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Neue Serie als Ergänzung zum 5-Euro-Erfolgsprogramm

Premiere 2019: Erste 10-Euro-Münze mit Polymerring

Mitte Juni beschloss das Bundeskabinett sensationell die Ausgabe der ersten 10-Euro-Gedenkmünze mit Polymerring. Sie soll im April 2019 erscheinen und bildet mit dem Motiv eines Gleitschirmseglers den Auftakt zu einer dreiteiligen Serie unter dem Motto „Luft bewegt“.

Ohne weitere Vorankündigung und außerhalb des bereits veröffentlichten Münzausgabeprogramms für 2019 gab das Bundesfinanzministerium am 13. Juni in einer Pressemitteilung bekannt, „eine 10-Euro-Sammlermünze ‚In der Luft‘ mit einem farblosen Kunststoffring prägen zu lassen und voraussichtlich Ende April 2019 auszugeben.“ Der Coup ist gelungen: Vorab war nichts von diesen Plänen in die Öffentlichkeit durchgesickert, obwohl doch zahlreiche Personen mit der technischen Vorbereitung und der Durchführung des Künstlerwettbewerbs befasst waren.

Ähnlich wie bei der Erfolgsmünze „Blauer Planet Erde“ und ihren 5-Euro-Nachfolgern werden bei der neuen 10-Euro-Gedenkmünze Ring und Pille aus Kupfer-Nickel durch einen Kunststoffring verbunden und gleichzeitig optisch getrennt – nur dass die Polymereinlage diesmal 50 Prozent breiter und vollkommen transparent ist. Die Münzen der neuen 10-Euro-Reihe wiegen mit 9,7 Gramm genau 0,7 Gramm mehr als die Poly-Fünfer und haben auch einen nur 1,5 Millimeter größeren Durchmesser (28,75 mm). Sie werden als Normalprägung in „Stempelglanz“ zum Nennwert in Umlauf gebracht. In der höchsten Prägequalität „Spiegelglanz“ erscheinen sie mit Aufpreis in deutlich geringerer Stückzahl und sollen in Präsentationsverpackungen ausgeliefert werden.

Über die Startauflage schweigt sich das Bundesfinanzministerium noch aus, sie wird jedoch, wie bei den 5-Euro-Polymermünzen, sicherlich im Millionenbereich liegen. Im Interview mit dem Deutschen Münzen Magazin sagte die Leiterin des Münzreferats im Bundesministerium der Finanzen, Ministerialrätin Ulrike Bohm: „Wir gehen von einer sehr großen Resonanz auf die neue Münzemission aus“. Erfreulicherweise will man dabei aber offenbar auch die Aufnahmefähigkeit und nachhaltige Entwicklung des Sammlermarktes nicht aus dem Blick verlieren, denn, so Bohm weiter: „Wir wollen die Auflage so gestalten, dass die Münze dauerhaft gefragt bleibt und somit auch eine Wertsteigerung erfährt.“

Der farblose Polymerring, der die beiden Metallbestandteile verbindet, sorgt für einen ungewöhnlichen visuellen Effekt, indem er den Münzkern („Pille“) in der Mitte luftig leicht „schweben“ lässt, wenn man die Münze gegen das Licht hält. Dieser Effekt dürfte dabei wesentlich ausgeprägter sein als bei den bisherigen 5-Euro-Stücken mit blauen, roten oder orangen Ringen. Denn vor allem bei den dunkleren Tönen ist hier oft fast gar keine Transparenz zu beobachten, wenn man sich nicht einer starken Taschenlampe als Hintergrundbeleuchtung bedient.

Der durchsichtige Ring der neuen dreiteiligen Serie passt perfekt zum Thema: „Luft bewegt“. In der Ausschreibung zum Gestaltungswettbewerb der Erstausgabe heißt es wörtlich: „Moderne motorlose Luftsportarten, die ausschließlich durch Luft angetrieben werden, sind das Gleitschirmfliegen (Paragleiten) und das Hängegleiten (Drachenfliegen). Die Motivauswahl sollte sich auf diese beiden Luftsportarten konzentrieren. Die Darstellung von Gleitschirmen und Hängegleitern mit Motor sind nicht erlaubt.“

1. Preis Bildseite: Natalie Tekampe

Das Motiv der Erstausgabe mit der Umschrift „IN DER LUFT“ zeigt denn auch einen Gleitschirm im Segelflug zwischen steilen Berghängen. Es stammt von der jungen Bildhauerin Natalie Tekampe aus Müncheberg im Landkreis Märkisch-Oderland, deren Entwurf das Preisgericht für seine „äußerst fein modellierte Plastizität und die klare Bildsprache“ lobt. Durch die Darstellung des Fluggeräts im Zentrum einer Gebirgslandschaft kommen, so die Jury weiter, „die Freiheit und die Freude des Fliegens in der Natur hervorragend zur Geltung“. Die bildnerische Darstellung und Typographie seien dabei sehr ausgewogen gestaltet.

