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Die erste 20-Euro-Silbermünze für 2019

Das tapfere Schneiderlein

Die „Grimms Märchen“-Gedenkmünzenreihe hat sich zur beliebtesten deutschen Silber-Serie entwickelt. Anfang 2019 wird sie mit dem „Tapferen Schneiderlein“ fortgesetzt.

Im Jahr 1812 erschien die Erstausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Ein Literatur-Klassiker, dessen Verfasser zum Jubiläum 200 Jahre danach mit einer offiziellen Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt wurden. Dieses 10-Euro-Stück von 2012 mit dem Doppelporträt der beiden Germanisten war der Auftakt zu einer Serie, die sich unter Sammlern besonders großer Beliebtheit erfreut. Das ursprünglich nur bis 2015 geplante Münzprogramm wurde deshalb immer wieder verlängert und wird auch 2019 fortgesetzt – mit dem Märchen „Das tapfere Schneiderlein“.

Die Erzählung handelt von einem armen Schneider, der es mit seiner Pfiffigkeit zu Macht und Reichtum brachte. Nachdem der Titelheld mit einem Tuchlappen sieben Fliegen auf einmal erschlagen hatte, bestickte er einen Gürtel – wahrheitsgemäß – mit den Worten „Siebene auf einen Streich“ und begab sich damit auf Wanderschaft. Die Menschen dachten, er sei ein Kriegsheroe, der im Kampf sieben Männer gleichzeitig besiegt habe und begegneten ihm mit Angst und Ehrfurcht. Auch der König wurde auf das tapfere Schneiderlein aufmerksam. Er versprach ihm seine einzige Tochter zur Frau und als Mitgift das halbe Königreich, wenn er nur einige schwere Aufgaben für ihn löste – was dem selbstbewussten kleinen Mann mit viel Mut und noch mehr Dreistigkeit auch gelang. So bezwingt er zwei grausame Riesen, indem er sie mit einer Finte dazu bringt, sich gegenseitig zu erschlagen. Auch das wild angreifende Einhorn kann der Schneider überwältigen: Nachdem er sich im letzten Moment hinter einen Baum gerettet hat, bleibt das Tier mit seinem mächtigen Horn hilflos im Holz stecken.

1. Preis: Marianne Dietz

Der siegreiche Entwurf der neuen 20-Euro-Gedenkmünze stammt von Marianne Dietz aus Berlin, die innerhalb der Serie auch schon „Hänsel und Gretel“ (2014) und „Dornröschen“ (2015) gestaltete. Das tapfere Schneiderlein wird auf dem Münzmotiv in Siegerpose mit Krone auf dem Kopf vor dem Königsschloss dargestellt. Attribute wie Faden, Schere und Nadelkissen erinnern an den ursprünglichen Beruf, die große „7“ auf dem Gürtel und die toten Fliegen am Boden an seine „Heldentat“. Das Preisgericht lobt: „In großer Einfachheit und Klarheit sind Figur und Schloss ausgestaltet. Die Darstellung verliert sich weder in den Einzelelementen des Märchens noch in traditionellen Sujets. Der würdige Adler harmoniert in der künstlerischen Ausarbeitung perfekt mit der Bildseite.“ Die Randschrift lautet: „SIEBENE AUF EINEN STREICH!“

2. Preis: Anna Steinmann

Im Gegensatz zum erstplatzierten Entwurf (Umschrift: „TAPFERES SCHNEIDERLEIN“) hat Anna Steinmann, ebenfalls aus Berlin, auf ihrem Gipsmodell den korrekten Titel des Märchens genannt: „Das tapfere Schneiderlein“. Mit ihrer Arbeit, die sich laut Jury durch „Leichtigkeit und Eleganz“ auszeichnet, errang sie den 2. Preis im Künstlerwettbewerb. Dargestellt wird ein Mann im Schneidersitz, der offenbar gerade den Gürtel mit den Worten „7 auf einen Streich“ bestickt hat. Mit dem Faden zeichnet er in der Luft Figuren wie Krone und Einhorn, die einen Bezug zum Märchen haben. „Damit“, so das Preisgericht, „ist die Entwicklung vom Schneider zum König in kluger Weise charakterisiert“.

3. Preis: Anne Karen Hentschel

Auch Anne Karen Hentschel aus Bremen, die im Gestaltungswettbewerb Rang 3 belegt, nutzte die Symbolik des Fadens, um die Handlung zu erzählen. Er folgt elegant geschwungen dem Münzrund und führt von der Garnrolle samt Nadel hin zur Königskrone. Zwischen den Beinen des beschwingten Schneiderleins ist eine Fliege mit sieben Zählstrichen dargestellt. Anerkennend bemerkt dazu die Jury: „Die Figur verkörpert prägnant den Märchenprotagonisten und seine eigensinnige Sichtweise auf die Welt. ... Das Gesamtmotiv ist harmonisch und modern durchgestaltet.“

Spezifikationen: „Tapferes Schneiderlein“, 2019, 20 Euro, Silber 925/1000, 18 g, 32,5 mm, St und PP, Prägestätte Karlsruhe (G), die genauen Auflagen wurden noch nicht bekannt gegeben.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Mai/Juni 2018.

Die Bildhauerin Marianne Dietz aus Berlin gewann im Gestaltungswettbewerb mit diesem Entwurf, der das tapfere Schneiderlein in Siegerpose zeigt.

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