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Historischer Rekord: Gold erstmals Über 2000 US-Dollar

Duplikat von Das Krisenmetall hat Hochkonjunktur

Erstmals in der Geschichte übersprang in diesem Jahr der Goldpreis die magische Grenze von 2000 US-Dollar. Auch Silber legte wieder gewaltig zu. Die Gründe sind vielfältig und spiegeln die allgemeine Weltlage wider, nicht zuletzt getrieben von der Corona-Krise.

Historischer Rekord: Mit über 2000 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) war Gold im August 2020 so teuer wie nie zuvor. Und es scheint noch Luft nach oben zu geben: Zahlreiche Analysten sehen den Kurs des gelben Edelmetalls deutlich höher. So wagte die Bank of America, eines der größten Geldhäuser der Welt, eine Prognose von 3000 Dollar als Kursziel. Wo soll das noch hinführen? Und: Was sind eigentlich die Gründe für den kometenhaften Aufstieg dieser Anlageklasse?

Corona treibt den Goldkurs

Natürlich fällt einem als Erstes die Coronakrise ein, die für weltweite Verwerfungen an den Finanzmärkten sorgt, sowie die zunehmenden Handelskonflikte insbesondere zwischen den USA und China. In der Tat gilt diese Gemengelage als Treibmittel für die Goldpreis-Hausse, wenngleich die Notenbanken auch schon zuvor die Märkte mit Liquidität überschwemmt haben. Das Virus jedoch ließ alle Dämme brechen und die staatliche Schuldenflut weiter ausufern. Konjunkturprogramme in nicht gekanntem Ausmaß wurden aufgelegt, um die Folgen der COVID-19-Pandemie in den Griff zu bekommen. Allein die USA ließen einem Förderprogramm von gigantischen 480 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr ein zweites mit rund einer Billion folgen. Und auch in Europa explodieren die Staatsschulden. Die Regierungschefs der EU
einigten sich – neben nationalen Anstrengungen – auf einen 750-Milliarden-Euro-Hilfsfonds sowie eine massive Aufstockung des laufenden Haushalts, um den Folgen der Epidemie zu begegnen. Natürlich hat keiner so viel Geld auf der hohen Kante, deshalb werden – bildlich gesprochen – die Notenpressen angeworfen. Es werden jetzt zwar nicht in Massen neue Geldscheine gedruckt, aber es entsteht virtuelles Buchgeld als Folge fast unbegrenzter Ankäufe neuer Staatsanleihen durch die Zentralbanken. Dieses elektronisch erzeugte Papiergeld wird annähernd zinsfrei zur Verfügung gestellt, damit alles und jeder gerettet werden kann.

In Kombination sind dies beste Voraussetzungen für einen weiteren Kursanstieg des Goldes. Denn Gold ist eine Währung, die sich nicht beliebig vermehren lässt. Von niemandem, keinem Politiker und keinem Notenbanker. Sein Vorkommen ist begrenzt, neues Gold zu schürfen ist sehr teuer und zeitaufwendig. Deshalb verspricht Gold von alters her Sicherheit und gilt als perfektes Mittel, Werte zu erhalten.

Aber natürlich sollte man nicht sein ganzes Kapital in Gold investieren. Es war noch nie eine empfehlenswerte Anlage-Strategie, alles auf eine Karte zu setzen. Ein gewisser Anteil des Vermögens jedoch ist in Gold gut aufgehoben, darüber herrscht weitgehend Einigkeit unter Experten. Vor allem auch die Tatsache, dass die Wertschwankungen bei Gold gegenüber Aktien oder Anleihen zumeist antizyklisch verlaufen, senkt das Gesamtrisiko.

Angst vor dem Negativzins

Edelmetalle bringen keine Zinsen – das ist ein gewichtiger Nachteil gegenüber vielen anderen Investments. Aber sie kosten auch keine! Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox vom Sommer 2020 hat sich die Zahl der Banken und Sparkassen, die Negativzinsen verlangen, innerhalb von zwölf Monaten nahezu verzehnfacht – demnach verlangen inzwischen 126 Banken Negativzinsen für größere Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto. Vor einem Jahr waren es nur 13 Institute. Die derzeitige Null-Zins-Politik der Notenbanken ist also ein guter Nährboden für die Entwicklung des Goldpreises. Wall-Street-Legende Ray Dalio, mächtigster Hedge-Fonds-Manager der Welt, glaubt, dass viele Anleger das Edelmetall noch immer unterschätzen, und sagt: „Wer kein Gold besitzt, versteht nichts von unserer Geschichte und Wirtschaft.“

Auch der schwächelnde US-Dollar als Folge hoher Staatsverschuldung und der Handelskonflikte mit China und anderen Staaten spielt dem Gold in die Hände. Schließlich sind inflationäre Tendenzen traditionell ein Treiber für den Goldkurs. Zwar ist derzeit noch wenig von Teuerung bei den Verbraucherpreisen zu spüren, dies hängt aber auch damit zusammen, dass viele derzeit ihr Geld zusammenhalten und nicht sofort ausgeben. Erst wenn diese Kaufzurückhaltung aufgegeben wird – sei es, weil sich die Lage bessert oder das Vertrauen in die Währungspolitik schwindet – entsteht Inflation.

