit der Abschiedsmark in purem Gold. Dazwischen liegt eine große Vielfalt von Kurs- und Gedenkmünzen, die eine glückliche und friedvolle Epoche der deutschen Geschichte begleiteten. Wer also noch auf der Suche nach einem interessanten abgeschlossenen Sammelgebiet ist, dem sei das Thema „Deutsche Mark“ ans Herz gelegt. Wäre der 70. Jahrestag da nicht ein perfekter Zeitpunkt zum Einstieg?

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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