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Editorial September/Oktober 2018

Vor 25 Jahren trat der Vertrag von Maastricht in Kraft

Mit dem Vertrag von Maastricht wurde aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) die Europäische Gemeinschaft (EG). Er trat vor 25 Jahren, am 1. November 1993 in Kraft und ist einer der bedeutendsten Meilensteine auf dem Weg zur Europäischen Union. Die Namensänderung verweist darauf, dass es mittlerweile nicht mehr nur um wirtschaftliche Zusammenarbeit ging, sondern um ein umfangreiches gemeinsames Handeln, etwa auch in umwelt- oder sozialpolitischen Fragen. Mit dem Vertrag von Maastricht wurden auch die Weichen gestellt für eine Gemeinschaftswährung, deren Arbeitstitel zu jener Zeit noch „ECU“ lautete.

Sammler, die schon damals dabei waren, werden sich noch gut erinnern an diese spannende Frühphase der Währungsunion. In unserer Titelgeschichte für Heft 3/1993 mit der Überschrift „Der ECU ersetzt die Währungen Europas“ berichteten wir vor 25 Jahren über die verschiedenen Vorläufer des Euro. So gab es von Belgien bereits ab 1987 Münzen in ECU, die mit ihrem entsprechenden nationalen Gegenwert offizielle Zahlungsmittel im Ausgabeland waren. Das dortige Münzgesetz war zuvor extra geändert worden. Ebenso in Frankreich. Hier wurden Gedenkmünzen mit Doppelwährungsangabe ausgegeben, etwa „100 Francs = 15 Ecus“, was gerundet bereits dem späteren offiziellen Wechselkurs von 6,55957 Franc für einen Euro entsprach.

Rund 341 Millionen Europäer in 19 Mitgliedsstaaten zahlen heute in der gleichen Währung, aber nicht mit gleicher Münze. Denn das Münzregal, also das Recht Münzen zu prägen, ist auch nach Inkrafttreten der Währungsunion in der Hand der Nationalstaaten verblieben. Und das bringt jene „Vielfalt in Einheit“, die Münzensammler in ganz Europa seit 16 Jahren begeistert.

Bereits das erste Euro-Jahr 2002 hat die Nostalgiker und Skeptiker Lügen gestraft: Anstelle zögerlicher Zurückhaltung oder gar Ablehnung haben sich die Sammlerinnen und Sammler wie wild auf die neuen Gemeinschaftsmünzen gestürzt – Ausverkaufsnachrichten von Prägestätten, zufriedene Mienen der Münzhändler und Bilder vom Gedränge auf Münzmessen belegen dies eindrucksvoll. Der Vertrag von Maastricht eröffnete vor einem Vierteljahrhundert die historisch einmalige Chance, einen nie dagewesenen währungspolitischen Umbruch numismatisch zu begleiten. Dabei wirkte die Einführung des Euro zugleich wie ein Jungbrunnen für das Hobby Münzensammeln, lockte Neusammler zu Hunderttausenden an. Viele von ihnen sind dieser Leidenschaft bis heute treu geblieben.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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