Selbst Warren Buffet, erfolgreichster Investor aller Zeiten, setzt nun überraschend auf Gold. Der 90-jährige Multimilliardär, der das Edelmetall bislang verschmähte und es als ein „hoffnungslos überschätztes Relikt aus einer anderen Zeit“ schmähte, kaufte nun rund 21 Millionen Aktien des kanadischen Goldminenkonzerns Barrick Gold, des größten Goldförderers der Erde, um an dem Boom teilzuhaben.

Zentralbanken horten Gold

George Bernard Shaw (1856–1950), irischer Dramatiker und Literaturnobelpreisträger, hat einmal gesagt: „Sie haben die Wahl zwischen der natürlichen Stabilität des Goldes und der Ehrenhaftigkeit und Intelligenz der Regierenden. Bei allem Respekt für diese Gentlemen – ich rate Ihnen, entscheiden Sie sich für Gold.“ Nicht nur die großen Zentralbanken scheinen diesem Rat zu folgen. Sie horten seit der letzten Finanzkrise vor zehn Jahren tonnenweise zusätzliches Gold – vor allem China und Russland haben so Teile ihrer Dollar-Reserven umgeschichtet. Auch und gerade Privatanleger setzen verstärkt auf Gold und Silber und heizen damit die Nachfrage weiter an. Weil Sparbuch und Festgeld so gut wie keine Rendite mehr abwerfen, ja oft sogar noch Geld kosten, erscheint vielen eine Edelmetall-Anlage als beste Möglichkeit, das Vermögen vor einer Entwertung zu bewahren. Wer nur dieses Minimalziel vor Augen hatte, als er beispielsweise vor zwei Jahren in Gold investierte, wurde positiv überrascht: Innerhalb dieser Zeitspanne hat der Goldpreis um 70 Prozent zugelegt: von unter 1200 Dollar im August 2018 auf über 2000 Dollar im August 2020.

Physisches Gold gefragt

Begehrt ist vor allem physisches Gold. Darunter versteht man echtes Gold, das man in Händen halten kann – im Gegensatz zu „Papiergold“, das nur auf dem Papier existiert, etwa in Form von Schuldverschreibungen oder Zertifikaten. Der weit überwiegende Teil des täglichen internationalen Handelsvolumens von oft über 2000 Tonnen – das ist mehr als die jährliche Förderleistung aller Goldminen der Welt – besteht aus solchem Papiergold. So sollen zum Beispiel 2016 jeder tatsächlich lagernden Feinunze 233 fiktive Unzen gegenübergestanden haben, die nur in Form von Terminkontrakten oder anderen Lieferversprechen existierten. Physisches Gold also ist knapp und speziell unter Privatanlegern sehr begehrt, denn sie wollen ja gerade keine weitere Papierwährung, sondern die Sicherheit eines universell anerkannten Wertspeichers. Eine Goldstudie der Reisebank und der Steinbeis-Hochschule Berlin von 2019 zeigt die anhaltend hohe Bereitschaft der Deutschen, in Gold zu investieren. Danach besaßen vor Jahresfrist die Deutschen (Bundesbank und Privathaushalte zusammen) 12.288 Tonnen Gold, das sind 6,5 Prozent des weltweiten Goldbestands.

Wer echtes Gold besitzen möchte, setzt am besten auf Münzen oder Barren. Die gibt es in verschiedensten Stückelungen und sind so auch für Kleinanleger erschwinglich.
Auf Goldmünzen, die Anlagezwecken dienen, wird in der EU keine Mehrwertsteuer erhoben. Das hat den großen Vorteil, dass man bei einem späteren Wiederverkauf von der Bank oder dem Händler nicht nur den Nettopreis (also abzüglich der Mehrwertsteuer) bekommt, sondern den vollen Wert. Diese Sonderregelung soll die „Verwendung von Gold als Finanzinstrument fördern“.

Sammlermünzen in limitierter Auflage

Zu den Goldmünzen, die mehrwertsteuerfrei ausgegeben werden, gehören neben den bekannten Anlagemünzen wie dem Krügerrand oder Österreichs Philharmoniker auch die deutschen 20-, 50- und 100-Euro-Goldmünzen. Aus Sicht der reinen Investoren hat der deutsche Gold-Euro zwar den Nachteil, dass er nicht beliebig verfügbar ist, denn er wird in einer begrenzten Auflage geprägt. Den Sammler freut das allerdings umso mehr. Denn der Marktpreis dieser Gedenkmünzen wird nicht nur vom gestiegenen Goldkurs bestimmt (unter den sie natürlich nie sinken können), sondern auch von ihrem Seltenheitswert. Und der liegt zumeist über dem reinen Edelmetallpreis.

