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Editorial Juli/August 2018

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg

Vor 100 Jahren lag Europa in Trümmern. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs zerbrach nicht nur das deutsche Kaiserreich, sondern mit ihm auch das Osmanische Reich und die Donaumonarchie. Auf ihren Ruinen entstanden neue Nationalstaaten. 1918 wurde zum Jahr der grundlegenden Umbrüche und schicksalhaften Veränderungen für Europa und die Welt. Vier Jahre zuvor, im August 1914, hatte noch niemand geahnt, dass sich aus einem lokal begrenzten Konflikt nach dem Attentat von Sarajevo ein Weltenbrand unvorstellbaren Ausmaßes entwickeln würde. Über 17 Millionen Menschen haben das völlige Versagen der Diplomatie, eine Verkettung fataler Fehleinschätzungen und eitlen Machtstrebens der Herrschenden mit dem Leben bezahlt. Bis heute bestimmen die Folgen des Ersten Weltkriegs unser Leben: Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (so der US-amerikanische Historiker George F. Kennan) ebnete den Weg zur nationalsozialistischen Machtergreifung und damit zu Zweitem Weltkrieg, Holocaust und der 40-jährigen Teilung Deutschlands.

Münzensammler sind geschichtsbewusster als viele ihrer Mitmenschen. Durch den Umgang mit den geprägten Pretiosen beschäftigen sie sich häufig mit historischen Zusammenhängen – sei es, um die eigenen Schätze besser einordnen zu können oder den Ausgabeanlass einer modernen Gedenkmünze besser zu verstehen. Dazu gehört 2019 beispielsweise ein 20-Euro-Stück in Sterlingsilber, das an den 100. Jahrestag der ersten demokratischen Verfassung in Deutschland erinnert, die in Weimar verabschiedet wurde. Wer das Thema vertiefen will, kann das schon heute tun: In dem Beitrag „100 Jahre Weimarer Republik“ (Seite 50 ff.) wird aus numismatischer Sicht die Ära von 1918 bis 1933 beleuchtet, die dem Sammler, nebenbei bemerkt, einige der schönsten deutschen Münzen überhaupt bescherte.

Es ist nicht unser erster Artikel in diesem Jahr (und nicht unser letzter), der die Geschehnisse rund um das Schicksalsjahr 1918 zum Thema hat. Die vier letzten deutschen Königreiche zum Beispiel, die mit der Novemberrevolution vor 100 Jahren von der Bildfläche verschwanden, standen ebenso bereits im Fokus wie die historischen Folgeerscheinungen, etwa als in Bayern im selben Jahr der Freistaat ausgerufen wurde. Alle geschichtlichen Ereignisse werden dabei mit zeitgenössischen Münzen oder aktuellen Gedenkprägungen belegt, die längst vergangene Epochen aufleben lassen und so zum numismatischen Mahnmal gegen das Vergessen werden.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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