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UNESCO-Gold-Euro 2018 „Schlösser Augustusburg und Falkenlust“

Goldenes Prachtstück im Rokoko-Stil

Im Oktober erscheint die diesjährige deutsche 100-Euro-Goldmünze zu Ehren des UNESCO-Welterbes „Schlösser Augustusburg und Falkenlust“. Der Motiventwurf stammt – wie im Vorjahr – von Bastian Prillwitz aus Berlin.

Drei Goldserien gibt es mittlerweile in Deutschland. Und eine davon erfreut sich ganz besonderer Beliebtheit: Es ist die älteste und wertvollste, die mit den größten Münzen und den abwechslungsreichsten Motiven – die Gold-Hunderter der Bundesrepublik. Seit der Euro-Einführung im Jahr 2002 erscheint sie in ununterbrochener Folge und der alljährliche Ersttag der jeweils neuen Ausgabe ist für viele Sammler ein Fest. Bis auf zwei Ausnahmen gilt die Kollektion thematisch den UNESCO-Welterbestätten in Deutschland, 2018 den Schlössern Augustusburg und Falkenlust südlich von Köln.

34 Jahre nach der feierlichen Aufnahme der Brühler Schlösser in die Liste des UNESCO-Welterbes wurden sie nun auch in purem Gold verewigt. Das Ensemble gehört zu den bedeutendsten Werken des Spätbarocks und Rokokos in Deutschland. Schloss Augustusburg mit der Prunktreppe von Balthasar Neumann und das kleine Jagdschloss Falkenlust bilden zusammen mit der französischen Parkanlage des Gartenkünstlers Dominique Girard ein einmalig erhaltenes Gesamtkunstwerk.

1. Preis: Bastian Prillwitz

Das Münzmotiv entstand nach einem Entwurf des Designers Bastian Prillwitz aus Berlin, der auch schon 2017 (Luthergedenkstätten) den Gestaltungswettbewerb der 100-Euro-Goldmünze für sich entscheiden konnte. In den Mittelpunkt seines Gipsmodells stellte Prillwitz dieses Jahr das herrschaftliche Treppenhaus von Balthasar Neumann in Augustusburg. Am oberen und unteren Bildrand werden die Außenansichten der beiden Schlösser gezeigt. Die umrahmenden Ornamente stehen für die Parkanlagen mit ihren Hecken im Rokoko-Stil. Das Preisgericht lobt: „Der Entwurf nimmt den Grundgedanken des Bauherrn Clemens August von Bayern, den Betrachter zu überwältigen, in hervorragender Weise auf. Trotz einer Vielzahl gestalterischer Elemente im Stile des Rokoko ist es gelungen, den Entwurf klar zu gliedern und die prägenden Details gut erkennbar wiederzugeben. ... Durch die gelungene räumliche Gestaltung auf höchstem technischem Niveau wird der Betrachter in den Raum hineingezogen. Eine übersichtliche und luftige Komposition der Wertseite bietet einen ansprechenden Kontrast zur Formfülle der Bildseite.“

2. Preis: Ulrich Böhme

Auf Platz 2 im Künstlerwettbewerb kam Ulrich Böhme aus Stuttgart. Der Professor für Gestaltung zeigt die beiden Schlösser Augustusburg und Falkenlust in ihren Hauptansich-ten proportional zu deren Größe. Die Jury dazu: „Zwei Ornamente deuten die Zeitstellung des Rokoko an. Alle Bildelemente und auch die klassische moderne Schrift sind in geschickter Weise in das Rund gesetzt. Die Arbeit wirkt in sich geschlossen und aufgeräumt. Zur Bildseite korrespondiert die Wertseite. Der würdige Adler nimmt den Schwung der Ornamente der Bildseite auf und verleiht dem insgesamt überzeugenden Münzentwurf eine für diese Arbeit angemessene und zu lobende Leichtigkeit.“

3. Preis: Heinz Hoyer

Heinz Hoyer aus Berlin, Altmeister unter Deutschlands Münzgestaltern (und Ziehvater des Siegers Bastian Prillwitz, siehe Interview Seite 20), musste sich diesmal mit dem dritten Preis zufriedengeben, für den die Wettbewerbsjury aber anerkennende Worte hatte: „Die Bildseite besticht durch ihren klassischen, mittelachsigen kompositorischen Aufbau. Auffallend ist die detailreiche Darstellung der architektonischen Strukturen beider Schlösser. Die verwendete Perspektive erzeugt eine Anmutung von Räumlichkeit. Der typografische Rundsatz mit seiner Groteskschrift fasst die Bildseite harmonisch ein. Diese Gestaltung der Typografie wird ebenso klar auf der Wertseite eingesetzt.“

Nächstes Jahr soll die UNESCO-Serie enden

Die deutsche UNESCO-Welterbe-Serie auf 100-Euro-Goldmünzen könnte schon bald ein abgeschlossenes Sammelgebiet sein. Nach Informationen des Bundesministeriums der Finanzen in Berlin ist als letzte Ausgabe eine Münze vorgesehen, die 2019 den „Dom zu Speyer“ ehrt. Dann soll Schluss sein. Wie es mit der 100-Euro-Serie auf Halbunzen-Goldstücken insgesamt weitergeht, ist noch unklar.

