Internationale Fachzeitschrift für
alte und neue Numismatik

Editorial Juli/August 2020

Duplikat von Die Lage an der Corona-Front hat sich entspannt

In diesen Tagen, Ende Mai 2020, hat sich die Lage an der Corona-Front deutlich entspannt. Auch wenn sich jetzt hoffentlich alles zum Guten wendet, eines ist klar: Die Auswirkungen der Pandemie werden uns noch auf Jahre begleiten. Zu groß ist der entstandene wirtschaftliche Schaden, der jetzt mit gigantischen Finanzhilfen gemildert werden soll. Der sprunghaft gestiegene Goldpreis ist ein Indiz für die Verunsicherung der Märkte. Das Edelmetall wird seinem Ruf als Krisenmetall auf eindrucksvolle Weise gerecht: Über 1600 Euro kostete Mitte Mai eine Feinunze Gold – so viel wie nie zuvor.

Das Hobby Münzensammeln selbst allerdings ist von Corona nicht übermäßig betroffen. Das mag daran liegen, dass dies kein Mannschaftssport ist, sondern eine Freizeitbeschäftigung, bei der man den nun stets gepredigten Abstand zu anderen gut einhalten kann. Im Gegensatz zum Heimunterricht der Schüler, neudeutsch: Homeschooling, ist das „Homecollecting“ der Sammler nichts Ungewöhnliches. So manch einer, der durch das Virus unfreiwillig in die eigenen vier Wände verbannt wurde, mag sich mehr als sonst mit seinen Münzkollektionen befasst haben – und hat dabei vielleicht sogar die Freude daran neu entdeckt.

Aber natürlich wurde auch die Münzbranche von dem Jahrhundertereignis in Mitleidenschaft gezogen: Ladengeschäfte mussten schließen, Auktionen, Messen und Tauschtage fielen ins Wasser. Auch Prägestätten, Edelmetallschmieden oder Zubehörhersteller arbeiteten nur mit halber Kraft – und die Bundesbank schloss ihre Filialen für den Publikumsverkehr. Mit der Folge, dass die angekündigten Ersttage der deutschen Stempelglanz-Gedenkmünzen im Frühjahr verschoben werden mussten.

Verschoben wurden bekanntlich auch die beiden größten Sportereignisse dieses Jahres, die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele. Beide Veranstaltungen sollen nächstes Jahr nachgeholt werden, und zwar mit unveränderten Logos unter ihren ursprünglichen Namen: „UEFA EURO 2020“ und „TOKIO 2020“. Deshalb kann es gut sein, dass auch die dazu geplante und jetzt aus dem Ausgabeprogramm 2020 gestrichene deutsche 20-Euro-Fußballmünze 2021 unverändert geprägt wird. Und Olympia-Gastgeberland Japan kündigte bereits an, dass alle offiziellen „Tokio 2020“-Gedenkmünzen nicht nur wie vorgesehen erscheinen, sondern auch termingerecht ausgeliefert werden (siehe Seite 20 ff.). Das hört sich gut an, weil es nach Normalität klingt. Normalität, die wir uns jetzt alle so wünschen.

Erzinger
Wolfgang Erzinger,
Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin

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