Die Gold-Mark machte den Anfang

Begonnen hat die Prägung von Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2001, als zum Andenken an die gute alte D-Mark die legendäre Gold-Mark der Deutschen Bundesbank in der gewaltigen Auflage von einer Million Exemplare erschien. Es war die erste deutsche Goldmünze seit dem Kaiserreich! Sie war bereits kurz nach ihrem Erstausgabetag bei den Landeszentralbanken vollständig vergriffen und legte in der Folge im Wert stark zu. Wer dieses Stück damals zum Ausgabepreis von umgerechnet rund 125 Euro ergattern konnte, kann sich heute allein schon durch den gestiegenen Edelmetallkurs über eine Verfünffachung seines Einsatzes freuen.

Gold-Gedenkmünzen der Bundesrepublik Deutschland: Nach der legendären Goldmark von 2001 startete anlässlich der Einführung des Euro die 100-Euro-Serie, die bis heute erscheint. 2010 kam die 20-Euro-Reihe zu einer achtel Unze hinzu (ganz rechts). 2017 schließlich wurde die Lücke zwischen beiden Serien mit dem 50-Euro-Programm (1/4 Unze Feingold) geschlossen.


Nur wenige Monate nach Erscheinen der „Abschiedsmark“ beschloss das Bundeskabinett am 17. Oktober 2001 anlässlich der Euro-Einführung weitere Goldmünzen herauszugeben – motivgleich als Halbunze (15,5 Gramm) mit 100 Euro Nennwert und als ganze Unze zu 200 Euro. Die Auflagen beim ersten deutschen Gold-Euro waren auf 500.000 bzw. 100.000 Exemplare limitiert, „um den Sammlermarkt nicht zu überfordern“, wie es hieß. Der deutsche Gold-Euro-Pionier sollte keinesfalls zum Ladenhüter werden. Die Bedenken waren unbegründet, wie man heute weiß. Auch die erste deutsche Goldmünze in Euro-Währung wurde ein Riesenerfolg: Die Auflagen waren schon vor der Erstausgabe am „Europatag“, dem 9. Mai 2002, durch Reservierungen mehrfach überzeichnet und die Goldstücke mussten den Bestellern per Losverfahren zugeteilt werden. Insbesondere der Preis für die seltenere Goldunze zu 200 Euro explodierte förmlich. Sie ist bis heute die wertvollste Goldmünze der Bundesrepublik Deutschland. Nach diesem erneuten (Verkaufs-) Erfolg wurde die regelmäßige Ausgabe deutscher 100-Euro-Goldmünzen im Gewicht einer halben Unze Feingold (999,9/1000) mit 28 Millimeter Durchmesser beschlossen. Sie sollten fortan als Serie unter dem Thema „UNESCO Weltkulturerbe in Deutschland“ stehen. Das Programm endete letztes Jahr und wird nun mit gleichen Spezifikationen, aber neuem Thema fortgesetzt. Am 1. Oktober erschien die Erstausgabe der Dreier-Reihe „Säulen der Demokratie“ mit dem Motiv „Einigkeit“ – die Themen „Recht“ und „Freiheit“ folgen 2021 und 2022.

Neben dem Gold-Hunderter gibt es in Deutschland seit Juni 2010 1/8-Unzen-Feingoldmünzen im Gewicht von 3,89 Gramm und einem aufgeprägten Nennwert von 20 Euro. Eine erste Sechserserie galt dem „Deutschen Wald“ und zeigte Blätter bzw. Nadelzweige von Eiche, Buche, Fichte, Kiefer, Kastanie und Linde. Seit 2016 lautet das Thema der 17,5-Millimeter-Münzen „Heimische Vögel“ mit den Motiven Nachtigall, Pirol, Uhu, Wanderfalke, Weißstorch und Schwarzspecht.

Eine dritte deutsche Goldmünzenreihe startete 2017 mit der „Lutherrose“ zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation. Die Viertelunze (7,78 Gramm reines Gold) mit 50 Euro Nennwert wurde von den Sammlern so begeistert angenommen, dass sich das Bundesfinanzministerium entschloss, dieser Sonderausgabe zunächst fünf weitere folgen zu lassen, diesmal unter dem Motto „Musikinstrumente“. Nach Kontrabass (2018), Hammerflügel (2019) und dem diesjährigen Orchesterhorn wird die Serie mit Pauke und Konzertgitarre bis 2022 komplettiert.



Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2020.

Bei Sammlern und Privatanlegern besonders gefragt ist physisches Gold. Gold also, das man in Händen halten kann, und kein „Papiergold“, etwa in Form von Anteilscheinen. Die älteste und berühmteste Gold-Anlagemünze ist der südafrikanische Krügerrand.

 

Auch aus Deutschland gibt es Goldmünzen, die sich zur Geldanlage eignen, beispielsweise die 100-Euro-Serie, deren jüngste Ausgabe „Einigkeit“ Anfang Oktober erschienen ist.

 

Der „Philharmoniker“ aus Österreich – die einzige Euro-Bullion-Münze, deren Anfänge noch in Schilling-Zeiten zurückgehen.

 

Ein sogenannter Tafelbarren, der sich – wenn Not am Mann ist ­ – einfach und verlustfrei in kleine 0,5-Gramm-Barren teilen lässt.

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