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Numismatische Ehrung für NS-Widerstandskämpferin

Duplikat von 100. Geburtstag Sophie Scholl

Sophie Scholl gilt als Ikone des Widerstands gegen die Hitler-Diktatur. Anlässlich ihres 100. Geburtstags wird sie 2021 mit einer 20-Euro-Silbermünze geehrt.

Sophie Scholl ist in die Geschichtsbücher eingegangen als Symbolfigur der Auflehnung und des Protests gegen das nationalsozialistische Unrechts-Regime im Dritten Reich. Geboren wurde sie als viertes von fünf Kindern des Ehepaars Robert und Magdalena Scholl am 9. Mai 1921 im baden-württembergischen Forchtenberg (Hohenlohekreis) und im christlich-humanistischen Geist erzogen. Ursprünglich Scharführerin in der Hitlerjugend, wandte sie sich als 16-Jährige vom NS-Regime ab, unter anderem, nachdem die elterliche Wohnung von der Gestapo durchsucht und die älteren Geschwister wegen „bündischer Umtriebe“ festgehalten und verhört wurden. Als Studentin der Philosophie und Biologie in München verstärkten selbst erlebte Unfreiheit, Zwang und Unrecht ihre Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Zusammen mit ihrem Bruder Hans und Freunden verfasste sie Flugschriften gegen den Krieg und die faschistische Diktatur unter Adolf Hitler.

Als einziges weibliches Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ wurde sie schließlich am 22. Februar 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Mitstreiter Christoph Probst noch am gleichen Tag hingerichtet. Sie hatten zuvor an der Münchener Universität Flugblätter verteilt. Dabei wurden sie beobachtet, denunziert und unverzüglich von der Gestapo verhaftet. Im Verhör stand Sophie Scholl mutig für ihr Handeln ein, obwohl sie wusste, dass dies ihren Tod bedeuten könnte.

Die Geschwister Scholl gelten bis in die Gegenwart als Sinnbild für einen an humanistischen Werten orientierten Widerstand gegen das totalitäre NS-Regime. Zahlreiche Schulen, Kindergärten, Straßen und Plätze in Deutschland tragen heute ihren Namen. Und nächstes Jahr gibt es nun auch eine offizielle 20-Euro-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland, die an Sophie Scholl erinnert. Sie erscheint am 22. April anlässlich ihres 100. Geburtstags.

1. Preis: Olaf Stoy

Der Entwurf der Silbermünze stammt von dem sächsischen Künstler Olaf Stoy aus Rabenau, der sich als Porzellanplastiker einen Namen gemacht hat. Im Mittelpunkt des Motivs steht neben Ausgabeanlass, Name und Lebensdaten ein Relief nach einem bekannten Foto von Sophie Scholl, das ihre besondere Persönlichkeit sichtbar macht: „Das Porträt vermittelt ihre Stärke, ihre Konzentration aufs Wesentliche, aus der nicht zuletzt ihr Mut erwächst … zu ihren humanitären Prinzipien auch in höchster Lebensgefahr zu stehen“, erläutert die Jury, die Stoys Arbeit den 1. Preis im Münzwettbewerb verliehen hat. Die künstlerische Darstellung mache zudem „ihre Sensibilität sichtbar und ermöglicht es dem Betrachter, Empathie für ihre Person und für ihr Handeln zu entwickeln“, so das Preisgericht weiter.

2. Preis: Marianne Dietz

Eindrucksvoll ist auch ein Entwurf von Marianne Dietz aus Berlin, der den zweiten Preis bekam: Er zeigt das letzte öffentlich bekannte Bildzeugnis der Sophie Scholl, ein Gestapo-Foto, das kurz vor ihrer Hinrichtung entstand. Dokumentiert wird dies durch eine authentische Beschriftungstafel mit den Worten: „Geheime Staatspolizei, Staatspolizeistelle München, 8118/43“ sowie durch eine Stützvorrichtung am Hinterkopf zur Fixierung des Profils. Die Wettbewerbs-Jury dazu: „Diese Darstellung wird nicht nur Sophie Scholl gerecht, sondern sie weckt Erinnerungen an all die anderen jungen Frauen und Menschen weltweit, die aufgrund ihrer politischen Meinungsäußerung verfolgt wurden und werden. Dieser Entwurf erfüllt seine Funktion, ein Denk- und Mahnmal der Bundesrepublik Deutschland zu sein.“

3. Preis: Martin Dašek

Auf Platz 3 im Münzwettbewerb landete der tschechische Künstler Martin Dašek aus Staré Hradišt?, der in seinem Gipsmodell auf ein Porträt der Geehrten ganz verzichtete. Stattdessen reduzierte er die Darstellung auf Symbolik: eine weiße Rose als Namensgeberin der Widerstandsgruppe und zu Boden flatternde Flugblätter im Lichthof der Münchener Universität, die letztlich die Verhaftung und Ermordung von Sophie Scholl auslösten. Die obere Münzhälfte wird durch einen massiven Schriftblock zum Ausgabeanlass dominiert. Das Preisgericht dazu: „Durch die Schrägstellung der Elemente und die kursive Typographie wirkt das Motiv zugleich dynamisch und nonkonform. Die Wertseite mit ihrer würdigen Darstellung des Adlers greift die Bildseite gekonnt auf und harmoniert mit dieser in vorbildlicher Weise.“

Die Randschrift der Münze „EIN GEFUEHL WAS RECHT UND UNRECHT IST •“ wurde von der 1. Vorsitzenden der Weiße Rose Stiftung München, Dr. Hildegard Kronawitter, vorgeschlagen. Das Zitat entstammt einem Brief Sophie Scholls an ihren Verlobten Fritz Hartnagel vom 16. Mai 1940, in dem sie schreibt: „Wenn ich auch nicht viel von Politik verstehe und auch nicht den Ehrgeiz habe, es zu tun, so habe ich doch ein bisschen ein Gefühl, was Recht und Unrecht ist. Denn dies hat ja mit Politik und Nationalität nichts zu tun.“

Spezifikationen: 100. Geburtstag Sophie Scholl 1921–1943, 2021, 20 Euro, Silber 925/1000, 18 g, Ø 32,5 mm, Prägestätte München (D). Die Auflagen in Stempelglanz und Spiegelglanz wurden noch nicht bekannt gegeben.

 


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2020.


 

Das nachdenkliche Porträtfoto der Sophie Scholl wurde von dem Künstler Olaf Stoy gekonnt ins Münzrelief übertragen.

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