Das Thema „UNESCO-Welterbe in Deutschland“ bildet den Kern des weltweit erfolgreichsten Gold-Gedenkmünzen-Programms aller Zeiten. Nie zuvor gab es serienweise Gedenkmünzen in Gold mit so stolzen Auflagen wie hier. Sie liegen bis heute regelmäßig im sechsstelligen Bereich. Nur unlimitiert geprägte Anlagemünzen wie etwa der südafrikanische Krügerrand können diese Stückzahlen toppen. Zum Vergleich: Sondermünzen aus Gold von Frankreich oder Österreich kommen allenfalls auf wenige Tausend Exemplare, ebenso beispielsweise die aktuellen Auflagen der Münzen-Großmacht USA. Lediglich einzelne Gold-Gedenkmünzen mit sechsstelligen Stückzahlen gab es dort, wie etwa 1986 zum 100-Jahr-Jubiläum der New Yorker Freiheitsstatute. Mehrjährige Serien in diesen Auflagenhöhen jedoch gab und gibt es nur hierzulande, so auch die deutschen 20- und 50-Euro-Goldprogramme.

Bislang 17 deutsche 100-Euro-Goldmünzen

Die deutschen Gold-Hunderter starteten im Jahr 2002 (gemeinsam mit dem legendären 1-Unzen-Goldstück mit 200 Euro Nennwert) und hatten die Euro-Einführung zum Thema. 2003 begann dann die UNESCO-Serie mit der denkmalgeschützten Altstadt von Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Das Motiv zeigt das Monogramm König Heinrichs I., das die erste urkundliche Erwähnung der Stadt im Jahr 922 besiegelte. Eingebettet in das Schriftzeichen ist die Stiftskirche als Teil des UNESCO-Welterbes. 2004 folgte die unverwechselbare Stadtansicht von Bamberg.

Unterbrechung 2005 wegen Fußball-WM in Deutschland

Im Jahr darauf wurde die Serie aus aktuellem Anlass unterbrochen: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland stand vor der Tür und der Gastgeber wollte das Sportereignis auch numismatisch gebührend würdigen. Das „Sommermärchen“ wurde vergoldet mit einem Motiv, das ein Fußballstadion aus der Vogelperspektive zeigt.

Seit 2006 wird die UNESCO-Serie kontinuierlich fortgeführt: Weimar, Lübeck, Goslar, Trier, Würzburg, Wartburg Eisenach, Dom zu Aachen, Gartenreich Dessau-Wörlitz, Kloster Lorsch, Oberes Mittelrheintal, Regensburg und 2017 zum 500. Reformationsjubiläum die Luther-Gedenkstätten von Eisleben und Wittenberg. Die Auflagen betrugen zunächst 400000 Exemplare und wurden danach Stück für Stück reduziert auf jetzt rund 150000 bis 200000. Dies liegt in erster Linie an der Entwicklung des Goldpreises. Hatte die „Quedlinburg“-Münze noch einen amtlichen Ausgabepreis von 190 Euro, so stieg dieser in der Spitze bis über 700 Euro. Klar, dass angesichts dieser Summen einige Sammler nicht mehr mithalten konnten. Außerdem kamen im Laufe der Jahre auch noch die 20- und jetzt die 50-Euro-Goldserie hinzu, was weitere Kaufkraft wegnahm.

Begehrte Münzen aus einer halben Unze reinstem Gold

Die goldenen Halbunzen-Gedenkmünzen stellen dennoch traditionell den Höhepunkt im alljährlichen Münzausgabeprogramm der Bundesrepublik Deutschland dar. Dies hat neben den beliebten Motiven auch mit der besonnenen Ausgabepolitik des Bundes zu tun, mit der tunlichst vermieden werden soll, dass eine deutsche Goldmünze womöglich zum Ladenhüter wird. Die Münzen sollen sich durch ihre streng limitierten Auflagen stets auch die Chance auf Wertsteigerungen bewahren und nicht zur „Massenware“ verkommen. In den vergangenen Jahren hat sich die Strategie bewährt: Praktisch alle bundesdeutschen Gold-Hunderter sind heute mehr wert als an ihrem Ausgabetag. Denn auch hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Marktpreis: Bis heute werden die Münzen an die Besteller zugeteilt und nicht jeder darf darauf hoffen, die reservierte Menge auch zu bekommen Am Ende entscheidet das Los. So wird es auch 2018 wieder sein, wenn im Oktober die neue Ausgabe mit den Schlössern Augustusburg und Falkenlust als Motiv erscheint.


Vollständiger Artikel mit vielen Abbildungen und einem Interview mit Münzgestalter Bastian Prillwitz  im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September/Oktober 2018.

UNESCO-Welterbe Schlösser Augustusburg und Falkenlust, 2018, 100 Euro, Gold 999,9/ 1000, Stempelglanz, ø 28 mm, 15,55 g (1/2 Unze), Riffelrand, Prägestätten A, D, F, G, J.
Gesamtauflage: max. 200.000 Exemplare.

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