Drei Preise für Vorder- und Rückseiten: Andre Witting

Vorder- und Rückseiten wurden bei diesem Wettbewerb getrennt begutachtet und bewertet. Andre Witting aus Berlin hat dabei die meisten Preise eingeheimst: den 1. und 3. Preis bei den Wertseiten sowie den 2. Preis bei den Bildseiten. Sein siegreiches Adlermotiv soll bei allen Münzen der Dreierserie (bis auf die Jahreszahl) identisch sein. Sie zeigt einen vergleichsweise kleinen, modern wirkenden Wappenvogel, den Schriftzug „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“, Wertziffer und Währungsbezeichnung, die Jahreszahl 2019, die zwölf Europasterne sowie das Münzzeichen (A, D, F, G oder J). „Die kompositorische Idee, dem Adler in der Fläche freien Raum zu lassen“, so das Preisgericht, „hebt seine Bedeutung heraus. Die Gestaltung der Wertseite passt zu der ausgewählten Bildseite“. Bemerkenswert ist der „Weitblick“ der Wettbewerbsjury im abschließenden Satz der Beurteilung: „Es ist zu erwarten, dass diese Wertseite mit den zukünftigen Bildseiten der Serie ebenso gut harmonieren wird“.

Auch Wittings Entwurf der zweitplatzierten Bildseite zollte die Jury Anerkennung: „Die Gestaltung überzeugt durch die beherrschende Dynamik, die durch die Strömungsverläufe überzeugend dargestellt wird. Dies wird besonders betont durch die Durchprägung des transparenten Ringes. Drachenflieger und Gleitschirmflieger als die zentralen Flugfortbewegungsmittel sind dynamisch versetzt diagonal gegeneinander angeordnet. Die serifenlose Schrift ist behutsam in das Kreissegment eingearbeitet.“

2. Preis Wert- und 3. Preis Bildseite: Friedrich Brenner

Den dritten Preis für die Bildseite holte sich Friedrich Brenner aus Diedorf, der den Sammlern unter anderem von den 100-Euro-Goldmünzen der Jahre 2015 und 2016 bekannt sein dürfte. Das Preisgericht urteilte hier: „Die sensible plastische Gestaltung zeigt sich in der Grazilität der Darstellung, die kleine Details sorgfältig erfasst. ... Der Pilot ist aus der Vogelperspektive modelliert. Dadurch erscheinen in gespannter Körperhaltung Knie und Kopf in einer Ebene. Die Einbindung des klarsichtigen Polymerringes in die Gestaltung vermittelt das bewegte Lichtspiel des Gleitschirms in seinem thermischen Umfeld.“ Von Friedrich Brenner stammt auch die zweitplatzierte Wertseite (siehe Abb. Seite 13).

Dynamische Trendsportarten

Über den Fortgang der Serie „LUFT BEWEGT“ (so auch die gleichbleibende Inschrift auf dem glatten Münzrand) ist noch nicht viel bekannt. In der offiziellen Presseverlautbarung jedenfalls steht darüber kein Wort. Das heizte natürlich sofort Spekulationen in Sammlerkreisen an, wo beispielsweise in Internetforen über die weiteren Themen diskutiert wurde. So gab es etwa Mutmaßungen, dass auf der nächsten Ausgabe eine Windmühle oder ein Zeppelin zu sehen sein könnte. So wird es aber nicht kommen, das stellte jetzt Ministerialdirigentin Bohm im DMM-Interview klar. Geplant sind danach bis 2021 Darstellungen „dynamischer und spektakulärer Trendsportarten“, bei denen die Fortbewegung ausschließlich durch Windkraft erfolgt. „Attraktive Motive“ jedenfalls, die „neue und junge Käufergruppen ansprechen.“ Also eher Surfboards als historische Segelschiffe.

Unterschiedliche Farben der Polymerringe wie bei der 5-Euro-Serie wird es nicht geben – alle Prägeorte und Jahrgänge sollen jeweils denselben transparenten Ring und einen silberfarbenen Kupfer-Nickel-Kern aufweisen. Da die Münzreferatsleiterin in diesem Zusammenhang die Gestaltung des äußeren Metallrings ausdrücklich nicht erwähnt, ist davon auszugehen, dass hier Varianten geplant sind. So ist denkbar, dass dieser Ring bei den folgenden Ausgaben aus anderem Material besteht oder sich farblich unterscheidet. Ulrike Bohm: „Die genaue Ausgestaltung kann ich heute jedoch noch nicht verraten. Nur so viel: Seien Sie gespannt!“

Die 10-Euro-Gedenkmünze „In der Luft“ soll anlässlich der Eröffnung der weltgrößten Münzenmesse, der „World Money Fair“ in Berlin, am 1. Februar 2019 offiziell präsentiert und voraussichtlich im April auf den Markt gebracht werden. Die für diesen Zeitraum ursprünglich angedachte Ausgabe der nächsten 5-Euro-Polymermünze „Gemäßigte Zone“ (grüner Ring) dürfte sich deshalb auf die zweite Jahreshälfte verschieben, um den Erfolg der neuen Serie nicht zu schmälern.


Vollständiger Artikel mit Abbildung der Konkurrenzentwürfe im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September/Oktober 2018.

Gleitschirmsegler inmitten steiler Hänge einer Gebirgslandschaft: Die Erstausgabe der neuen 10-Euro-Gedenkmünzenreihe mit Polymerring "In der Luft" soll auch junge Menschen ansprechen – ein sportliches Motiv gepaart mit innovativer Prägetechnik.

 

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