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200. Geburtstag Sebastian Kneipp

Duplikat von Silber für den „Wasserdoktor“

Anfang des 20. Jahrhunderts war er in Amerika der bekannteste Deutsche nach Bismarck: Sebastian Kneipp, Pfarrer und Naturheilkundler. 2021 jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal, was von der Bundesregierung numismatisch gewürdigt wird.

„Alles, was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt“ – diese Worte von Sebastian Kneipp gelten seinen Jüngern noch heute als Mantra. Oder leicht abgewandelt: „Die Natur ist die beste Apotheke“. So steht es auch als Randschrift auf einer 20-Euro-Silbergedenkmünze, deren Erstausgabetag für den 20. Mai 2021 geplant ist. Sie gilt dem 200. Geburtstag des Priesters und Naturheilkundlers Sebastian Kneipp, den man auch den „Wasserdoktor“ nennt, weil er bei seinen Kuren auf die Heilkraft des Wassers setzt – mit kalten Güssen und Barfußlaufen im nassen Gras.

Als Sohn eines Webers im bayerischen Stephansried am 17. Mai 1821 geboren, hegt Kneipp schön früh den Wunsch, Geistlicher zu werden. Ein entfernter Verwandter und der Ortspfarrer unterstützen ihn dabei. Sie lehren in Latein und bringen ihm die Welt der Pflanzenheilkunde näher. Noch bevor er sein Abitur macht, erkrankt Sebastian Kneipp an Tuberkulose. Dennoch beginnt er sein Theologiestudium, jedoch macht ihm die Krankheit immer mehr zu schaffen. Durch Zufall entdeckt er ein Buch des Arztes Johann Siegmund Hahn über die Heilkraft von Wasser. Kneipp macht Selbstversuche in der kalten Donau. Sein Gesundheitszustand bessert sich stetig. Wenige Jahre später ist er vollständig von der Lungenkrankheit geheilt und verfeinert – mittlerweile als Priester – die Methoden seiner Wassertherapien, die er erstmals erfolgreich auch bei anderen Patienten anwendet. Kneipp forscht weiter, schreibt viel beachtete Bücher und entwickelt ein ganzheitliches Gesundheitskonzept für Körper und Geist, das noch heute Gültigkeit hat. 1897 verstirbt der mittlerweile vom Papst mit dem Titel Monsignore geadelte Geistliche und Therapeut im damals fast schon biblischen Alter von 76 Jahren.

1. Preis: Frantisek Chochola

Mit einem klassischen Porträt würdigt 2021 eine 20-Euro-Gedenkmünze aus Sterlingsilber Deutschlands wohl bekanntesten Naturheilkundler. Der Entwurf stammt von dem Hamburger Münzgestalter Frantisek Chochola, der dem Bildnis des Geehrten moderne Signets der fünf Säulen der kneippschen Gesundheitslehre zur Seite stellt: Anwendungen, Bewegung, Heilpflanzen, Ernährung und Entspannung. Das Preisgericht im Münzwettbewerb dazu: „So wird ein Spannungsbogen deutlich zwischen Sebastian Kneipps Wirken und der kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Lehre bis in die heutige Zeit.“

2. Preis: Victor Huster

Auf Platz 2 im Gestaltungswettbewerb kommt der Bildhauer Victor Huster aus Baden-Baden mit einem Gipsmodell, das die Jury durch seine Gesamtkomposition überzeugt hat. Gezeigt wird das bekannteste Porträt Kneipps, eingebunden in Figuren-, Kreis- und Wellenformen. In der Beurteilung heißt es: „Die fünf Elemente der kneippschen Lehre sind frei interpretiert und künstlerisch anspruchsvoll im Ensemble miteinander verbunden.“ Bemerkenswert ist die Typografie mit selbst gestalteter Schrift, die allerdings – so das Preisgericht – „etwas an den Rand gedrängt“ wirke.

3. Preis: Katharina Günther

Kein Kopfporträt, sondern eine Ganzkörperdarstellung Kneipps im Priestergewand mit einer Gießkanne in der Linken setzt die Künstlerin Katharina Günther aus Mansfeld in den Mittelpunkt ihres Entwurfes. Die Kanne und Wellen am unteren Münzrand verkörpern die Wasserheilkunde, den Ursprung seines Lebenswerks. Oben im Hintergrund umrahmen Symbole für die fünf kneippschen Elemente die Figur. Die Wettbewerbsjury lobt die Arbeit als „überzeugenden Gesamtentwurf“, der durch den „schwungvoll und würdig gestalteten Adler“ komplettiert wird.

Spezifikationen: 200. Geburtstag Sebastian Kneipp 1821–1897, 20 Euro, Silber 925/1000, 18 g, Ø 32,5 mm, Prägestätte Karlsruhe (G). Die Auflagen in Stempelglanz und Spiegelglanz wurden noch nicht bekannt gegeben.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2020.


Ein klassisches Kopfporträt, kombiniert mit den modernen Signets der kneippschen Lehre, verhalf Frantisek Chochola zum Sieg im Künstlerwettbewerb.

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