Internationale Fachzeitschrift für
alte und neue Numismatik

Die ersten Digitaldruck-Farbmünzen Deutschlands

Start der 5-Euro-Serie "Wunderwelt Insekten"

Im Oktober erwartet die Sammler eine zweifache numismatische Deutschland-Premiere: Die Ausgaben der neuen 5-Euro-Serie „Wunderwelt Insekten“ sind die ersten Münzen, die im Digitaldruckverfahren teilkoloriert werden und es sind die ersten, die im vierteljährlichen Rhythmus herausgegeben werden.

Am 20. Oktober startet die Serie „Wunderwelt Insekten“, die mit modernsten Digital-Farbdruckverfahren oberflächenveredelt wird. Damit können dann auch Farbverläufe und fotorealistische Effekte verwirklicht werden, die im herkömmlichen Tampondruck nicht möglich sind. Da nun das ganze Farbspektrum dargestellt werden kann, sind der Kreativität der Gestalter keine Grenzen gesetzt. Siehe unseren Bericht in Ausgabe 6-2021 mit der Vorstellung der Erstausgabe "Insektenreich". Mittlerweile hat das Bundeskabinett auch alle vier Motive des Jahrgangs 2023 beschlossen: Marienkäfer, Schmetterling, Biene und Libelle.

Siebenpunkt-Marienkäfer

Als erstes Einzel-Insektenmotiv der neuen Reihe erscheint im Mai 2023 eine 5-Euro-Münze mit dem Siebenpunkt-Marienkäfer. Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist eines der bekanntesten Insekten überhaupt – und zugleich ein echter Sympathieträger. Er ist weit verbreitet und ein Vertreter der „Big 4“ der größten Insektengruppen, nämlich der zahlenmäßig größten Ordnung der Käfer. Da sowohl seine Larven als auch die erwachsenen Käfer gerne Blatt- und Schildläuse fressen, ist er ein gern gesehener Gast in unseren Gärten. Wegen seiner Nützlichkeit für die Landwirtschaft glaubten die Bauern, dass der Marienkäfer ein Geschenk der Jungfrau Maria sei. Er gilt als Glückssymbol und ist ein beliebtes Motiv auf Grußkarten, Briefmarken und in der Kunst, was auch seiner Ästhetik geschuldet ist: sieben schwarze Punkte auf glänzend-roten Flügeldecken, ein halbkugeliger Körper und weiße Flecken auf dem Kopf. Er war im Jahr 2006 das „Insekt des Jahres“ in Deutschland.

Das Motiv für die Münze stammt von Anna Martha Napp aus Maßlow, die im Gestaltungswettbewerb den 1. Preis erhielt. Das Preisgericht schreibt in seiner Beurteilung: „Im Münzrund wird ein fliegender Käfer in seinem angedeuteten natürlichen Umfeld gezeigt. Dadurch werden auch Merkmale sichtbar, die, wie die Hinterflügel, ansonsten verdeckt sind. Dies verleiht dem Marienkäfer eine besondere Dynamik. Der Gestalterin gelingt durch die starke plastische Darstellung eine außergewöhnlich lebendige Anmutung. Die Gesamtkomposition inklusive der Typografie ist ausgesprochen gelungen.“ Der Marienkäfer ist neben dem (unkolorierten) Relief einer Blume in Farbe dargestellt: brauner Hinterleib, schwarzer Kopf mit weißen Punkten und Facettenaugen sowie die typischen roten Deckflügel mit sieben schwarzen Punkten. Unten findet sich im Halbrund die Inschrift „SIEBENPUNKT MARIENKÄFER“ (ohne Bindestrich). Prägestätte A (Berlin).

Schwalbenschwanz

Bereits fünf Wochen nach dem Marienkäfer hat der Vertreter der zweitartenreichsten Insekten-Ordnung seinen großen numismatischen Auftritt: der Schmetterling. Gezeigt wird der Schwalbenschwanz, einer der schönsten europäischen Tagfalter. Er hat eine markante Form, ist gelb-schwarz gemustert mit einer blauen Binde und roten Augenflecken. Der Schwalbenschwanz ist wie viele andere Schmetterlinge auch ein wichtiger Bestäuber von Wildpflanzen. Durch die vielfältigen Ursachen des Insektensterbens ist er in seiner Existenz bedroht und in Deutschland besonders geschützt.

