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Leserforum

In dieser Rubrik beantwortet die Redaktion regelmäßig Fragen der Leserinnen und Leser des Deutschen Münzen Magazins. Besonders interessante und häufig gestellte Leserfragen finden Sie hier in unserer Online-Ausgabe.


Früheres Ersatzgeld der Bundesrepublik

Kürzlich erfuhr ich von einer Fernsehsendung über eine sogenannte „Schattenwährung“ in der Bundesrepublik Deutschland von etwa 1965 bis 1988. Können Sie mir dazu Näheres mitteilen?

Erhard H., 07955 Auma-Weidatal

Anmerkung der Redaktion: Damit sprechen Sie ein interessantes und nach außen offiziell bis 2010 geheim gehaltenes Kapitel bundesdeutscher Währungsgeschichte an. In der Tat hatte die Bundesbank am 20. Januar 1959 – wohl für den Krisenfall zur Zeit des Kalten Krieges – beschlossen, Druckplatten für Reservebanknoten anfertigen zu lassen.
In ihrem Monatsbericht vom November 1962 gab sie dann eine auf die Nennwerte 10, 20, 50 und 100 D-Mark reduzierte Ersatzserie aus den Entwürfen des freiberuflichen Frankfurter Grafikers Max Bittrof bekannt, der bereits zuvor die 5-, 50- und 100-DM-Scheine der Bank deutscher Länder entworfen hatte. Wie sich später herausstellte, ließ die Bundesbank zwei Ersatzbanknoten-Serien unter dem Kürzel „BBk II“ herstellen: eine mit Ausfertigungsdatum „1. Juli 1960“ (signiert von Karl Blessing und Dr. Troeger) für Westdeutschland mit vier Nominalen zu 10, 20, 50 und 100 DM, die andere mit Datum „1. Juli 1963“ für West-Berlin mit blasseren Farben und fünf Wertstufen zu 5 bis 100 DM, deren Entwürfe von Rudolf Gerhardt (Grafiker bei der Bundesdruckerei Berlin) stammen – wie im Fall Bittrofs bereits zuvor für die Ausschreibung zur ersten Bundesbank-Serie BBk I von 1958 angefertigt.
Der Druck der Banknoten soll 1963 begonnen und bis 1974 gedauert haben, um die Ersatznotenmenge der tatsächlich umlaufenden Banknotenanzahl anzupassen. Laut Deutscher Bundesbank wurden 670 Millionen Banknoten im Nennwert von insgesamt über 25 Milliarden D-Mark für Westdeutschland gedruckt sowie knapp 115 Millionen Ersatzscheine mit rund vier Milliarden D-Mark Nennwert für West-Berlin, die von 1964 bis 1988 im streng geheimen Bundesbankbunker Cochem sowie im Bundesbanktresor in Frankfurt lagerten. Heute sind Belegstücke als Exponate im eben wiedereröffneten Frankfurter Geldmuseum zu sehen.
Zusätzlich stellte die Bundesdruckerei 1967 im Auftrag des Bundesfinanzministeriums eher schlichte Bundeskassenscheine ohne Bildmotive, Sicherheitsfaden und fluoreszierende Fasern her, als Ersatzzahlungsmittel für Kursmünzen mit kleinen Nominalen von 5 Pfennig bis 2 DM.
Im Jahr 1988 schließlich beschlossen Bundesbank und Finanzministerium, das nie verausgabte Ersatzgeld zu vernichten, da die Sicherheitsmerkmale nicht mehr ausreichend gegen Fälschungen waren. Hierbei sollen bei den beauftragten privaten Entsorgungsfirmen einige Ersatznoten entwendet worden sein, die aber – trotz Auflistung vor allem der Bundeskassenscheine in Katalogen mit teils preislicher Bewertung – offiziell nicht als legale Sammlerobjekte, sondern als Diebesgut gelten.

1-Crown-Gedenkmünzen aus Großbritannien

Mir wird eine Münzenammlung von Großbritannien angeboten, in der sich auch mehrere 1-Crown-Münzen befinden. Es handelt sich unter anderem um: 1 Crown 1977 Elisabeth zu Pferde, 1 Crown 1980 Königin Mutter, 1 Crown 1981 Hochzeit Prinz Charles und Lady Diana. Diese Münzen wurden sowohl in Kupfer-Nickel, als auch in Silber verausgabt. In meinem Katalog (Schön) finde ich nur einen Hinweis auf das Gewicht der Münzen in Silber (28,28 Gramm). Können Sie mir weiterhelfen, nach welchen Kriterien ich diese Münzen noch unterscheiden kann?

Walter B., per E-Mail

Anmerkung der Redaktion: Zwar sind Größe (38,61 Millimeter Durchmesser = Crown Size) und Gewicht (28,28 Gramm) der Gedenkmünzen „25. Thronjubiläum von Elizabeth II.“ (1977), „80. Geburtstag der Königinmutter Elizabeth“ (1980) und „Hochzeit des Prinzenpaares“ (1981) sowohl in Silber als auch Kupfer-Nickel gleich. Doch wurden die Edelmetallversionen ausschließlich in höchster Sammlerqualität „Polierte Platte“ (englisch: Proof) mit spiegelndem Grund geprägt, wodurch sie sich von den Kupfer-Nickel-Ausgaben unterscheiden lassen. Außerdem wurden die Sterlingsilbermünzen (925/1000) gekapselt in originalen Einzelkassetten der Royal Mint mit Zertifikat herausgegeben.

