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Deutsches Kaiserreich:

Die Mark-Münzen der Bundesstaaten

Mit dem Königreich Württemberg endete 2013 die Artikelserie von Mario Spalj über die Mark-Münzen der Bundesstaaten im Deutschen Kaiserreich. Aufgrund vielfacher Leseranfragen stellen wir hier alle 19 Folgen der Reihe im PDF-Format zum kostenlosen Download bereit.

Genau drei Jahre dauerte die Berichterstattung, in der wir in alphabetischer Reihenfolge die Mark-Münzprägung der 25 Teilstaaten des Deutschen Kaiserreichs vorstellten. Dies umfasste vier Königreiche, sechs Großherzogtümer, drei Freie Hansestädte, fünf Herzogtümer und sieben Fürstentümer. Anlass für die Artikelserie war der 140. Reichsgründungstag am 18. Januar 2011.

Mark-Einheitswährung

Mit Reichsgründung wurde zugleich die moderne Dezimal-Mark zu hundert Pfennigen als einheitliche Währung eingeführt, die das bis dato herrschende Münzenwirrwarr der deutschen Kleinstaaterei ablöste und damit den Zusammenhalt im neuen, politisch heterogenen Gebilde förderte. Das komplizierte Umrechnen, etwa vom süddeutschen Gulden in Taler unterschiedlicher Münzfüße, hatte ein Ende. Im Binnenhandel konnte man nun grenzüberschreitend mit den gleichen Münzen bezahlen, wobei – wie im heutigen Euro-Zeitalter – die regionale Vielfalt größtenteils erhalten blieb. Schließlich waren nur die kleinen Kursmünzen bis 1 Mark beidseitig einheitlich, während die Silber- und Goldmünzen auf den Vorderseiten die Porträts ihrer jeweiligen Landesherrscher bzw. bei den Stadtstaaten deren Wappen trugen.

Gedenkmünzen: 1901 bis 1918

Noch mehr Freiheit herrschte bei den ab 1901 ausschließlich in Silber erschienenen Gedenkmünzen. Hier durfte sogar die Rückseite abweichen und anstelle des sonst einheitlichen Reichsadlers mit Preußens Hohenzollernschild auf der Brust (ab 1890 leicht verändert) ein zum regionalen Ausgabethema passendes Motiv präsentieren. Die erste Gedenkmünze kam erwartungsgemäß vom Führungsstaat Preußen, der alle drei deutschen Kaiser stellte. Sie erschien 1901 zu 2 und 5 Mark anlässlich der 200-Jahr-Feier des Königreichs und stellte im Doppelporträt den ersten sowie den amtierenden Preußenkönig Friedrich I. und Wilhelm II. dar. Den numismatischen Abschluss steuerte im Kaiserreich Bayern bei, das 1918 mit einer 3-Mark-Silbermünze die goldene Hochzeit des Königspaares Ludwig III. und Marie Therese würdigte. Die Ausgabe mit deren Doppelporträt ist zugleich die letzte Münze im Kaiserreich und mit einer 100er Auflage eine der seltensten deutschen Raritäten.
Außer den Gedenkmünzen gab es im Kaiserreich Goldausgaben zu 5 Mark (einzige Prägejahre 1877/ 78), 10 und 20 Mark sowie die regulären Silbermünzen zu 2 und 5 Mark, ergänzt ab 1908 durch zusätzliche Silberdreier.

Prägestart: 20 Mark Gold 1871

Den numismatischen Anfang machte auch hier Preußen, das bereits im Reichsgründungsjahr 1871 als einziges Bundesland die erste Markmünze herausgab. Bei dem Pionier handelt es sich um ein 20-Mark-Goldstück, das höchste Münznominal im Kaiserreich – wobei in den beiden Anfangsjahren der Nennwert noch abgekürzt mit "M." aufgeprägt war. Dieser besondere Goldzwanziger trägt ein Porträt des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. Interessant ist auch das legendäre Dreikaiserjahr 1888 mit preußischen Münzen von Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. Wobei der einzige Münztyp in Edelmetall, der von allen drei Kaisern in jenem Jahr erschien, die 20-Mark-Goldmünze war.

Kostbare Raritäten

Besondere Erwähnung verdienen in unserem Kaiserreich-Rückblick auch die kleinen Bundesstaaten. Bei genauerer Recherche zeigte sich, dass sich hier zahlreiche seltene und kostbare Münzen verbergen. Dies gilt beispielsweise für die Fürstentümer Lippe oder Reuß ältere und jüngere Linie bzw. das Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha ebenso wie für die Freien und Hansestädte Bremen oder Lübeck.
Exemplarisch genannt sei hier die 3-Mark-Silbermünze des Fürsten Leopold IV. zur Lippe von 1913, von der es nur 15000 Exemplare in Normalprägung "Stempelglanz" sowie 900 Exemplare in höchster Sammlerqualität "Polierte Platte" gab. Dann Lübecks 5-Mark-Silbermünze von 1908 mit dem Doppeladler-Stadtwappen als Motiv, die in einer 10000er Kleinauflage erschien. Oder die erste 20-Mark-Goldmünze des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha aus dem Jahr 1872, die nur 1000 Mal geprägt wurde. Ein besterhaltenes Prachtexemplar davon ist seit 2011 mit einem Rekord-Auktionspreis von 130.000 Euro die teuerste Münze des Kaiserreichs!

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