Bastian Prillwitz darf sich darüber freuen, dass sein Schmetterlings-Entwurf nächstes Jahr in voller Farbenpracht auf einer 5-Euro-Gedenkmünze erscheint. Der Berliner Designer holte sich einmal mehr den 1. Preis in einem Münz-Gestaltungswettbewerb der Bundesrepublik Deutschland. Die Jury: „Die Bildseite zeigt den erwachsenen Schwalbenschwanz im Flug. Am linken Bildrand sitzt die Raupe am Stängel ihrer Futterpflanze, einem Doldenblütler. Das Motiv besticht durch gekonnte Ausarbeitung des Reliefs, die durch die naturnahe Gestaltung der Reflexion der farbigen Schmetterlingsschuppen verstärkt wird. Prägestätte G (Karlsruhe)

Rostrote Mauerbiene

Die an eine kleine Hummel erinnernde Rostrote Mauerbiene ist eine Wildbiene, von denen rund 700 Arten in Mitteleuropa leben. Sie spielen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt, insbesondere als Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen. Aufgrund ihres Nistverhaltens ist die kleine pelzige Biene häufig in der Nähe menschlicher Behausungen zu finden. Sie nutzt vorhandene Hohlräume in Mauern und Hölzern, um darin ihre mit Pollen gefüllten Nisthöhlen anzulegen, in denen sich die Larven bis August zu erwachsenen Bienen entwickeln. Die Rostrote Mauerbiene war „Insekt des Jahres“ 2019 in Deutschland.

Nach seinem 3. Platz beim Marienkäfer gewann Claudius Riedmiller aus Stuttgart den Wettbewerb bei der Rostroten Mauerbiene. In der Preisgerichts-Beurteilung heißt es: „Der Entwurf zeigt sie sitzend auf einer angedeuteten Mauerfläche. Das Motiv ist reliefartig angehoben und belässt die Aufschrift auf dem Münzgrund. In einer sehr ruhigen Komposition wird die Biene in einer klassischen Aufsicht gezeigt. Die Gestaltung des Insekts besticht durch eine feine Plastizität, die durch die Farbgebung gekonnt verstärkt wird.“ Prägestätte D (München).

Gebänderte Prachtlibelle

Die Gebänderte Prachtlibelle als Vertreterin der in Mitteleuropa etwa 85 Libellenarten bewohnt die Uferstreifen langsam fließender Gewässer, die wenig verschmutzt und ausreichend besonnt sind. Die Larven leben räuberisch im Wasser und ernähren sich von Mückenlarven und kleinen Krebsen, als erwachsene Tiere fangen sie fliegende Insekten. Der flatternde, gaukelnde, an Schmetterlinge erinnernde Flugstil ist ebenso unverkennbar für diese Libellen wie ihre metallisch blaugrün schimmernden Körper und die farbigen Flügel. Die Paarung der Libellen ist einzigartig und umfasst den Tandemflug und das Paarungsrad, Verhaltensweisen, die von Spaziergängern immer wieder zu beobachten sind. Libellen sind wichtiges Vogel- und Fledermausfutter, die Larven zudem Fischfutter. Die Gebänderte Prachtlibelle war „Tier des Jahres“ 2008 in der Schweiz.

Detlef Behr aus Köln, der mit drei 2. Preisen aus den bisherigen Insekten-Künstlerwettbewerben hervorging, konnte bei der Libelle schließlich einen Sieg verbuchen. Sein Entwurf wird als Münze geprägt, die am 9. November erscheint. Er zeigt die Gebänderte Prachtlibelle direkt von oben vor dem Hintergrund von Rohrkolben. Das Preisgericht dazu: „Durch die Farbgebung hebt sich die Libelle deutlich in den Vordergrund, was zu einer subtilen Spannung der Gesamtkomposition führt. Die Farbgebung, die an eine wissenschaftliche Zeichnung erinnert, empfindet sehr sensibel die schillernde Beschaffenheit der Flügel nach. Insgesamt zeichnet sich der Entwurf durch eine elegante Leichtigkeit aus.“ Prägestätte J (Hamburg).

Spezifikationen: Serie „Wunderwelt Insekten“), 2023, 5 Euro, Kupfer-Nickel, 9 g, Ø 27,25 mm, Prägestätten A, G, D, J, Auflagen (PP, Stgl.) ca 1,25 Millionen.


Vollständiger Artikel mit Konkurrenzentwürfen und Bericht zur Herstellung der Farbmünzen im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN September/Oktober 2022.


Die Erstausgabe der neuen Farbserie trägt den Titel „Insektenreich“ und gibt gewissermaßen eine Gesamtschau über diese artenreichste Tierklasse und ihren Lebensraum.

Mittlerweile hat das Bundeskabinett auch alle vier Motive des Jahrgangs 2023 beschlossen: Marienkäfer, Schmetterling, Biene und Libelle.

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