Originales Krügerrand-Wachsmodell aus Berlin

Als Ergänzung zum Artikel „50 Jahre Krügerrand“ im DMM 6/2016 und dem darin vorgestellten, sogenannten „Vintage Krügerrand“ von Südafrika schreibt uns Dr. Andreas Schikora, Geschäftsleiter der Staatlichen Münze Berlin:
„Die ,1967 Vintage-Münze‘ wurde unter Verwendung eines reproduzierten Wachsmodells gefertigt, welches für die Herstellung der ursprünglichen Prägewerkzeuge 1892 vom Berliner Medailleur Otto Schultz modelliert wurde und im Münzkabinett Berlin aufbewahrt wird. In einem technisch aufwendigen Verfahren wurde das ursprüngliche Wachsmodell von den Graveurinnen der Münze Berlin in Zusammenarbeit mit dem Berliner Münzkabinett für die südafrikanische Münzstätte digitalisiert, damit dort ein neues Prägewerkzeug hergestellt werden konnte. So erklärt sich das konturenscharfe Antlitz Paul Krugers.“

Goldmark ohne Zertifikat

Ich bekam neulich eine Goldmark von 2001, Prägebuchstaben G, zum Kauf angeboten, allerdings ohne Echtheitszertifikat. Der Händler sagte mir, dass es bei der Erstausgabe überhaupt keine offiziellen Zertifikate zu dieser Münze gab. Stimmt das?

K.-O. B., per E-Mail

Anmerkung der Redaktion: Das ist richtig. Die Zertifikate, die gelegentlich als Beipackzettel zur Gold-Mark auftauchen, sind durchweg in privatem Auftrag nachträglich gedruckt worden und kein Originalzubehör. Die erste deutsche Goldmünze seit dem Kaiserreich wurde in einer Million Auflage zu gleichen Teilen von allen fünf deutschen Prägestätten hergestellt, also je 200000 mit den Buchstaben A (Berlin), D (München), F (Stuttgart), G (Karlsruhe) und J (Hamburg). Offiziell ausgeliefert wurden die Münzen vor 15 Jahren in Kunststoffkapseln mit vier Zentimetern Durchmesser, in deren Mitte das 23,5 Millimeter große Goldstück durch einen matt-weißen, breiten Plastikring zentriert war. Ein amtliches Echtheitszertifikat gab es, wie gesagt, dazu nicht.

Randschrift kopfstehend

Ich habe zwei 20-Euro-Münzen „Grimms Märchen, Rotkäppchen“ erworben und festgestellt, dass die Randschrift mit der Motivseite nach oben liegend einmal falsch herum, also auf dem Kopf steht. Ist dieses ungewöhnlich oder kommt so etwas häufiger vor?

Dietmar Sch., 23845 Grabau

Anmerkung der Redaktion: Das ist nichts Ungewöhnliches. Beide Münzen sind korrekt geprägt. Dass die Randschrift mal aufrecht- und mal kopfstehend zu den Bildseiten ausgerichtet ist, liegt am Prozess der Münzprägung. Bei deutschen Gedenkmünzen erhalten die Rohlinge in einer Rändelmaschine zunächst die Randschrift, purzeln danach in Auffangbehälter, von wo es weiter zur eigentlichen Motivprägung geht. Hier wirken nun die Prägestempel von Vorder- und Rückseite gleichzeitig auf den Rohling ein. Die Chance steht also genau 50 zu 50, wie herum die mit Randschrift versehenen Ronden in die Münzprägemaschine gelangen.

Woher kommt der Name Sterlingsilber?

Seit Anfang des Jahres werden die deutschen Gedenkmünzen wieder in Sterlingsilber geprägt. Auch viele Münzen aus anderen Ländern sind aus diesem Metall. Aber woher kommt der Name? War das englische Pfund Sterling früher aus dieser Legierung?

Friedrich M., per E-Mail

Anmerkung der Redaktion:

Mit „Sterling“ wurden ursprünglich mittelalterliche Silbermünzen bezeichnet, vor allem hochwertige Silberpennies, die seit dem Jahr 1180 unter dem englischen König Heinrich II. (1154–1189) geprägt wurden. Der Herkunft des Namens ist umstritten. Es gibt (neben vielen anderen) Deutungen, die auf das lateinische „statera“ (Waage) zurückgehen, von dem sich das französische „esterlin“ ableiten soll, was für ein hochwertiges, reines Geldstück stand. Andere Sprachwissenschaftler gehen vom altenglischen „steorling“ (Münze mit Stern) aus, was auf das Motiv des englischen Sterlings mit einem Zwillingsfadenkreuz verweist. Heute ist Sterlingsilber die international gebräuchliche Standardangabe für eine Legierung mit einen Feingehalt von 925 Tausendstel Anteilen Silber und gleichzeitig die gängigste Metalllegierung bei hochwertigen Gedenkmünzen.

Wie Sie selbst erwähnen, wurde in England der Ausdruck „Sterling“ sogar Teil der Währungsbezeichnung. Im Mittelalter wurden aus einem Pfund Silber 240 Sterlinge geprägt, was sich im Ausdruck „Pound of Sterlings“ manifestierte. Bis heute bezeichnet „Pound Sterling“ die Währungseinheit des Vereinigten Königreichs, offiziell GBP = Great Britain Pound.

Stempelglanz – bankfrisch

Über meinen Händler habe ich die 5-Euro-Münzen „Planet Erde” von allen fünf Prägestätten bekommen. Bei der Sichtkontrolle mit bloßem Auge stellte ich an allen fünf Münzen am Rand kleine Einkerbungen fest. Des Weiteren zeigt sich der innere Ring (Seite Erde) unterschiedlich glänzend. Kann man diese Qualität noch als „Stempelglanz“ bezeichnen oder ist das nur noch „bankfrisch“?

Hans-Ulrich J., 63619 Bad Orb

Anmerkung der Redaktion: Die Begriffe „Stempelglanz” und „bankfrisch” werden oft synonym verwendet. Beide Begriffe bezeichnen Münzen, die direkt aus der Prägestätte kommen und noch nicht in Umlauf waren. Die 5-Euro-Münzen, die der Handel kurz nach der Erstausgabe als „Stempelglanz“ verkauft hat, stammen in aller Regel direkt aus den Originalrollen der Münzstätten, haben also die bestmögliche Erhaltung in „Normalprägung”, wie der Bund diese Qualität nennt. Die kleinen Macken sind bei der Massenprägung nicht ganz zu vermeiden. Wenn Sie ganz makellose Stücke besitzen wollen, müssen Sie einen Aufpreis für die höchste Prägequalität „Spiegelglanz” (oder „Polierte Platte”) in Kauf nehmen. Die Qualität „handgehoben”, wie beispielsweise in Österreich, gibt es von normalgeprägten deutschen Münzen nicht.

5-Euro-Münze: Erste Fehlprägung aufgetaucht

Mein Vater (87 Jahre) hat bei seinem Münzhändler in München die neue 5-Euro-Gedenkmünze gekauft und zuhause bei genauerer Betrachtung festgestellt, dass der blaue Polymerring „ausgelaufen“ ist (siehe Foto). Handelt es sich dabei um eine Fehlprägung und wie kann so etwas entstehen?

Monika R., per E-Mail         

Anmerkung der Redaktion: Als wir das Foto in der Redaktion sahen, waren wir zunächst auch ratlos, weil über Fehlprägungen der neuen Polymer-Münze bislang noch nichts bekannt war. Auch eine Recherche im Internet brachte keine Ergebnisse. Wir haben deshalb die Anfrage an das Bundesministerium der Finanzen als Herausgeber der Münze weitergeleitet und von dort folgende Stellungnahme erhalten:

„Die Ursache für den ‚verlaufenden Polymerring‘ dürfte in dem der Prägung vorausgehenden Fügeprozess liegen. Es handelt sich bei dem Fügeprozess um ein Verfahren zur Serienherstellung eines Produktes mit hoher Prozessgeschwindigkeit. Wie bei jedem derartigen Prozess kann es aufgrund der eng tolerierten Einzelkomponenten zu geringen Schwankungen in der Verarbeitung aller Komponenten kommen. Das Vorprodukt der Münze wird aus drei Komponenten – metallischer Außenring, Polymermittelring und metallischer Kern – zusammengefügt. In dem vorliegenden Fall wurde der Polymerring durch die Maschine nicht ganz präzise in der vorgesehenen Position abgelegt. Durch den Fügedruck wurde der Polymerring über den metallischen Außenring gedrückt. Dem Grunde nach handelt es sich um eine Prozessungenauigkeit, die in einer maschinellen Serienfertigung mit Stichprobenprüfung im Ausnahmefall auftreten kann.“

Es dürfte sich demnach also tatsächlich um eine echte Fehlprägung handeln, die bei den (strengen) Qualitätskontrollen – in diesem Fall im Bayerischen Hauptmünzamt mit dem Prägebuchstaben D – übersehen wurde und so in den Umlauf gelangen konnte. Die Tatsache, dass bei über zwei Millionen Auflage dieser Münze bislang erst dieses eine Stück dokumentiert ist, zeigt, dass dies offenbar höchst selten passiert. Wir würden Ihrem Vater empfehlen, die Münze vorerst zu behalten und die Wertentwicklung abzuwarten, die davon abhängig ist, wie viele derartige Stücke in nächster Zeit noch auftauchen. Denn bekanntlich gibt es Sammler, die sich auf Fehlprägungen spezialisiert haben und bereit sind, dafür umso höhere Preise zu bezahlen, je seltener und spektakulärer das Stück ist.

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